Wenn du nicht 400.000 überweist, pack deine Sachen und verschwinde aus dem Haus, du Schmarotzerin! – Center LP
Die Oktoberblätter wirbelten langsam vor dem Fenster und bedeckten den Hof mit einem gelben Teppich.

Oksana deckte gerade den Tisch für das Abendessen, als es schrill an der Tür klingelte.
Roman erhob sich vom Sofa und ging öffnen, wobei er über die Schulter warf:
— Wahrscheinlich ist Galina gekommen.
Die Mutter ihres Mannes kam in letzter Zeit immer häufiger vorbei, jedes Mal mit besorgter Miene und irgendwelchen Bitten.
Oksana hatte sich schon an solche unerwarteten Besuche gewöhnt, obwohl es ihr lieber gewesen wäre, wenn die Schwiegermutter vorher angerufen hätte.
Im Flur waren Stimmen zu hören, doch das Gespräch war kurz.
Galina ging in die Küche, kaum dass sie gegrüßt hatte.
Das Gesicht der Frau drückte äußerste Anspannung aus, unter ihren Augen lagen dunkle Schatten.
Die Haare, sonst immer ordentlich frisiert, wirkten heute zerzaust.
— Ich brauche vierhunderttausend Rubel, — erklärte Galina direkt an der Türschwelle.
— Sofort.
Oksana erstarrte mit einem Teller in der Hand.
Mit einem solchen Gesprächsbeginn hatte sie nicht gerechnet.
— Guten Abend, Galina Petrowna, — grüßte die Schwiegertochter trocken und stellte den Teller auf den Tisch.
— Kommen Sie herein, setzen Sie sich.
— Für Förmlichkeiten ist keine Zeit, — winkte die Schwiegermutter ab.
— Ich habe gesagt, was ich brauche.
Vierhunderttausend.
Roman kam langsam in die Küche und setzte sich an den Tisch.
Der Mann vermied es, seiner Frau in die Augen zu sehen, und studierte das Muster auf der Tischdecke mit einer solchen Konzentration, als bereite er sich auf eine Prüfung im Textildesign vor.
— Aus welchem Anlass eine so große Summe? — fragte Oksana ruhig.
Galina zupfte nervös am Riemen ihrer Tasche und trat unruhig von einem Fuß auf den anderen.
— Schulden.
Ich habe bei verschiedenen Banken Kredite aufgenommen und dachte, ich könnte damit fertigwerden.
Die Zinssätze sind gestiegen, die Raten wurden höher.
Wenn ich den Grundbetrag nicht einzahle, werden sie die Wohnung gerichtlich versteigern lassen.
— Das sind Ihre Schulden, — antwortete Oksana mit ruhiger Stimme.
— Ich habe damit nichts zu tun.
Die Augenbrauen der Schwiegermutter schossen hoch, als hätte sie etwas Unanständiges gehört.
— Wie, du hast nichts damit zu tun? — empörte sich Galina.
— Du bist die Frau meines Sohnes!
Eine Verwandte!
Oksana stellte weiter Geschirr auf den Tisch, ohne sich mit der Antwort zu beeilen.
Ihre Bewegungen waren gleichmäßig und ruhig.
Roman schwieg immer noch und studierte konzentriert das Muster des Stoffes.
— Verwandtschaftliche Beziehungen bedeuten keine finanziellen Verpflichtungen, — sagte Oksana schließlich.
— Sie sind ein erwachsener Mensch und haben selbst entschieden, Kredite aufzunehmen.
— Aber ihr habt doch Geld! — ließ Galina nicht locker.
— Roman hat erzählt, dass ihr ein Erbe von der Großmutter bekommen habt, gute Prämien und so!
Oksana drehte sich langsam zu ihrem Mann um.
Roman wurde rot und wandte den Blick schnell ab.
— Roman bespricht unsere Familienfinanzen? — fragte die Frau kühl.
— Ich habe nur … Mama hat gefragt, wie es uns geht, — murmelte der Mann.
— Wie es uns geht und konkrete Summen auf den Konten sind zwei verschiedene Dinge, — bemerkte Oksana.
Galina nutzte die Pause und erhob die Stimme:
— Eine Ehefrau ist verpflichtet, der Familie zu helfen!
Das Geld ist nicht für mich persönlich, sondern für uns alle nötig!
Wenn man mich aus der Wohnung wirft, wo soll ich dann leben?
Ich werde euch doch auf der Tasche liegen!
— Mit meinem Geld werde ich keine fremden Schulden begleichen, — antwortete Oksana scharf.
Das Gesicht der Schwiegermutter verzog sich vor Wut.
Die Frau ballte die Fäuste, ihre Stimme bebte vor Empörung.
— Fremde Schulden?
Ich bin die Mutter deines Mannes!
Ich habe ihn großgezogen, erzogen, mein ganzes Leben für ihn geopfert!
— Und wo ist das Ergebnis all dieser Opfer? — fragte Oksana.
— Warum hat eine Frau mit so viel Erfahrung und so vielen Lebensjahren keine eigenen Ersparnisse?
Galina öffnete den Mund, konnte aber nichts antworten.
Die Frage traf genau ihren wundesten Punkt.
— Ich bin nicht verpflichtet, dir Rechenschaft abzulegen! — presste die Schwiegermutter schließlich hervor.
— Aber Sie verlangen von mir Geld, — erinnerte Oksana.
— Eine merkwürdige Logik.
Roman hob den Kopf und warf unsicher ein:
— Oksana, vielleicht könnten wir wirklich helfen?
Wenigstens teilweise?
Die Frau drehte sich zu ihrem Mann um.
In ihren Augen blitzte Enttäuschung auf.
— Roman, verstehst du, wovon du sprichst?
Vierhunderttausend sind viel Geld.
— Aber Mama ist in einer schwierigen Situation, — versuchte Roman zu erklären.
— In einer Situation, die sie selbst geschaffen hat, — betonte Oksana.
— Und die sie auf fremde Kosten lösen will.
Galina hörte dem Gespräch mit wachsender Gereiztheit zu.
Offenbar hatte die Frau mit einem solchen Widerstand nicht gerechnet.
— Es reicht! — brüllte die Schwiegermutter.
— Ich lasse mir von irgendeiner Emporkömmling nicht vorschreiben, wie ich zu leben habe!
— Niemand schreibt Ihnen etwas vor, — entgegnete Oksana ruhig.
— Ich habe nur nicht vor, Ihre Fehler zu finanzieren.
— Fehler? — fuhr Galina hoch.
— Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet!
Nie habe ich jemanden um Hilfe gebeten!
— Aber jetzt tun Sie es.
Und zwar in ziemlich scharfem Ton.
— Weil keine Zeit mehr bleibt! — schrie die Schwiegermutter.
— Die Banken warten nicht!
Die Inkassoleute rufen jeden Tag an!
Oksana setzte sich an den Tisch, Galina direkt gegenüber.
Ihr Blick war fest, ihre Stimme klang ruhig.
— Wenden Sie sich an einen Anwalt.
Es gibt Programme zur Umschuldung, es gibt Insolvenzverfahren.
— Insolvenz ist eine Schande! — empörte sich Galina.
— Ich habe einen Ruf zu verlieren!
Was sollen die Leute sagen?
— Die Leute werden sagen, dass ein Mensch in eine schwierige Lage geraten ist und sich auf legalem Weg daraus befreit hat, — antwortete Oksana.
— Und nicht, dass er auf Verwandten parasitiert.
Das Wort „parasitiert“ klang wie eine Ohrfeige.
Galina wurde blass und dann rot.
— Wie kannst du es wagen! — schrie die Schwiegermutter.
— Roman, hörst du, was deine Frau sagt?
Roman hob den Kopf, sein Gesicht drückte völlige Ratlosigkeit aus.
— Mama, vielleicht sollten wir andere Möglichkeiten besprechen, — schlug der Mann unsicher vor.
— Welche Möglichkeiten? — ließ Galina nicht locker.
— Bist du jetzt auch gegen deine Mutter?
Hat deine Frau dir den Kopf verdreht?
— Niemand hat irgendwem den Kopf verdreht, — sagte Oksana kühl.
— Jeder muss einfach für seine Handlungen selbst einstehen.
— Für seine Handlungen! — Galina schlug die Hände über dem Kopf zusammen.
— Und wer hat dir die Wohnung bezahlt?
Wer hat Geld für die Hochzeit gegeben?
— Die Wohnung wurde mir von meinen Eltern geschenkt, nicht von Ihren, — erinnerte Oksana.
— Und die Hochzeit wurde ebenfalls von meinen Eltern bezahlt.
— Geschenke hast du angenommen, aber helfen willst du nicht! — hörte die Schwiegermutter nicht auf.
— Undankbare!
Egoistin!
Oksana stand vom Tisch auf und ging zum Fenster.
Hinter der Scheibe verdichtete sich die Herbstdämmerung, die Laternen im Hof gingen an.
— Galina Petrowna, das Gespräch ist beendet, — sagte Oksana, ohne sich umzudrehen.
— Ich werde kein Geld geben.
— Doch, wirst du! — schrie die Schwiegermutter.
— Du hast welches, also bist du verpflichtet, der Familie zu helfen!
— Verpflichtet bin ich nur denen gegenüber, die zu dieser Familie etwas beigetragen haben, — antwortete Oksana.
— Nicht denen, die versuchen, aus ihr etwas herauszupressen.
Galina sprang vom Stuhl auf.
Ihr Gesicht war vor Zorn verzerrt.
— Hör auf mit deinen Sticheleien! — schrie die Schwiegermutter.
— Wenn du nicht vierhunderttausend überweist, pack deine Sachen und verschwinde aus dem Haus, du Schmarotzerin!
Stille hing in der Luft.
Sogar das Geräusch der vorbeifahrenden Autos vor dem Fenster schien zu verstummen.
Oksana drehte sich langsam vom Fenster weg und sah Galina direkt an.
Ihre Stimme klang kalt und deutlich:
— Du hast alle Grenzen überschritten.
Jetzt entscheide ich.
Roman sprang auf und versuchte, die Situation zu entschärfen.
— Mama, was soll das?
Beruhige dich!
Oksana, lasst uns bitte ohne Emotionen reden!
— Emotionen haben damit nichts zu tun, — antwortete die Frau ruhig.
— Es geht um Prinzipien.
Galina stand mitten in der Küche und atmete schwer.
Offenbar hatte die Schwiegermutter nicht erwartet, dass die Schwiegertochter ihr so entgegentreten würde.
— Du wirst das noch bereuen, — zischte die Schwiegermutter.
— Du wirst schon sehen, wie du ohne Familie leben wirst!
— Wir werden sehen, — antwortete Oksana ruhig.
Die Atmosphäre in der Küche war bis zum Äußersten angespannt.
Roman lief zwischen den beiden Frauen hin und her, ohne zu wissen, auf wessen Seite er stehen sollte.
Galina ballte und öffnete die Fäuste, bereit zu entschlossenen Schritten.
Draußen war es inzwischen ganz dunkel geworden.
Die gelben Blätter fielen weiter von den Bäumen, doch jetzt wirkte dieses Schauspiel nicht romantisch, sondern unheilvoll — als würde die Natur alles Überflüssige von sich werfen vor dem langen Winter.
Oksana ging entschlossen in den Flur.
Sie nahm Galinas Tasche und stellte sie neben die Eingangstür.
Das Geräusch der Tasche auf dem Boden klang wie ein Urteil.
— Was machst du da? — fragte die Schwiegermutter fassungslos.
— Das, was ich von Anfang an hätte tun sollen, — antwortete Oksana und kehrte in die Küche zurück.
Roman sprang auf und versuchte noch immer, die Situation irgendwie zu glätten.
— Mama, lass uns beruhigen, — sagte der Mann unsicher.
— Vielleicht finden wir irgendeinen Kompromiss?
Oksana drehte sich scharf zu Roman um.
Ihre Augen funkelten mit kaltem Feuer.
— Du hast nicht einmal versucht, mich zu unterstützen, — sagte Oksana betont deutlich.
— Stattdessen schlägst du vor, mit einem Menschen einen Kompromiss zu finden, der mich beleidigt und Geld verlangt.
Dann geht ihr eben beide.
— Wie bitte, beide gehen? — Roman war völlig verdattert.
— Oksana, wovon sprichst du?
— Davon, dass dies meine Wohnung ist und ich nicht beabsichtige, so etwas zu tolerieren.
Galina warf die Hände hoch, ihre Stimme zitterte vor Empörung.
— Undankbare! — schrie die Frau.
— Wir haben den Sohn großgezogen, zu einem Menschen gemacht, ihm Bildung gegeben, und du setzt ihn auf die Straße!
— Ich setze niemanden auf die Straße, — antwortete Oksana ruhig.
— Roman hat eine Mutter, und die Mutter hat eine Wohnung.
Lebt dort und löst eure finanziellen Probleme selbst.
Oksana ging zum Türschloss und zog den Schlüsselbund heraus.
An dem Metallring hingen mehrere Schlüssel — vom Hauseingang, von der Wohnung, vom Briefkasten.
— Gib deinen zurück, — sagte Oksana zu ihrem Mann und hielt ihm den Schlüsselbund hin.
Roman stand regungslos da, als würde er nicht begreifen, was geschah.
— Meinst du das ernst? — fragte der Mann leise.
— Absolut.
Nimm deine Schlüssel und die Schlüssel deiner Mutter.
In diesem Moment waren auf dem Treppenabsatz Stimmen zu hören.
Das Geschrei und der Lärm hatten offenbar die Aufmerksamkeit der Nachbarn geweckt.
Tatjana Sergejewna aus der Wohnung gegenüber hatte ihre Tür einen Spalt geöffnet und lugte neugierig hindurch.
Der ältere Wladimir Iwanowitsch aus dem oberen Stockwerk war ebenfalls heruntergekommen, angeblich um nach der Post zu sehen.
— Was ist denn hier los? — fragte Tatjana Sergejewna.
— Familiensachen, — brummte Wladimir Iwanowitsch.
— Schon wieder Streit.
Galina spürte, dass sie plötzlich im Mittelpunkt stand.
Die Frau war daran gewöhnt, auf andere einen guten Eindruck zu machen, und jetzt sah sie äußerst unerquicklich aus — zerzaust, rot vor Wut.
— Nichts Besonderes, — versuchte die Schwiegermutter die Lage zu glätten.
— Nur ein Familiengespräch.
— Ein Gespräch in ziemlich lautem Ton, — bemerkte Wladimir Iwanowitsch.
— Vielleicht etwas leiser?
Oksana nutzte die Pause.
— Galina Petrowna ist gerade dabei zu gehen, — erklärte die Wohnungsinhaberin laut genug, damit die Nachbarn es hören konnten.
— Roman ebenfalls.
— Wie, gehen? — wunderte sich Tatjana Sergejewna.
— Roman wohnt doch hier?
— Wohnte, — korrigierte Oksana.
— Die Umstände haben sich geändert.
Galina warf ihrer Schwiegertochter einen gehässigen Blick zu, dann den neugierigen Nachbarn.
Offenbar hatte sie nicht damit gerechnet, dass der private Konflikt öffentlich werden würde.
— Roman, nimm deine Sachen, — sagte Oksana bestimmt.
— Oksana, lass uns unter vier Augen reden, — bat der Mann.
— Ohne Zeugen, in Ruhe.
— Es gibt nichts zu besprechen.
Du hast eine Wahl getroffen, als du geschwiegen hast.
— Welche Wahl?
Ich habe doch gar nichts gewählt!
— Schweigen ist auch eine Wahl, — erinnerte Oksana.
— Als deine Mutter mich beleidigt und bedroht hat, hast du geschwiegen.
Das war deine Wahl.
Roman öffnete den Mund, fand aber keine Worte.
Der Mann verstand: Seine Frau hatte recht.
Im entscheidenden Moment hatte er seine Familie nicht geschützt.
Galina beobachtete das Geschehen mit wachsender Panik.
Sie wühlte in ihrer Tasche und suchte nach den Schlüsseln, doch ihre Hände zitterten vor Aufregung.
Schließlich zog die Schwiegermutter ein kleines Tütchen aus der Tasche — darin lagen Ersatzschlüssel für die Wohnung ihres Sohnes.
— Hier sind deine Schlüssel! — rief Galina und schwenkte das Tütchen.
Doch unter Oksanas prüfendem Blick und den neugierigen Augen der Nachbarn begriff die Frau plötzlich die ganze Absurdität der Situation.
Galina ließ den Schlüssel mit einem dumpfen Laut auf den Boden fallen.
Das Metall klirrte auf dem Parkett.
— Heb ihn selber auf, — murmelte die Schwiegermutter zu ihrem Sohn.
Roman beugte sich langsam hinunter und hob den Schlüssel auf.
Lange betrachtete er das kleine Stück Metall, als sähe er es zum ersten Mal.
— Ich hole die restlichen Sachen später, — sagte Roman leise.
— Nimm sie jetzt mit, — schnitt Oksana ihm das Wort ab.
— Morgen gibt es neue Schlösser.
— Du willst die Schlösser wirklich austauschen?
— Natürlich.
Es ist meine Wohnung, meine Regeln.
Roman ging ins Schlafzimmer und begann, Kleidung in eine Reisetasche zu packen.
Seine Bewegungen waren langsam, als würde jedes einzelne Kleidungsstück eine gesonderte Entscheidung verlangen.
Galina zog sich inzwischen den Mantel an und nahm die Tasche.
Die Frau hoffte noch immer, dass die Schwiegertochter zur Vernunft kommen würde.
— Du wirst diese Entscheidung noch bereuen, — zischte die Schwiegermutter, als sie an Oksana vorbeiging.
— Ich bezweifle es, — antwortete die Wohnungsinhaberin ruhig.
Roman kam mit der Tasche und einem Paket Sachen aus dem Schlafzimmer.
An der Schwelle blieb er stehen, als hoffe er noch, dass seine Frau es sich anders überlegen würde.
— Oksana, darf ich dich morgen anrufen?
— Nur über einen Anwalt, — antwortete die Frau kalt.
— Einen Anwalt?
Du meinst Scheidung?
— Genau das meine ich.
Galina und Roman wechselten ratlose Blicke.
Die Mutter nahm die Tasche ihres Sohnes, und beide gingen zum Ausgang.
Die Nachbarn begleiteten sie mit missbilligendem Flüstern.
— Immer dasselbe, — murmelte Tatjana Sergejewna.
— Familien zerbrechen wegen Kleinigkeiten.
— Ob es wirklich Kleinigkeiten sind? — bemerkte Wladimir Iwanowitsch.
— Ich habe gehört, es ging um ziemlich viel Geld.
— Vierhunderttausend, — präzisierte Tatjana Sergejewna.
— Keine kleine Summe für eine junge Familie.
Oksana wartete, bis die Schritte auf der Treppe verklungen waren, und schloss die Tür.
Das Schloss klickte — ein Geräusch, das früher Heimkehr bedeutet hatte und nun den Beginn eines neuen Lebens symbolisierte.
Die Frau ging ins Wohnzimmer und setzte sich auf das Sofa.
Die Wohnung wirkte größer und stiller ohne die Anwesenheit ihres Mannes.
Draußen ging der Laubfall weiter — die gelben Blätter wirbelten langsam im Licht der Laternen und bedeckten den Hof mit einem goldenen Teppich.
Oksana nahm ihr Telefon und suchte in den Kontakten die Nummer von Jelena Wiktorowna heraus — einer Anwältin für Familienrecht, die ihr vor einigen Monaten von einer Freundin empfohlen worden war.
Damals hatte das Thema Scheidung nur gemeinsame Bekannte betroffen, nun war es persönlich geworden.
Die Entscheidung war endgültig gereift.
Morgen früh würde Oksana sich an das Gericht wenden und die Scheidung einreichen.
Die Wohnung würde bei ihr bleiben als Eigentum, das sie schon vor der Ehe besessen hatte.
Gemeinsames Vermögen gab es kaum — das Auto war auf Roman zugelassen, größere Anschaffungen hatten die Eheleute nicht gemacht.
Die Frau stand vom Sofa auf und ging zum Fenster.
Zwischen den Wolken waren Sterne zu sehen.
Irgendwo in einem anderen Teil der Stadt erklärte Roman seiner Mutter, wie es bis zur Scheidung hatte kommen können.
Irgendwo verlangten Inkassobüros weiterhin von Galina die Rückzahlung der Schulden.
Aber all das ging Oksana nichts mehr an.
Die vierhunderttausend Rubel blieben bei ihrer rechtmäßigen Besitzerin, ebenso wie die Wohnung und das Recht, ohne ständige Forderungen und Vorwürfe zu leben.
Die Frau schaltete den Wasserkocher ein und holte aus dem Schrank eine schöne Tasse — ein Geschenk ihrer Eltern zur Wohnungseinweihung.
Früher hatte Oksana dieses Geschirr für besondere Anlässe aufbewahrt, doch jetzt begriff sie: Jeder Tag kann besonders sein, wenn man die Prioritäten richtig setzt.
Der Tee zog kräftig und duftend durch.
Oksana machte es sich mit einem Buch und dem heißen Getränk im Sessel bequem.
Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte die Frau völlige Ruhe.
Die Entscheidung war richtig gewesen, und Reue gab es keine.
Draußen hüllte die Oktobernacht die Stadt in Stille.
Morgen würde ein neues Leben beginnen — ohne fremde Schulden, ohne Familienskandale, ohne die Notwendigkeit, sich für jede getroffene Entscheidung rechtfertigen zu müssen.
Oksana lächelte, blätterte die Seite um und versank in einem ruhigen Abend, der nur ihr gehörte.







