Maja lehnte sich in ihrem Bürostuhl zurück und streckte sich, um ihren verspannten Nacken zu lockern.
Der Monitor zeigte halb neun Uhr abends.

Die Kollegen waren längst gegangen, im Großraumbüro herrschte Stille.
Die Frau speicherte den Bericht, schloss alle Programme und packte ihre Sachen zusammen.
Die Arbeit als leitende Analystin in einem großen IT-Unternehmen verlangte vollen Einsatz, aber sie wurde auch entsprechend bezahlt — zweihundertachtzigtausend Rubel im Monat plus Quartalsboni.
Alexej empfing seine Frau vor dem Hauseingang mit einer Tüte heißem Essen aus einem Café.
— Wieder spät geworden, stellte der Mann fest und küsste Maja auf die Schläfe.
— Ich habe dir deine Lieblingspasta gekauft.
— Danke, lächelte Maja dankbar.
— Wie war dein Tag?
— Wie immer, Alexej zuckte mit den Schultern.
— Besprechungen, Verhandlungen, Berichte.
Der Chef ist wieder mit den Kennzahlen unzufrieden.
Alexej arbeitete als Vertriebsmanager in einer kleinen Handelsfirma.
Sein Gehalt kratzte kaum an hunderttausend Rubeln, ohne Prämien und Boni.
Der Einkommensunterschied der Eheleute war fast dreifach, aber Maja versuchte, das nicht zu betonen.
Der Mann nahm daran keinen Anstoß, schämte sich nicht und unterstützte seine Frau in allem.
Die ersten Monate nach der Hochzeit verliefen ruhig und gleichmäßig.
Das frisch verheiratete Paar richtete die Mietwohnung ein, plante die gemeinsame Zukunft und träumte vom Kauf einer eigenen Wohnung.
Maja legte jeden Monat Geld zurück und sparte für die erste Hypothekenanzahlung.
Alles änderte sich, als die Anrufe der Schwiegermutter begannen.
Regina Nikolajewna rief spät am Abend an, wenn Maja bereits müde von der Arbeit nach Hause gekommen war.
— Aljoschenka, mein Sohn, wir haben hier Schwierigkeiten, klang die Stimme der Schwiegermutter klagend.
— Die Nebenkosten sind gestiegen, das Geld reicht nicht.
Kannst du helfen?
Alexej hörte seiner Mutter zu, nickte und runzelte die Stirn.
— Natürlich, Mama, mach dir keine Sorgen.
Wir überweisen etwas.
Maja saß daneben und hörte die Hälfte des Gesprächs mit.
Als ihr Mann aufgelegt hatte, fragte die Frau:
— Was ist passiert?
— Meine Eltern brauchen Hilfe, Alexej kratzte sich am Hinterkopf.
— Konstantin Wladimirowitsch hat einen Teil seiner Nebenarbeit verloren, jetzt ist das Geld knapp.
Können wir zwanzigtausend überweisen?
Maja nickte, obwohl sich innerlich etwas zusammenzog.
Die Schwiegermutter lebte mit ihrem Mann in einer eigenen Zweizimmerwohnung, beide bekamen eine Rente, wenn auch keine große.
Konstantin Wladimirowitsch verdiente sich gelegentlich mit kleinen Reparaturen bei Bekannten etwas dazu.
Zwanzigtausend Rubel waren keine kritische, aber eine unangenehme Summe.
Eine Woche später rief Regina Nikolajewna wieder an.
— Aljoscha, wir bräuchten noch ein bisschen Hilfe.
Die Medikamente sind teurer geworden, und der Arzt hat mir neue verschrieben.
— Wie viel brauchst du, Mama?
— Mit dreißigtausend kommen wir hin.
Alexej sah Maja an.
Die Frau zog schweigend ihr Telefon hervor, öffnete die Banking-App und überwies das Geld auf die Karte der Schwiegermutter.
Der Mann küsste Maja dankbar auf die Wange.
— Du bist die Beste.
Mama kommt bald wieder auf die Beine, alles wird sich einrenken.
Maja wollte diesen Worten glauben.
Die Frau verstand, dass Alexej ein kleines Gehalt hatte und seinen Eltern aus seinem eigenen Einkommen nicht helfen konnte.
Die ganze finanzielle Last fiel auf die Ehefrau.
Die Anrufe von Regina Nikolajewna wurden regelmäßig.
Alle zwei Wochen klagte die Schwiegermutter über neue Probleme — mal war der Kühlschrank kaputt, mal musste die Wohnung bezahlt werden, mal brauchte sie Schuhe.
Jedes Mal bat Alexej Maja um Hilfe und erklärte alles mit vorübergehenden Schwierigkeiten.
Maja überwies monatlich zwanzig- bis dreißigtausend Rubel.
Die Ersparnisse für die Hypothek schmolzen langsam, aber sicher dahin.
Die Frau rechnete nach — in den ersten sechs Monaten der Ehe hatte sie den Eltern ihres Mannes einhundertachtzigtausend Rubel gegeben.
Eine beachtliche Summe, aber die Klagen der Schwiegermutter hörten nicht auf.
Regina Nikolajewna und Konstantin Wladimirowitsch hatten sich an die regelmäßige finanzielle Unterstützung gewöhnt.
Die Schwiegermutter plante Einkäufe im Voraus und wusste bereits, dass die Schwiegertochter Geld überweisen würde.
Maja fühlte sich verpflichtet, nicht nur ihre eigene Familie, sondern auch die Eltern ihres Mannes zu unterhalten.
— Alexej, vielleicht sollten deine Eltern sich eine zusätzliche Einnahmequelle suchen? fragte Maja eines Abends vorsichtig.
— Konstantin Wladimirowitsch könnte als Pförtner oder Wachmann arbeiten.
— Mein Vater ist nicht mehr jung, widersprach Alexej.
— Er ist zweiundsechzig Jahre alt.
Was soll er in diesem Alter noch arbeiten?
— Na ja, etwas Leichtes.
Oder Mama könnte etwas dazuverdienen.
— Mama ist krank, der Mann runzelte die Stirn.
— Das weißt du doch.
Maja schwieg.
Das Gespräch kam ganz offensichtlich nicht voran, Alexej hatte eine Verteidigungshaltung eingenommen.
Die Frau beschloss, dieses Thema nicht mehr anzusprechen.
Drei Jahre vergingen.
Maja überwies den Eltern ihres Mannes weiterhin schweigend Geld.
Alexej nahm die Hilfe seiner Frau als selbstverständlich hin, bedankte sich selten und schlug nicht vor, nach anderen Lösungen zu suchen.
Regina Nikolajewna rief jede Woche mit neuen Bedürfnissen an.
Eines Morgens, als Maja mit einer Tasse Kaffee in der Küche saß, öffnete sie die Banking-App und begann zu rechnen.
Die Frau scrollte die Überweisungshistorie der letzten drei Jahre durch und addierte die Beträge.
Die Endsumme schockierte sie — eine Million einhundertzwanzigtausend Rubel.
Maja legte das Telefon auf den Tisch und schloss die Augen.
Mehr als eine Million Rubel.
Von diesem Geld hätte man ein gebrauchtes Auto kaufen können.
Oder die erste Hypothekenanzahlung leisten.
Oder etwa fünfmal ins Ausland in den Urlaub fahren.
— Worüber denkst du nach? fragte Alexej, als er in die Küche kam und sich Kaffee einschenkte.
— Ich habe ausgerechnet, wie viel Geld ich deinen Eltern in drei Jahren gegeben habe, sagte Maja leise.
— Mehr als eine Million.
— Na und? Der Mann zuckte mit den Schultern.
— Wir helfen doch der Familie.
Das ist normal.
— Normal? Maja sah ihren Mann an.
— Ich arbeite von morgens bis abends, spare für eine Wohnung, und die Hälfte davon geht an deine Eltern.
— Die Hälfte ist übertrieben, setzte sich Alexej an den Tisch.
— Du verdienst gut, uns reicht es.
— Es reicht, weil ich verdiene, widersprach Maja.
— Und wenn ich so viel verdienen würde wie du?
— Was hat das damit zu tun? Der Mann runzelte die Stirn.
— Maja, fang jetzt nicht wieder an.
Die Frau schwieg und trank ihren kalt gewordenen Kaffee aus.
Das Gespräch war wieder in einer Sackgasse gelandet.
Eine Woche später kam Alexej mit einem ungewöhnlichen Vorschlag nach Hause.
— Schatz, ich habe nachgedacht, begann der Mann vorsichtig.
— Vielleicht stellst du für Mama eine Zusatzkarte aus?
— Was? Maja blickte von ihrem Laptop auf.
— Wozu?
— Na, damit Mama nicht jedes Mal darum bitten muss, erklärte Alexej.
— Es ist doch erniedrigend für sie, ständig anzurufen und zu betteln.
Du machst eine Karte, bindest sie an dein Konto und setzt ein Limit.
Mama nimmt dann nur das Nötigste.
— Aljoscha, das ist eine schlechte Idee, schüttelte Maja den Kopf.
— Eine sehr schlechte.
— Warum? wunderte sich der Mann.
— Im Gegenteil, das ist für alle bequem.
Mama muss nicht anrufen, du musst nicht jedes Mal überweisen.
— Weil deine Mutter dann mehr ausgeben wird, erklärte Maja geduldig.
— Wenn man bitten muss, denkt man über die Summe nach.
Wenn man eine Karte hat, gibt man freier aus.
— Mama ist nicht so, beleidigte sich Alexej.
— Sie ist ein verantwortungsvoller Mensch.
— Aljoscha, nein.
— Maja, ich bitte dich, der Mann setzte sich neben sie und nahm ihre Hand.
— Tu das für mich.
Für Mama.
Es fällt ihr wirklich schwer, jedes Mal um Hilfe zu bitten.
Maja wehrte sich lange.
Alexej überredete sie mehrere Tage hintereinander, brachte verschiedene Argumente vor und versprach, die Ausgaben seiner Mutter zu kontrollieren.
Die Frau fühlte, dass das ein Fehler war, aber ihr Mann bat so eindringlich darum.
Schließlich gab Maja nach.
Die Frau beantragte eine Zusatzkarte, band sie an ihr Hauptkonto und stellte ein Limit von dreißigtausend Rubeln im Monat ein.
Alexej gab Regina Nikolajewna die Karte und erklärte ihr die Bedingungen.
Im ersten Monat gab die Schwiegermutter zweiundzwanzigtausend aus — für Lebensmittel, Medikamente und Nebenkosten.
Maja prüfte den Auszug und beruhigte sich.
Vielleicht hatte Alexej recht, und es würde nichts Schlimmes passieren.
Im zweiten Monat lagen die Ausgaben bei achtundzwanzigtausend.
Im dritten bei genau dreißig.
Regina Nikolajewna nutzte das gesamte Limit vollständig aus.
Maja wurde misstrauisch, aber die Summen blieben noch innerhalb der festgelegten Grenzen.
Nach einem halben Jahr begann die Schwiegermutter mehr auszugeben.
Es tauchten Einkäufe in Bekleidungsgeschäften, Kosmetiksalons und Restaurants auf.
Maja bemerkte den Anstieg der Ausgaben und wurde lauter.
— Aljoscha, deine Mutter gibt Geld in Restaurants aus, zeigte die Frau ihrem Mann den Kontoauszug.
— Schau mal hier.
Viertausend für ein Abendessen.
— Na und? Alexej zuckte mit den Schultern.
— Vielleicht hat sie einen Geburtstag gefeiert.
— Jede Woche Geburtstag? Maja tippte mit dem Finger auf den Bildschirm.
— Hier ist noch ein Kleid für achttausend.
— Maja, man kann doch nicht verlangen, dass ein Mensch nur für Essen Geld ausgibt, widersprach der Mann.
— Mama will anständig aussehen.
— Von meinem Geld will sie anständig aussehen, stellte Maja klar.
— Von unserem Geld, korrigierte Alexej.
— Wir sind eine Familie.
Maja presste die Lippen zusammen und wandte sich ab.
Es war sinnlos zu streiten.
Regina Nikolajewna fühlte sich mit der fremden Karte immer freier.
Die Schwiegermutter kaufte teure Lebensmittel, ging in Schönheitssalons und erneuerte ihre Garderobe.
Das Limit von dreißigtausend wurde bis auf den letzten Kopeken ausgegeben.
Am Donnerstagabend prüfte Maja ihre E-Mails, als auf dem Telefon eine Benachrichtigung der Bank erschien.
Eine Abbuchung vom Konto in Höhe von einhunderttausend Rubeln.
Die Frau erstarrte und las die Nachricht noch einmal.
Einhunderttausend.
Für eine einzige Transaktion.
Maja öffnete schnell die App und scrollte die letzten Vorgänge durch.
Da war sie — die Abbuchung von einhunderttausend Rubeln, Reisebüro „Südliche Küste“.
Karte von Regina Nikolajewna.
Ihr Hände begannen zu zittern.
Maja wählte die Nummer der Schwiegermutter, ohne an die Uhrzeit oder an Höflichkeit zu denken.
— Hallo, Maja? Die Stimme von Regina Nikolajewna klang ruhig und zufrieden.
— Regina Nikolajewna, was ist das für eine Abbuchung über einhunderttausend?! platzte Maja heraus.
— Ein Reisebüro?!
— Ach, das, die Schwiegermutter lachte.
— Kostja und ich haben eine Reise ans Meer gekauft.
Wir fahren für zwei Wochen nach Sotschi.
Davon haben wir schon lange geträumt.
— Was haben Sie getan?! Maja glaubte ihren eigenen Ohren nicht.
— Sie haben einhunderttausend von meinem Geld für Urlaub ausgegeben?!
— Maja, schrei nicht so, senkte die Schwiegermutter die Stimme.
— Warum regst du dich auf?
Wir haben es doch nicht für uns ausgegeben, sondern für die Gesundheit.
Der Arzt hat Kostja Meeresluft empfohlen.
— Regina Nikolajewna, das ist mein Geld! Majas Stimme kippte in einen Schrei.
— Sie hatten kein Recht dazu!
— Doch, doch, widersprach die Schwiegermutter ruhig.
— Ich habe ja die Karte.
Aljoscha hat sie selbst gegeben und gesagt — nutzt sie.
Also nutzen wir sie.
— Ich habe ein Limit von dreißigtausend eingestellt!
Woher haben Sie hundert?!
— Das Limit gilt offenbar für Einkäufe in Geschäften bis dreißig, erklärte Regina Nikolajewna.
— Für große Transaktionen anscheinend nicht.
Ich habe es geprüft — es ging problemlos durch.
— Wie konnten Sie nur?! Maja griff sich an den Kopf.
— Das ist doch eine riesige Summe!
— Maja, sei nicht so geizig, seufzte die Schwiegermutter.
— Du verdienst gut, da solltest du für die Familie nicht knausern.
Wir fahren ja nicht jeden Tag ans Meer.
— Ich bin nicht geizig! Ich…
— Alles, ich habe keine Zeit, unterbrach Regina Nikolajewna sie.
— Ich muss Sachen packen.
Mach dir nicht so viele Sorgen, Maja.
Die Schwiegermutter legte auf.
Maja stand mitten im Wohnzimmer mit dem Telefon in der Hand und konnte nicht begreifen, was gerade passiert war.
Einhunderttausend Rubel.
Für Urlaub.
Ohne zu fragen.
Alexej kam aus dem Schlafzimmer, als er den Schrei seiner Frau hörte.
— Was ist passiert?
Maja drehte sich zu ihrem Mann um.
Das Gesicht der Frau brannte vor Wut.
— Deine Mutter hat einhunderttausend Rubel für eine Reise nach Sotschi ausgegeben!
Einhunderttausend!
Ohne zu fragen!
Und sie hat gesagt, ich sei geizig!
— Moment, Moment, hob Alexej die Hände.
— Einhunderttausend?
Woher denn?
— Offenbar gilt das Limit nicht für große Einkäufe! Maja warf das Telefon aufs Sofa.
— Deine Mami hat das herausgefunden und ausgenutzt!
— Na ja… vielleicht brauchen sie die Erholung wirklich, begann Alexej unsicher.
— Vater ist müde, der Arzt hat empfohlen…
— Meinst du das ernst?! Maja konnte es nicht fassen.
— Du verteidigst sie jetzt auch noch?!
— Ich verteidige sie nicht, der Mann wich einen Schritt zurück.
— Ich sage nur, dass…
— Dass was?!
Dass sie das Recht hat, mein Geld auszugeben, wie sie will?!
— Maja, das ist unser Geld, versuchte Alexej zu widersprechen.
— Wir sind eine Familie.
— Unser?! Die Frau lachte hysterisch auf.
— Das ist mein Geld!
Ich verdiene es!
Du verdienst dreimal weniger!
— Was hat das damit zu tun? Alexej wurde blass.
— Damit, dass ich deine Familie schon drei Jahre lang durchfüttere! schrie Maja.
— Mehr als eine Million Rubel habe ich gegeben!
Und das ist offenbar noch nicht die Grenze!
— Mama ist nicht schuld daran, dass ihre Rente klein ist, sagte Alexej trotzig.
— Du verdienst gut, da solltest du es nicht so bedauern.
Die Frau sah ihren Mann mit kaltem Blick an.
— Dann soll deine Mami jetzt mal versuchen, ohne mein Geld zu leben, sagte Maja in eisigem Ton.
Die Frau griff nach dem Telefon und öffnete die Banking-App.
Sie fand die Zusatzkarte von Regina Nikolajewna.
Sie drückte auf „Sperren“.
Sie bestätigte die Aktion.
Fertig.
— Was hast du getan?! schrie Alexej.
— Entsperr sie sofort!
— Nein, antwortete Maja ruhig.
— Keinen einzigen Kopeken mehr.
— Du hast kein Recht dazu! Der Mann packte seine Frau an den Schultern.
— Mama hat mit diesem Geld gerechnet!
— Doch, sagte Maja und befreite sich.
— Es ist meine Karte, mein Konto, mein Geld.
— Du bist egoistisch! Alexej trat gegen einen Stuhl.
— Du bist geizig!
Du willst der Familie nicht helfen!
— Der Familie? fragte Maja nach.
— Du meinst den Eltern deinerseits.
Meine Familie bin ich.
Und jetzt werde ich mein Geld für mich ausgeben.
— Mama wird dir diese Beleidigung nie verzeihen, drohte Alexej.
— Bitte, zuckte Maja mit den Schultern.
Die nächsten drei Tage vergingen schweigend.
Alexej sprach nicht mit seiner Frau, schlief auf dem Sofa und ging frühmorgens zur Arbeit.
Maja versuchte nicht, sich zu versöhnen.
Die Frau fühlte eine seltsame Erleichterung — zum ersten Mal seit Jahren musste sie nicht darüber nachdenken, wie viel Geld an die Schwiegermutter gehen würde.
Am Sonntag klingelte es an der Tür.
Maja öffnete und sah eine wütende Regina Nikolajewna.
Die Schwiegermutter stürmte in die Wohnung, ohne die Schuhe auszuziehen.
— Du! Regina Nikolajewna zeigte mit dem Finger auf Maja.
— Wie konntest du es wagen, die Karte zu sperren?!
— Ganz einfach, Maja verschränkte die Arme vor der Brust.
— Ich habe auf einen Knopf gedrückt.
— Entsperr sie sofort! verlangte die Schwiegermutter.
— Mir ist das Geld ausgegangen!
Ich kann keine Lebensmittel kaufen!
— Sie bekommen Rente, erinnerte Maja sie kühl.
— Leben Sie davon.
— Was für eine Rente?! kreischte Regina Nikolajewna.
— Ein paar Groschen!
Ich brauche Geld!
Gib die Karte zurück!
— Nein.
— Aljoscha! Die Schwiegermutter drehte sich zu ihrem Sohn um.
— Sag es ihr!
Sie ist verpflichtet, der Familie zu helfen!
— Mama hat recht, machte Alexej einen Schritt auf seine Frau zu.
— Maja, hör auf mit diesem Unsinn.
Entsperr die Karte.
— Ich habe gesagt — nein, Maja blieb standhaft.
— Ihr bekommt keinen Kopeken mehr.
— Du Undankbare! schrie Regina Nikolajewna.
— Wir haben dich in die Familie aufgenommen!
Wir haben dich wie eine Tochter betrachtet!
— Wie eine Tochter? lachte Maja.
— Sie haben mich wie eine Milchkuh betrachtet.
Drei Jahre lang habe ich Sie unterhalten.
Mehr als eine Million Rubel habe ich gegeben.
Es reicht.
— Eine Million! äffte die Schwiegermutter sie nach.
— Ach bitte!
Du verdienst doch so viel!
Da solltest du nicht so geizig sein!
— Doch, sagte Maja fest.
— Sehr geizig sogar.
Weil das mein Geld ist, mit meiner Arbeit verdient.
— Aljoscha, hörst du, wie sie mit mir spricht?! Regina Nikolajewna packte ihren Sohn am Arm.
— Lässt du zu, dass sie so mit mir redet?!
Alexej schwieg und ballte die Fäuste.
Dann drehte er sich um und ging ins Schlafzimmer.
Er kam mit einer Tasche zurück, in die er hastig seine Sachen stopfte.
— Was machst du da? fragte Maja.
— Ich gehe, warf Alexej hin, ohne seine Frau anzusehen.
— Ich kann nicht mit einer Egoistin leben.
Mit einem Menschen, dem die Familie nichts bedeutet.
— Dir bedeutet Familie nichts, widersprach Maja.
— Deine Frau bedeutet dir nichts.
Wichtig ist nur dein Mütterchen.
— Halt den Mund! brüllte Alexej.
— Mama hat ihr ganzes Leben auf mich gesetzt!
Und du?
Du arbeitest nur!
Du bist keine Frau — du bist ein Roboter!
— Ich arbeite, um deine Eltern zu ernähren, stellte Maja klar.
Alexej warf sich die Tasche über die Schulter und verließ die Wohnung.
Regina Nikolajewna warf Maja einen Blick voller Hass zu und folgte ihrem Sohn.
Die Tür fiel ins Schloss.
Maja sank aufs Sofa und atmete aus.
Die Wohnung versank in Stille.
Die Frau nahm ihr Telefon heraus und öffnete die Banking-App.
Auf dem Konto lag Geld — ihr Geld, verdient durch harte Arbeit.
Niemand würde es mehr ohne Erlaubnis ausgeben.
Einen Monat später erhielt Maja eine Benachrichtigung über die Einreichung der Scheidungsunterlagen.
Alexej verlangte die Teilung des Vermögens, obwohl es kaum etwas zu teilen gab, die Wohnung war gemietet.
Die Ersparnisse der Frau blieben bei ihr — es gab keinen Ehevertrag, aber das Geld lag auf einem Konto, das schon vor der Ehe eröffnet worden war.
Regina Nikolajewna rief noch einige Male an und versuchte, Maja zu überreden, zur Vernunft zu kommen und ihrem Sohn zu verzeihen.
Der Frau wurde dieses Gejammer zu viel, und sie blockierte die Nummer der Schwiegermutter.
Die Scheidung war schnell erledigt — es gab fast kein Vermögen und auch keine Kinder.
Alexej holte seine Sachen in Majas Abwesenheit ab und ließ die Schlüssel auf dem Schränkchen im Flur zurück.
Maja blieb allein in der Mietwohnung zurück.
Die Frau setzte sich aufs Sofa und öffnete den Laptop.
Auf dem Bildschirm leuchtete eine Anzeige für den Verkauf einer Einzimmerwohnung in einem Neubau.
Preis — vier Millionen Rubel.
Maja rechnete ihre Ersparnisse nach.
Wenn sie die Eltern ihres Ex-Mannes nicht mehr unterhalten musste, hätte sie in einem halben Jahr die erste Anzahlung zusammen.
Die Frau speicherte die Anzeige unter den Favoriten und lächelte.
Zum ersten Mal seit drei Jahren fühlte Maja sich frei.
Frei von fremden Forderungen, von Verpflichtungen, von der Notwendigkeit, Menschen zu ernähren, die Hilfe als Selbstverständlichkeit ansahen.
Sie fühlte sich nicht einsam.
Allein zu sein bedeutet nicht, unglücklich zu sein.
Allein zu sein bedeutet, frei über das eigene Leben und das eigene Geld zu verfügen.
Die Frau schloss den Laptop.
Ihr war leicht und ruhig zumute.
Vor ihr lag ein neues Leben — ohne Schwiegermutter, ohne ständige Forderungen, ohne einen Mann, der seine Mutter statt seiner Frau wählte.
Und dieses Leben schien Maja viel besser zu sein als das frühere.







