— Ich habe meiner Mutter schon ein Ticket gekauft!

Sie fliegt mit uns in den Urlaub!

Sie hat Blutdruckprobleme, sie braucht Meeresluft!

Und sie wird in unserem Zimmer wohnen, damit wir nicht zu viel fürs Hotel bezahlen!

— Hast du die Badehose eingepackt?

Ich sehe sie nicht bei dem Stapel T-Shirts.

Und wo sind deine Badelatschen?

Wir müssen in vier Stunden los, und du hast noch nicht einmal angefangen.

Du weißt doch, das Taxi wartet nicht, der Preis zum Flughafen ist fest.

Darja kniete vor dem geöffneten Koffer, der gut die Hälfte des Doppelbetts einnahm.

Um sie herum, wie bunte Inseln im Ozean der beigefarbenen Tagesdecke, lagen Stapel von Sommersachen: leichte Sommerkleider, Shorts, mehrere Badeanzüge, ordentlich zu kleinen Rollen gedreht, damit sie nicht zu viel Platz wegnehmen.

Im Zimmer roch es nach heißem Bügeleisen und dem süßlichen Duft von Sonnencreme — der Deckel einer Tube war gerissen, und Darja füllte den Inhalt gerade in eine Reiseflasche um.

Sie war völlig in die Logistik des Packens vertieft und kalkulierte jedes Kilo Gepäck.

Maxim stand im Türrahmen und lehnte die Schulter an die Zarge.

Er beeilte sich nicht, hereinzukommen, und in seiner Haltung lag etwas unnatürlich Gespanntes, als bereite er sich auf einen Sprung oder einen Schlag vor.

Er drehte den Reisepass in den Händen und klopfte mit dem harten Einband gegen die Handfläche.

Das rhythmische, trockene Geräusch ging auf die Nerven, doch Darja versuchte, es zu ignorieren.

Die Vorfreude auf den Urlaub, den ersten richtigen Erholungsurlaub am Meer seit zwei Jahren, glättete alle Ecken und Kanten.

— Die Badehose nehme ich mit, — sagte er schließlich.

Seine Stimme klang dumpf, ohne die gewohnte Weichheit.

— Und die Badelatschen auch.

Aber wir müssen das mit dem Gepäck ein bisschen umplanen.

Pack deine zweite Kosmetiktasche aus.

Und das Reisebügeleisen auch.

Der Platz reicht nicht.

Darja hob den Kopf und pustete eine Strähne weg, die ihr auf die Stirn gefallen war.

— Wie bitte, reicht nicht?

Max, wir haben Tickets mit Gepäck gekauft.

Zwei Gepäckstücke zu je dreiundzwanzig Kilo.

Wir haben diesen Koffer nicht einmal halb voll, ich habe absichtlich den großen genommen, damit wir auf dem Rückweg Wein und Käse mitbringen können.

Was soll ich da bitte auspacken?

Ich werde nicht in zerknittertem Leinen herumlaufen.

Maxim löste sich vom Türrahmen und ging ins Zimmer.

Er trat nicht ans Bett, sondern blieb am Fenster stehen und sah irgendwo auf das Nachbarhochhaus.

Sein Rücken in dem T-Shirt wirkte wie aus Stein.

— Wir haben jetzt nur noch ein Gepäckstück für uns beide, — warf er hin, ohne sich umzudrehen.

— Das zweite ist belegt.

— Von wem belegt? — Darja setzte sich auf die Fersen, immer noch die Flasche mit der Creme in der Hand.

— Hast du irgendwem etwas zum Mitnehmen versprochen?

Max, das haben wir besprochen.

Keine Wünsche von Freunden, kein „bring Onkel Wasja ein Glas Marmelade mit“.

Ich habe keine Lust, fremden Krempel zu schleppen.

Maxim drehte sich abrupt um.

Sein Gesicht war rot, doch sein Blick kalt und stachlig.

Er holte tief Luft, als müsse er vor einem Sprung in eiskaltes Wasser Atem holen, und stieß heraus, was er offenbar die letzte halbe Stunde auf dem Balkon beim Rauchen geprobt hatte.

— Ich habe meiner Mutter schon ein Ticket gekauft!

Sie fliegt mit uns in den Urlaub!

Sie hat Blutdruckprobleme, sie braucht Meeresluft!

Und sie wird in unserem Zimmer wohnen, damit wir nicht zu viel fürs Hotel bezahlen!

Wenn es dir nicht passt — gib dein Ticket zurück und bleib zu Hause, und Mama und ich fliegen allein in den Urlaub!

Im Zimmer hing plötzlich ein schwerer, dichter Geruch von Staub in der Luft, der den Duft der Creme überlagerte.

Darja blinzelte.

Einmal.

Dann noch einmal.

Die Worte ihres Mannes drangen nur langsam in ihr Bewusstsein, wie ein Geräusch in dichtem Nebel.

Der Sinn der Sätze zerfiel in einzelne Würfel, die sich einfach nicht zu einem Ganzen fügen wollten.

Mama.

Blutdruck.

Ihr Zimmer.

— Machst du gerade einen Witz? — fragte sie sehr leise.

Ihre Stimme zitterte nicht, sie wurde nur flach.

— Sag mir, dass das ein dummer Scherz ist.

— Sehe ich aus wie ein Clown? — fauchte Maxim.

— Mama hat heute Morgen angerufen.

Es geht ihr schlecht.

Der Arzt hat gesagt, das Klima muss dringend gewechselt werden.

Und wir fliegen nun mal.

Was hätte ich deiner Meinung nach tun sollen?

Sagen: „Entschuldige, Mama, stirb hier ruhig, wir gehen Cocktails trinken“?

Das Ticket habe ich vor einer Stunde gekauft, das letzte für diesen Flug.

Darja stand langsam auf.

Ihre Beine waren eingeschlafen, ihre Knie knackten unangenehm.

Sie ging auf die andere Seite des Bettes, um das Gesicht ihres Mannes zu sehen und nicht nur sein Profil.

— Maxim, warte.

Lass uns der Reihe nach vorgehen.

Du hast ein Flugticket gekauft.

Gut.

Von mir aus.

Aber du hast etwas vom Zimmer gesagt.

Wir haben ein „Deluxe“ mit einem großen Bett gebucht.

King-Size.

Das ist ein Zimmer für zwei Personen.

Achtzehn Quadratmeter.

Es gibt dort nicht einmal zwei Schränke.

Wo genau soll deine Mutter deiner Meinung nach wohnen?

— Da gibt es ein Sofa, — antwortete er schnell, zu schnell.

— Ich habe die Fotos auf der Website gesehen.

In der Ecke steht ein ausziehbares Sofa.

Es ist klein, aber Mama passt da hin.

Oder wir schlafen drauf, was macht das schon?

Wir fahren ja nicht ans Meer, um im Zimmer zu sitzen.

— Was macht das schon? — Darja spürte, wie sich tief in ihr, irgendwo in der Solarplexusgegend, eine dunkle, heiße Welle zusammenbraute.

— Es macht den Unterschied, dass das unser Urlaub ist.

Ein romantischer, falls du das vergessen hast.

Wir haben ihn ein halbes Jahr lang geplant.

Ich habe Unterwäsche gekauft, ich habe Tische in Restaurants reserviert.

Und du willst deine Mutter einen halben Meter von unserem Bett entfernt einquartieren?

Kannst du dir diese Hölle überhaupt vorstellen?

Eine Toilette, eine Dusche, Schnarchen, Gespräche über Krankheiten von morgens bis abends?

— Wage es nicht, so über meine Mutter zu sprechen! — brüllte Maxim und machte einen Schritt auf sie zu.

— „Hölle“?

Für dich ist es also die Hölle, mit einem nahen Menschen zusammenzuleben?

Sie ist eine ältere Frau, Darja!

Sie braucht Pflege und Aufsicht.

Ich kann ihr kein extra Zimmer nehmen, wir haben jetzt keine zusätzlichen hundertfünfzigtausend.

Die Preise sind explodiert, es ist Saison.

Die einzige Lösung ist, dass sie bei uns mit einzieht.

Das Hotel hat es erlaubt, ich habe für das Zusatzbett fast nichts draufgezahlt.

Darja sah ihn an und sah einen vollkommen fremden Menschen.

Das war nicht der Maxim, der gestern Abend Wein aufgemacht und davon geträumt hatte, wie sie gemeinsam Sonnenuntergänge auf dem Balkon ansehen würden.

Vor ihr stand ein sturer, aggressiver Mann, der bereits alles entschieden hatte und nun einfach seinen Willen durchdrückte, gedeckt durch das heilige Konzept der „Sohnpflicht“.

— Das heißt, du hast beschlossen, auf meinen Komfort zu verzichten? — fragte sie in eisigem Ton.

— Du hast mich nicht gefragt.

Du hast das nicht mit mir besprochen.

Du hast mich vier Stunden vor dem Abflug einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.

Glaubst du ernsthaft, ich stimme zu, zwei Wochen lang mit deiner Mutter in einem Zimmer zu schlafen?

Ihre Ratschläge anzuhören, wie ich Obst richtig schneide und warum ich meine Creme falsch auftrage?

— Ach, du hältst dich wohl für eine Königin? — Maxim verzog die Lippen zu einem Grinsen, bei dem Darja ihm am liebsten eine Ohrfeige gegeben hätte.

— Komfort will sie.

Privatsphäre.

Egoistin.

Du denkst nur an dich.

Jemand hat vielleicht die letzte Chance, das Meer zu sehen, und du machst dir Gedanken über deine Spitzenhöschen.

Ja, ich habe entschieden.

Denn ich bin der Mann und ich bezahle diesen ganzen Spaß.

Das Geld für die Reise ist meins.

Also sind auch die Regeln meine.

Er trat an den Koffer und verpasste ihm einen groben Tritt gegen die Seite.

Das Plastikgehäuse antwortete mit einem dumpfen Laut.

— Also ist die Wahl ganz einfach, Dascha.

Entweder du hältst jetzt den Mund, packst die Sachen meiner Mutter — ich bringe sie in einer Stunde her, sie ist schon fertig — und wir fahren alle zusammen.

Oder du bleibst hier.

Allein.

In dieser Wohnung.

Und wartest, bis wir zurückkommen.

Darja sah auf die ordentlichen Stapel ihrer Kleider im Koffer.

Auf den Seidenmorgenmantel, den sie extra für Frühstücke auf der Terrasse gekauft hatte.

Dieses ganze Bild des perfekten Urlaubs zerfiel zu Staub und hinterließ nur einen bitteren Nachgeschmack und wachsende Wut.

— Ich fahre in dieser Besetzung nirgendwohin, — sagte sie fest.

— Und das ist nicht verhandelbar.

Gib mein Ticket zurück.

Maxim verengte die Augen.

Die Muskeln an seinen Wangen zuckten.

— Ach so?

Jetzt zeigst du also deine Prinzipien?

Na schön.

Dann schau mal.

Ich habe dich gewarnt.

Er streckte die Hand nach dem Koffer aus, aber nicht, um ihn zu schließen.

Seine Finger, grob und entschlossen, griffen nach einem Stapel ihrer Kleidung.

— Was machst du da? — Darja machte einen Satz nach vorne, aber es war schon zu spät.

Maxim riss, wie ein Raubvogel, eine Armvoll ihrer Sachen aus dem ordentlichen Stapel.

Eine Seidenbluse, ein Paar Leinenshorts, ihr liebstes Sommerkleid — all das verwandelte sich in einem Augenblick in einen formlosen Haufen in seinen Händen.

— Wenn du nicht mitfährst, dann brauchst du deine Sachen dort auch nicht, — knurrte er und schleuderte die Kleidung mit Wucht in die Ecke des Zimmers, direkt auf den staubigen Boden hinter die Kommode.

Der Stoff klatschte dumpf auf das Laminat.

Die Seide raschelte kläglich, zerknitterte sich zu einem hässlichen Haufen.

Darja erstarrte und konnte ihren Augen nicht trauen.

Das war schon nicht mehr bloße Missachtung ihrer Meinung — das war ein direkter Angriff auf ihren persönlichen Raum, auf ihre Würde.

— Bist du verrückt geworden? — hauchte sie und starrte auf die leere Stelle im Koffer, an der eben noch ihre sorgfältig ausgewählte Garderobe gelegen hatte.

— Das sind meine Sachen!

Du hast kein Recht, sie anzufassen!

— Ich habe in diesem Haus auf alles ein Recht, weil ich für alles bezahle! — brüllte Maxim, sein Gesicht verzerrte sich vor Wut.

Er griff wieder zum Koffer.

Diesmal war sein Ziel die Tüte mit der Unterwäsche.

— Maxim, nein! — schrie Darja auf und begriff, was jetzt geschehen würde.

Aber er hatte schon ausgeholt.

Die Kosmetiktasche flog durch das ganze Zimmer und krachte gegen die Wand.

Man hörte das Knacken von Plastik, das Geräusch zerbrechenden Glases.

Aus dem aufgeplatzten Reißverschluss lief eine dicke weiße Masse an der Tapete herunter — Bodylotion.

Der Geruch teurer Parfümerie mischte sich mit dem Geruch von Aggression und füllte das Schlafzimmer mit einer erstickenden Mischung.

— So! — sagte Maxim schwer atmend.

Er stand über dem Koffer, der nun halb leer und chaotisch war wie ein Schlachtfeld.

— Jetzt ist Platz da.

Siehst du?

Alles ganz einfach.

Darja glitt langsam an der Bettkante zu Boden und lehnte sich mit dem Rücken dagegen.

Sie sah die verstreuten Sachen an.

Das zerknitterte Sommerkleid in der Ecke.

Die zertretene Unterwäsche.

Den fettigen Fleck an der Wand.

Es war wie ein surrealer Albtraum.

Der Mensch, mit dem sie drei Jahre lang gelebt hatte und den sie, wie sie geglaubt hatte, zu kennen, hatte sich in einen Barbaren verwandelt, der auf seinem Weg alles zerstörte — nur wegen der Laune seiner Mutter.

— Warum tust du das? — fragte sie.

Ihre Stimme war leise und gefühllos.

In ihr hatte sich eine eisige Leere gebildet.

— Dir ist schon klar, dass ich nach all dem ganz bestimmt nirgendwo mit dir hinfahre.

Maxim sah von oben auf sie herab.

In seinen Augen lag nicht der kleinste Funken Reue, nur kalter Triumph eines Siegers, der seine Regeln mit Gewalt durchgesetzt hatte.

— Doch, du fährst, — erklärte er überzeugt und rieb sich die Hände an den Jeans ab, als hätte er gerade eine schmutzige Arbeit beendet.

— Wo willst du denn hin?

Die Tickets sind nicht erstattbar.

Das Geld ist bezahlt.

Glaubst du, ich lasse zu, dass eine Reise für zweihunderttausend verloren geht?

Du wirst fahren, Darja.

Und du wirst lächeln.

Denn Mama soll dein saures Gesicht nicht sehen.

Er stieß mit der Schuhspitze gegen ihre Schuhe, die am Bett standen.

— Und diese High Heels brauchst du dort auch nicht.

Mama und ich werden langsam an der Promenade spazieren gehen und Luft schnappen.

Sie darf sich nicht anstrengen.

Keine Diskotheken, keine Bars bis morgens.

Sanatoriumsmodus.

Aufstehen um sieben, Frühstück, Anwendungen — ich habe alles organisiert, sie braucht Massage, du wirst sie hinbringen, — Mittagessen, Mittagsschlaf, Abendessen, schlafen.

Darja hörte zu und traute ihren Ohren nicht.

— Du willst also, dass ich in meinem Urlaub deine Mutter zur Massage bringe? — fragte sie und sah zu ihm auf.

— Wer denn sonst? — fragte Maxim ehrlich überrascht.

— Ich etwa?

Ich bin ein Mann, ich fahre zum Ausruhen.

Ich bin der Ernährer, ich habe es verdient.

Und du bist eine Frau.

Fürsorge ist deine Natur.

Deine Beine sind jung, du kannst schnell hinlaufen, sie anmelden, hinbringen, im Flur warten.

Das ist für dich nicht schwer, und Mama freut sich.

Sie ist alt, Dascha.

Sie braucht Aufmerksamkeit.

Er beugte sich zu ihr herunter, und sein Gesicht kam ganz nah an ihres.

Er roch nach Kaffee und altem Schweiß — offenbar war er nervös gewesen, als er das Ticket holte.

— Und merk dir, — presste er hervor und sah ihr direkt in die Pupillen.

— Kein Alkohol.

Mama verträgt den Geruch von Alkohol nicht.

Du wirst Saft trinken.

Und dich bescheidener anziehen.

Es gibt keinen Grund, die alte Dame mit deinen Ausschnitten zu irritieren.

Du fährst nicht dorthin, um mit deinem Hintern zu wackeln, sondern um zu helfen.

Ist das klar?

Darja schwieg.

Sie sah diesen Menschen an und erkannte, wie die Maske abfiel.

Unter der Hülle des fürsorglichen Ehemanns hatte sich immer genau dieser Haustyrann verborgen, dieses Muttersöhnchen, für das eine Ehefrau nur eine bequeme Funktion, eine Ergänzung des Haushalts war.

Früher hatte es nur keinen Anlass gegeben, das so deutlich zu zeigen.

Und jetzt, wo er zwischen dem Komfort seiner Mutter und den Gefühlen seiner Frau wählen musste, hatte er nicht einfach nur die Mutter gewählt.

Er hatte beschlossen, die Frau zu vernichten, damit er keine Schuld empfinden musste.

— Du hältst mich für eine Dienstmagd, — stellte sie fest.

Es war keine Frage.

— Ich halte dich für meine Frau, — schnitt Maxim ihr das Wort ab und richtete sich auf.

— Und eine Frau muss die Interessen ihres Mannes teilen.

Mein Interesse ist jetzt die Gesundheit meiner Mutter.

Wenn das für dich „Dienstmagd“ bedeutet, dann stimmt mit deinem Kopf etwas nicht.

Und überhaupt, hör auf, auf dem Boden zu sitzen.

Steh auf und pack die Sachen meiner Mutter.

Ich bringe ihre Taschen gleich her.

Und achte darauf, dass alles ordentlich eingeräumt wird.

Und ja, mach noch eine halbe Kofferseite frei.

Ich habe vergessen, sie nimmt auch ihr Blutdruckmessgerät und ihren Inhalator mit, die sind sperrig.

Er drehte sich um und ging aus dem Zimmer hinaus, wobei er über die verstreute Unterwäsche stieg, als wäre sie Müll.

— Du hast eine Stunde, Darja.

Wenn der Koffer bei meiner Rückkehr nicht für Mamas Sachen bereit ist, werfe ich den Rest deiner Klamotten aus dem Fenster.

Direkt auf die Straße.

Verstanden?

Die Tür knallte so zu, dass die Fensterscheiben in den Rahmen zitterten.

Darja blieb auf dem Boden sitzen, zwischen den Ruinen ihrer Garderobe und ihres Familienlebens.

In der Stille der Wohnung hörte man nur die Wanduhr ticken, die die Minuten bis zum unausweichlichen Ende herunterzählte.

Doch Angst war da nicht.

Da war Verständnis: Der Punkt ohne Rückkehr war überschritten.

Und nun blieb nur noch eins — dieses Schauspiel bis zu dem Finale zu Ende zu spielen, das Maxim sich selbst inszeniert hatte, ohne auch nur zu ahnen, wie es für ihn enden würde.

Das Geräusch des sich im Schloss drehenden Schlüssels klang wie der Schuss einer Startpistole.

Darja zuckte nicht einmal zusammen.

Sie saß noch immer auf dem Rand des Bettes und sah in das verwüstete Zimmer, in dem ihre Spitzenunterwäsche mit Staub vermischt herumlag wie abgefallene Blütenblätter im Dreck.

Maxim kam rückwärts ins Schlafzimmer herein.

Er schleifte zwei riesige, prall gefüllte Taschen hinter sich her — genau diese karierten, mit denen die Händler in den Neunzigern unterwegs waren.

Von den Taschen ging ein dichter, schwerer Geruch nach Korvalol, alter Wolle und etwas Saurem, Altem aus.

Dieser Geruch füllte sofort den Raum und verdrängte die Reste von Darjas Parfüm.

— Na? — Maxim warf die Taschen mitten ins Zimmer, direkt auf ihren Seidenmorgenmantel.

Er wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn.

— Ich verstehe nicht.

Warum ist der Koffer leer?

Ich habe doch gesagt, du sollst Platz schaffen.

Oder verstehst du kein Russisch?

Er sah sich im Zimmer um, und sein Gesicht verfinsterte sich.

Darja hatte sich keinen Zentimeter bewegt.

Sie sah ihren Mann mit trockenen, entzündeten Augen an, in denen weder Liebe noch Kränkung geblieben war — nur kalte, beinahe anatomische Neugier.

— Ich warte, — sagte sie leise.

— Du warst noch nicht fertig.

Du hast etwas von Massage gesagt.

Was gehört sonst noch zu meinen Pflichten?

Zähl bitte alles auf.

Ich möchte das volle Arbeitspensum verstehen.

Maxim schnaubte und öffnete den obersten Knopf seines Hemdes.

Ihm war heiß, er war aufgedreht, doch ihr ruhiger Ton brachte ihn aus dem Konzept.

Er hatte mit Hysterie, Tränen, Bitten gerechnet, aber nicht mit diesem sachlichen Tonfall.

— Willst du mich verarschen? — Er trat zu ihr und ragte über ihr auf.

— Welche Liste?

Das ist menschliches Verhalten!

Aber wenn du zu dumm bist, erkläre ich es dir.

Hör gut zu, mitschreiben musst du nicht, das wirst du dir schon merken.

Er begann, die Finger einzuklappen, und mit jedem Finger spürte Darja, wie sich in ihr eine feste Feder weiter spannte.

— Erstens.

Regime.

Mama steht um sechs Uhr morgens auf.

Sie muss sich eine Liege im Schatten sichern.

Sonne ist schlecht für sie, aber Meeresbrise ist gut.

Du wirst um halb sechs aufstehen, zum Strand gehen und einen Platz unter einem Sonnenschirm besetzen.

Nicht im Sand, sondern auf dem Holzsteg, damit sie bequem laufen kann.

Und dort sitzen und bewachen, bis wir nach dem Frühstück kommen.

— Das heißt, ich stehe vor Sonnenaufgang auf und arbeite als Wachfrau für eine Liege? — fragte Darja ohne Gefühl.

— Du kümmerst dich um die Familie! — brüllte Maxim.

— Zweitens.

Essen.

Mama hat eine strenge Diät.

Kein Buffet mit deinen scharfen Lieblingssalaten.

Du wirst mit ihr die Essensausgabe entlanggehen, ihren Teller tragen und darauf achten, dass dort nur Gedämpftes und Gekochtes draufkommt.

Wenn etwas fehlt — gehst du zum Küchenchef und regelst, dass sie ungesalzene Pute kochen.

Damit werde ich mich nicht beschäftigen, ich muss ordentlich essen, ich bin ein Mann.

Er trat gegen die karierte Tasche, als wolle er ihre Stabilität prüfen.

— Drittens.

Baden.

Mama schwimmt schlecht, sie hat Angst vor Tiefe.

Du wirst mit ihr ins Wasser gehen.

Sie an der Hand halten.

Wenn Wellen sind — daneben stehen und sie absichern, damit sie nicht umgerissen wird.

Ich schwimme weit hinaus, ich werde nicht im Kinderplanschbecken am Ufer planschen.

Das ist deine Aufgabe.

Darja stellte sich diese Szene vor: sie selbst, in einem geschlossenen Badeanzug — schließlich würde ein offener Mama irritieren — steht hüfttief im Wasser und hält die schwere Tamara Iwanowna an der Hand, während Maxim seinen weiten Schwimmzug genießt.

— Viertens, und das Wichtigste, — Maxim senkte die Stimme, und darin klangen stählerne Drohnoten.

— Im Zimmer.

Mama steht nachts oft auf, um auf die Toilette zu gehen.

Sie hat eine schwache Blase.

Das Licht im Bad werden wir nicht ausmachen, die Tür bleibt einen Spalt offen.

Das Licht fällt ins Zimmer.

Wenn es dich stört — setz eine Schlafmaske auf.

Und wag es nicht zu seufzen oder mit der Zunge zu schnalzen, wenn sie in ihren Pantoffeln am Bett vorbeischlurft.

Wenn sie dich weckt — drehst du dich auf die andere Seite und schläfst weiter.

Verstanden?

— Und wenn sie schnarcht? — fragte Darja.

— Sie schnarcht nämlich, Maxim.

Laut.

— Dann hältst du das aus! — Sein Gesicht verzog sich vor Wut.

— Dann steckst du dir Ohrstöpsel rein!

Du junge, gesunde Stute, dir geht es nur ums Schlafen.

Und ein alter Mensch leidet.

Deine Aufgabe ist es, ihr Ruhe zu verschaffen.

Du musst dafür sorgen, dass Mama sich wie eine Königin fühlt.

Wenn sie den unteren Rücken mit Salbe eingerieben bekommen muss — dann reibst du ihn ein.

Wenn ihr Blutdruck gemessen werden muss — dann misst du ihn.

Ich will von dir kein einziges „ich will nicht“ oder „ich bin müde“ hören.

Wir nehmen sie mit, damit sie sich erholt, und nicht, um uns deine Launen anzuhören.

Darja ließ den Blick langsam zu den karierten Taschen wandern.

Aus einer ragte der Rand eines ausgewaschenen Morgenmantels hervor.

Das war also die Realität, die man ihr anbot.

Nein, nicht anbot — ihr mit Gewalt aufzwang, indem man ihren Willen, ihre Wünsche, ihre Persönlichkeit brach.

— Weißt du, was das Interessanteste daran ist, Maxim? — Sie stand endlich vom Bett auf.

Ihre Beine zitterten, aber sie stand gerade.

— Du hast kein einziges Mal „wir“ gesagt.

Es heißt immer nur „du“.

Du wirst tragen, du wirst aufpassen, du wirst den Rücken einreiben.

Und was wirst du tun?

— Und ich, — Maxim grinste und genoss seine Straflosigkeit und Macht, — werde mich erholen.

Ich habe diesen Zirkus bezahlt.

Ich habe euch ans Meer gebracht.

Meine Arbeit war in dem Moment erledigt, als ich die Karte durchs Terminal gezogen habe.

Danach ist deine Schicht.

Das ist eine normale Arbeitsteilung.

Der Mann beschafft Ressourcen, die Frau sorgt für Gemütlichkeit und Pflege.

So haben unsere Vorfahren gelebt, und so wirst du auch leben.

Oder dachtest du, der Stempel im Pass gäbe dir nur das Recht, mein Geld auszugeben?

Nein, Liebling.

Er bedeutet auch Pflichten.

Und jetzt ist die Zeit gekommen, die Rechnung zu bezahlen.

Er trat zur Kommode, griff nach dem Flakon ihres teuren Parfüms, drehte ihn verächtlich in den Händen und stellte ihn mit einem lauten Schlag wieder hin.

— Übrigens, räum dieses Stinkzeug weg.

Mama ist allergisch gegen starke Gerüche.

Im Zimmer soll es nach Frische riechen und nicht nach einem Bordell.

So, genug geredet.

Die Zeit läuft.

— Er nickte zum geöffneten Koffer.

— Pack Mamas Sachen ein.

Ordentlich.

Pullover nach unten, Medikamente nach oben, damit man schnell dran kommt.

Und wag es ja nicht, etwas zu zerknittern.

Maxim drehte sich um und ging in die Küche, wobei er über die Schulter warf: — Ich gehe Wasser trinken.

In zehn Minuten ist der Koffer fertig.

Sonst werfe ich deine Klamotten wirklich aus dem Fenster, und du fährst in dem, was du anhast.

Darja blieb allein.

Die Stille im Zimmer klingelte in den Ohren, doch diesmal war sie nicht leer.

Sie war Klarheit.

Kristallklar, scharf wie das Skalpell eines Chirurgen.

Sie sah auf die karierten Taschen, auf ihre zertretenen Sachen, auf den Lotionfleck an der Wand.

In ihrem Kopf setzte sich das Puzzle zusammen.

Es gab keine Fragen mehr wie „Wofür?“ und „Warum?“.

Es gab nur noch eine Antwort auf diesen ganzen Wahnsinn.

Sie ging zum Nachttisch, wo ihr Telefon und ihr Reisepass lagen.

Nahm beides in die Hand.

Ihre Finger umschlossen das kalte Plastik und das Leder des Einbands.

Maxim war überzeugt, sie in die Ecke gedrängt zu haben, dass sie keinen Ausweg mehr hatte, dass finanzielle Abhängigkeit und die Angst vor einem Skandal sie zur Unterwerfung zwingen würden.

Er hatte alles kalkuliert, bis auf eines.

Er hatte vergessen, dass selbst das geduldigste Opfer eine Grenze hat, hinter der die Angst verschwindet und blanker, zerstörerischer Zorn an ihre Stelle tritt.

Sie machte die karierten Taschen nicht auf.

Sie sah nicht einmal in Richtung des Koffers.

Darja holte tief Luft, sog diesen abgestandenen Geruch fremder Altersschwäche und fremder Frechheit in sich ein und ging entschlossen nicht zum Schrank, sondern an den Schreibtisch, auf dem Maxims Laptop lag.

Er ließ ihn immer eingeschaltet.

Darjas Finger flogen über die Tastatur mit derselben erschreckenden Leichtigkeit, mit der ein Pianist einen Trauermarsch spielt.

Der Bildschirm des Laptops leuchtete in kaltem Blau und spiegelte sich in ihren trockenen Augen.

Ein Klick.

Ein zweiter.

Der Reiter mit der Hotelbuchungsseite.

Die Schaltfläche „Buchung stornieren“.

Ein Pop-up-Fenster mit einer roten Warnung: „Strafe bei Stornierung am Anreisetag — 100 %.

Der Betrag wird nicht zurückerstattet.“

Der Cursor hielt nur für einen Bruchteil einer Sekunde inne.

Darja erinnerte sich daran, wie Maxim ihre Unterwäsche herumgeworfen hatte, wie demütigend er ihre „Pflichten“ als „Pflegekraft“ aufgezählt hatte, wie er sich an seiner Macht berauscht hatte.

Sie klickte auf „Bestätigen“.

Sofort kam eine Benachrichtigung per E-Mail: „Ihre Buchung wurde storniert.“

Zweihunderttausend Rubel lösten sich im digitalen Nichts auf und wurden zu Luft.

Doch das war noch nicht genug.

Darja öffnete die Banking-App.

Das Passwort war im Browser gespeichert — Maxim war zu selbstsicher, um vor seiner „dummen Frau“ irgendetwas zu verbergen.

Auf dem Gemeinschaftskonto lagen noch hundertfünfzigtausend — das „Sicherheitskissen“ für den Fall höherer Gewalt auf der Reise.

Sie gab die Nummer ihrer Karte ein, die Maxim nie kontrollierte, und überwies den gesamten Betrag bis auf den letzten Kopeken mit dem Kommentar: „Für neue Fetzen.“

— Wieso trödelst du da so herum? — Maxims Stimme erklang direkt hinter ihrem Ohr und ließ sie zusammenzucken, aber nicht vor Angst, sondern vor Ekel.

— Von wegen Wasser trinken.

Ich komme rein, und der Koffer ist immer noch leer.

Du spielst mit dem Feuer, Dascha.

Ich fange jetzt wirklich an, deine Sachen aus dem Fenster zu werfen.

Er stand in der Tür, ein Glas Wasser in der Hand, und sein Gesicht zeigte höchste Gereiztheit.

Er war sich sicher, dass sie sich ergeben hatte, dass sie jetzt, gebrochen und niedergedrückt, anfangen würde, die langen Unterhosen seiner Mutter einzupacken.

— Mach dir keine Mühe, — sagte Darja langsam, drehte sich im Stuhl zu ihm um und sah ihn mit eisigem Spott an.

— Ich habe dir schon Platz geschaffen.

Und nicht nur im Koffer.

— Was? — Maxim runzelte die Stirn und stellte das Glas auf das Regal.

— Wovon redest du da?

Steh auf und fang an, die Taschen zu packen!

Mama sitzt schon im Taxi, sie ist in zwanzig Minuten hier.

Wenn sie kommt, muss alles fertig sein!

— Deine Mutter fliegt nirgendwohin, Maxim.

Du übrigens auch nicht.

Genauer gesagt, fliegen könnt ihr schon, eure Tickets habt ihr ja.

Aber wohnen werdet ihr nirgendwo.

Maxim erstarrte.

Seine Augen verengten sich, als versuchte er, eine Falle zu erkennen.

— Wie, nirgendwo wohnen?

Unser Luxuszimmmer ist bezahlt.

Bist du wahnsinnig?

— Nicht mehr, — Darja nickte zum Laptop-Bildschirm.

— Ich habe die Buchung eben storniert.

Da die Stornierung weniger als vierundzwanzig Stunden vor der Anreise erfolgte, hat das Hotel die gesamten Übernachtungskosten einbehalten.

Das Geld ist weg.

Das Zimmer ist weg.

Maxim wurde blass.

Er stürzte zum Tisch, stieß den Stuhl beiseite und bohrte den Blick in den Monitor.

Seine Augen huschten über die Zeilen der Bestätigungs-E-Mail.

Er schnappte nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen.

— Du… du Miststück, was hast du getan?! — brüllte er und fuhr zu ihr herum.

Sein Gesicht lief rot an, die Adern an seinem Hals traten hervor.

— Das sind zweihunderttausend!

Ist dir klar, was du angerichtet hast?!

Das Geld ist nicht zurückerstattbar!

— Das weiß ich sehr gut, — antwortete Darja ruhig und stand auf.

— Du wolltest doch sparen?

Du wolltest uns zu dritt in ein Zimmer stecken, damit wir nicht zu viel bezahlen?

Ich habe das Problem radikal gelöst.

Jetzt gibt es überhaupt nichts mehr zu bezahlen.

— Ich bringe dich um… — flüsterte er und ballte die Fäuste.

— Ich rufe da jetzt an, ich stelle das wieder her…

— Das wirst du nicht.

Das Zimmer ist schon wieder im Verkauf, es ist schließlich Saison.

Und Geld für ein neues hast du nicht.

Übrigens, — sie zog ihr Telefon hervor und zeigte ihm die Benachrichtigung über den Geldeingang.

— Den Rest vom Konto habe ich auch genommen.

Betrachte es als Entschädigung für den moralischen Schaden und die zerstörte Kosmetik.

Du hast doch selbst gesagt: „Ich bezahle, also entscheide ich.“

Jetzt bezahle ich.

Und ich habe entschieden, dass du bankrott bist.

Maxim stand da, betäubt von dem Ausmaß der Katastrophe.

Sein Plan, sein Urlaub, sein Geld — alles war in einer Minute zusammengebrochen.

Er sah seine Frau an und sah vor sich einen Feind, den er selbst mit seiner Verachtung großgezogen hatte.

— Gib das Geld zurück, — zischte er und machte einen Schritt auf sie zu.

— Überweise es sofort zurück.

Sonst werde ich…

— Sonst was? — Darja trat ihm entgegen und sah ihm direkt in die Augen.

In ihr war kein Tropfen Angst mehr, nur reiner, konzentrierter Hass.

— Wirst du mich schlagen?

Nur zu.

Aber vergiss nicht, dass die Wohnung auf meinen Vater eingetragen ist.

Ein Anruf — und du fliegst hier nicht einfach nur mit deinen Sachen raus, sondern für immer.

Hast du vergessen, wer dir geholfen hat, an diese Arbeit zu kommen?

Mein Vater.

Willst du nicht nur den Urlaub, sondern auch deine Karriere verlieren?

Das war ein Schlag unter die Gürtellinie, doch genau er brachte Maxim wieder zur Besinnung.

Er wusste, dass sie nicht bluffte.

Sein Hochmut fiel von ihm ab wie Schuppen.

Übrig blieb nur die erbärmliche Wut eines in die Enge getriebenen Tieres.

— Du bist verrückt, — stieß er aus.

— Du bist einfach eine kranke Psychopathin.

Mama ist eine alte, kranke Frau…

Wir sitzen schon im Taxi…

Wohin soll ich jetzt mit ihr?

Zum Flughafen?

Am Strand obdachlos werden?

— Das sind deine Probleme, „Ernährer“, — schnitt Darja ihm das Wort ab.

— Du bist doch der Mann.

Lös sie.

Du triffst doch so gern alle Entscheidungen allein.

Dann triff jetzt eben welche.

Miete ein Bett im Hostel.

Stell ein Zelt auf.

Das ist mir völlig egal.

Sie ging zu genau den karierten Taschen, die immer noch nach Korvalol und Alter rochen.

Sie packte eine an den Henkeln.

Die Tasche war schwer, doch der Zorn gab Darja Kraft.

Sie schleifte sie über den Boden quer durchs Schlafzimmer in den Flur.

— Was machst du da? — Maxim lief ihr nach, blieb aber stehen, weil er nicht wusste, wonach er zuerst greifen sollte — nach dem Telefon, um die Konten zu überprüfen, oder nach den Taschen.

— Ich räume das Gelände, — Darja riss die Wohnungstür auf.

— Du hast gesagt: „Wenn es dir nicht passt — bleib zu Hause.“

Diese Idee gefällt mir ausgezeichnet.

Ich bleibe zu Hause.

Und du gehst.

Zusammen mit deiner Mutter, ihrem Blutdruck, ihren Taschen und deinem ruinierten Urlaub.

Mit einem kräftigen Stoß schob sie die erste Tasche auf den Treppenabsatz hinaus.

Die Tasche kippte schwer über die Schwelle und fiel auf die Seite.

— Raus! — schrie sie so laut, dass den Nachbarn hinter den Türen sicher die Augen groß wurden.

— Nimm deinen Kram und verschwinde!

Maxim sah sie an, und in seinem Blick las man eine Mischung aus Hass und Hilflosigkeit.

Er begriff, dass er verloren hatte.

Nicht weil sie mehr Rechte gehabt hätte, sondern weil sie zu einer Härte fähig war, die er ihr nie zugetraut hatte.

Schweigend griff er nach seinem Rucksack, hob die zweite Tasche seiner Mutter auf und trat hinaus auf den Treppenabsatz, wobei er Darja einen Blick voller Gift zuwarf.

— Das wirst du bereuen, — warf er ihr schon vor dem Aufzug zu.

— Du wirst zu mir angekrochen kommen, wenn dir das Geld ausgeht.

Wer braucht dich schon, hysterische Ziege?

— Ganz sicher nicht du, — Darja schlug die schwere Metalltür mit Schwung zu.

Das Geräusch des einrastenden Schlosses klang wie der Schlussakkord in dieser Symphonie des Skandals.

Darja lehnte sich mit dem Rücken gegen die Tür und spürte, wie die Kälte des Metalls ihre erhitzte Haut kühlte.

In der Wohnung war es still.

Perfekt still.

Kein Gemurmel, keine Anweisungen, kein Geruch nach Medikamenten.

Sie ging ins Schlafzimmer.

Auf dem Boden lagen ihre Sachen — zerknittert, schmutzig, zertreten.

An der Wand breitete sich der fettige Fleck der Creme aus.

Das Hotelzimmer war weg.

Die Familie war zerbrochen.

Ihr Mann hasste sie jetzt für immer.

Darja trat an ihren Koffer, stieß ihn mit dem Fuß zu und setzte sich darauf.

Dann nahm sie das Telefon, öffnete eine Reise-App und tippte in die Suche: „Malediven.

Nur-Erwachsene-Hotel.

1 Person“.

— Blutdruck also… — flüsterte sie in die Leere der Wohnung und lächelte zum ersten Mal an diesem Abend.

Das Lächeln war räuberisch und böse.

— Nun gut, Meeresluft tut jedem gut.

Vor allem denen, die wissen, wie man für sich selbst einsteht…