Und mein Mann stand daneben und schwieg, ohne für mich einzutreten.
— Willst du mir jetzt im Ernst sagen, dass das „normal“ ist? — Nastja hielt einen Schlüsselbund in der Hand und schüttelte ihn Oleg direkt vor dem Gesicht.

— Ich stehe auf meiner eigenen Veranda wie eine Fremde und komme nicht in mein eigenes Haus!
Oleg öffnete die Tür mit vorgelegter Kette und schaute heraus, als hätte man ihn im Treppenhaus mit fremden Einkaufstüten erwischt.
— Sei leiser, na ja… die Nachbarn doch…
— Die Nachbarn? — Nastja schnaubte, und das Lachen klang trocken.
— Sagen wir ehrlich: Warst du das oder deine Mutter, die beschlossen hat, dass ich hier nur noch „nach Zeitplan“ reindarf?
Aus dem Inneren des Hauses war zu hören:
— Wer schreit da schon wieder?
Galina Nikolajewna.
Ihre Stimme war wie ein Löffel auf Emaille: nicht laut, aber sie ging auf die Nerven.
Nastja trat näher und stemmte die Handfläche gegen den Türrahmen.
— Oleg, nimm die Kette ab.
Sofort.
— Nastja, warte doch…
— Ich werde nicht „warten“.
Ich habe auf dem Markt Taschen durch diesen Matsch aus Schnee und Salz geschleppt, mir fallen die Arme ab, und ihr habt hier was veranstaltet?
Oleg nahm die Kette ab und trat zurück.
Nastja ging hinein und stellte die Taschen auf den Boden — dumpf fiel es wie ein Punkt am Satzende.
Galina Nikolajewna kam aus der Küche, in ihrer unveränderlichen Schürze, als würde sie hier nicht erst den dritten Monat wohnen, sondern schon ihr ganzes Leben lang die Herrin des Hauses sein.
— Ach, du bist da.
Gott sei Dank.
Wir dachten schon, du bleibst wieder irgendwo bis tief in die Nacht.
— Irgendwo? — Nastja drehte sich zu ihr um.
— Ich bin kein Teenagermädchen, damit Sie „auf mich warten“.
Und das ist nicht Ihre Wohnung.
Und nicht einmal Olegs.
Das ist das Haus meines Vaters.
Galina Nikolajewna machte ein Gesicht, als höre sie sich nur eine Laune an.
— Na, ein Haus eben.
Aber ein Haus ist nicht bloß ein Stück Papier, Nastja.
Ein Haus ist Ordnung.
— Ordnung? — Nastja hob die Schlüssel hoch.
— Und was ist das dann?
Dekoration?
Warum passen meine Schlüssel nicht mehr?
Oleg räusperte sich.
— Wir… haben den Schließzylinder ausgetauscht.
— Wir, — wiederholte Nastja.
— Hör dir nur an, wie schön das klingt.
„Wir haben ausgetauscht.“
Und wer ist „wir“?
Du und Mama?
Galina Nikolajewna seufzte demonstrativ, als würde Nastja ihr das Leben schwer machen.
— Man muss daraus kein Drama machen.
Das Schloss war alt, es klickte und klemmte.
Draußen wird es früh dunkel, Februar, ihr wisst selbst.
Hier ist kein Kurort.
— Aha, — Nastja nickte.
— Und die Rettung vor der Februardunkelheit ist also, die Hausherrin auf der Veranda auszusperren?
Oleg versuchte zu lächeln.
— Na, du bist doch gekommen, wir haben aufgemacht…
— Aufgemacht? — Nastja sah ihn an wie einen Fremden.
— Ich habe zehn Minuten darin herumgestochert, die Finger waren zu Eis, die Taschen lagen im Schnee, und ihr saßt drinnen.
Hat euch da nichts gezuckt?
Er wandte den Blick ab.
— Ich wollte einfach… keinen Streit.
— Und was ist daraus geworden?
Daraus ist geworden, dass ihr mich „nicht haben wolltet“, — sagte Nastja so ruhig, dass sie selbst vor ihrer eigenen Stimme erschrak.
Galina Nikolajewna trat näher und stellte sich Nastja im Weg ins Zimmer.
— Also gut.
Beruhige dich, zieh dich aus.
Dein Gesicht ist ganz blau.
Der Tee steht auf dem Herd.
— Ich will keinen Tee.
Ich will verstehen, warum Sie hier bestimmen.
Und warum du, Oleg, schweigst.
Oleg hob die Hände, als würde er aufgeben.
— Ich schweige nicht.
Es ist nur… Mama macht sich Sorgen, es fällt ihr schwer, das weißt du doch.
— Es fällt ihr schwer? — Nastja drehte sich zu Galina Nikolajewna um.
— Fällt es Ihnen schwer?
Und ich habe es leicht?
Ich arbeite, ich bezahle die Nebenkosten, ich repariere hier alles, was auseinanderfällt, und soll dann auch noch ertragen, wie Sie Möbel umstellen und mir beibringen wollen, wie ich zu leben habe?
Galina Nikolajewna presste die Lippen zusammen.
— Schon wieder die Möbel.
Wie oft denn noch?
Ich wollte nur, dass dieser… Plunder verschwindet.
— Plunder? — Nastja trat scharf ins Wohnzimmer und zeigte auf die alte Kommode ihres Vaters.
— Das nennen Sie Plunder?
— Sie ist schwer, sperrig.
Wie viel Platz sie wegnimmt!
Und überhaupt… sie ist düster.
— Düster? — Nastja grinste spöttisch.
— Sie ist nicht düster.
Sie ist echt.
Im Gegensatz zu Ihrem billigen Parfüm, nach dem das ganze Haus inzwischen riecht wie ein Minibus zur Stoßzeit.
Oleg zuckte zusammen:
— Nastja, warum denn…
— Warum die Wahrheit? — sie drehte sich zu ihm um.
— Sag mir lieber: Habt ihr mich wegen des Schlosses gewarnt?
Oder habt ihr beschlossen — Überraschung?
Oleg schwieg.
Dieses Schweigen war schlimmer als jede Antwort.
Galina Nikolajewna mischte sich ein:
— Ich habe es Oleg gesagt.
Er ist ein erwachsener Mensch.
Er ist hier auch Herr im Haus.
— Herr im Haus? — Nastja sah ihren Mann langsam an.
— Bist du Herr im Haus?
Oleg schluckte.
— Wir sind doch eine Familie…
— Familie ist, wenn man nichts hinter dem Rücken macht, — schnitt Nastja ihm das Wort ab.
— Familie ist, wenn man nicht die Schlösser austauscht, um jemanden „zu erziehen“.
Galina Nikolajewna schlug die Hände zusammen:
— Mein Gott, was für Worte!
Niemand erzieht dich.
Du bist einfach… du bist immer wie ein Igel.
Man begegnet dir menschlich — und du stachelst gleich.
— Menschlich? — Nastja ging zu dem Schrank am Eingang und öffnete ihn.
Der Mantel hing anders.
Das Regal war leer.
— Wo ist mein Ordner mit den Dokumenten?
Der blaue, in der Hülle?
Oleg spannte sich an.
— Welcher Ordner?
— Stell dich nicht dumm.
Ich habe ihn hier gelassen.
Da sind die Unterlagen zum Haus drin, die Versicherung, die Quittungen… wo ist er?
Galina Nikolajewna antwortete ganz ruhig:
— Ich habe ihn weggeräumt.
Ich mag kein Durcheinander.
— Wohin weggeräumt?
— In die obere Schublade der Kommode.
— In die Kommode? — Nastja lachte böse auf.
— In genau den „Plunder“ also?
Sie riss die Schublade auf.
Leer.
Die zweite — leer.
Die dritte — auch.
Nastja erstarrte für einen Moment und drehte sich dann abrupt um.
— Wo.
Sind.
Meine.
Dokumente.
Oleg trat auf sie zu:
— Nastja, fang bitte nicht damit an.
— Ich habe schon damit angefangen, Oleg.
In dem Moment, als ihr das Schloss ausgetauscht habt.
Wo sind die Dokumente?
Galina Nikolajewna wandte den Blick zum Küchendurchgang, und das genügte schon.
— Sie haben sie irgendwohin mitgenommen, — sagte Nastja leise.
— Sie haben sie mitgenommen, oder?
— Ich habe sie für Kopien mitgenommen, — sagte die Schwiegermutter schnell.
— Warum schaust du mich so an?
Man musste das klären…
— Was klären? — Nastja hob die Stimme.
— Mein Erbe klären?
Wer sind Sie überhaupt?
Oleg scharf:
— Mama wollte doch nur helfen!
— Helfen? — Nastja drehte sich zu ihm um.
— Helfen heißt fragen.
Nicht meine Unterlagen wegzuschleppen und die Schlösser auszutauschen.
Galina Nikolajewna trat einen Schritt vor, ihre Stimme wurde härter:
— Hör zu, Nastja.
Du lebst, als wärst du allein.
Bei dir heißt es immer nur „meins“.
Du hast deinen Mann in die Ecke gedrängt, er kann kein Wort mehr sagen.
— Er steht nicht in der Ecke.
Er hat sich einfach entschieden zu schweigen, damit es für alle bequem ist.
— Und für dich ist das bequem? — Galina Nikolajewna kniff die Augen zusammen.
— Ist es für dich bequem, ihn vor meinen Augen zu demütigen?
— Für mich ist es bequem, in meinem eigenen Haus zu sein, — schnitt Nastja ab.
— Und Sie machen mir diesen Ort zu etwas Fremdem.
Oleg griff sich an den Kopf.
— Mein Gott… was wollt ihr denn alle?
Nastja zeigte mit dem Finger auf ihn:
— Ich will, dass du sagst: „Mama, misch dich nicht ein.“
Und dass die Dokumente wieder an ihren Platz kommen.
Und dass das Schloss wieder so wird, wie es war.
Heute.
— Ich kann heute nicht… — rutschte es Oleg heraus.
Nastja hielt inne.
— Warum kannst du nicht?
Oleg geriet ins Stocken, und dieses Stocken war wie ein Geständnis.
— Weil… der Handwerker morgen kommt.
— Der Handwerker? — Nastja drehte sich zu Galina Nikolajewna um.
— Welcher Handwerker?
— Für die Fenster, — antwortete die Schwiegermutter schnell.
— Wir wollten abdichten.
— Im Februar? — Nastja grinste kalt.
— Abdichten?
Oder noch etwas anderes „abdichten“?
Oleg presste die Lippen zusammen.
— Nastja, hör auf mit deinen Verdächtigungen.
— Verdächtigungen? — Nastja ging scharf in die Küche, öffnete die Schublade am Tisch, wo sonst die Unterlagen zu den Zahlungen lagen.
Leer.
— Und das hier?
Wo sind die Quittungen?
Galina Nikolajewna sagte allzu ruhig:
— Ich habe sie in einen separaten Ordner gelegt.
— Und wo ist der Ordner?
— Bei mir.
Nastja drehte sich langsam um.
— Sie haben die Quittungen genommen… und meine Dokumente… und das Schloss ausgetauscht… — sie sprach schon nicht mehr laut, als wäre in ihrem Inneren alles von Eis überzogen.
— Was machen Sie da?
Drängen Sie mich aus meinem eigenen Leben?
Oleg scharf:
— Niemand drängt dich raus!
— Dann sag mir: warum? — Nastja sah ihm direkt in die Augen.
— Wozu braucht ihr meine Unterlagen?
Er schwieg.
Galina Nikolajewna seufzte wie eine Lehrerin.
— Weil du nicht nachdenkst.
Das Haus ist alt.
Das Dach leckt.
Der Zaun ist schief.
Es ist kein Geld da.
Wir haben eine Möglichkeit gefunden.
— Wieder dieses „wir“, — Nastja grinste bitter.
— Welche Möglichkeit?
Oleg presste endlich hervor:
— Einen Kredit.
— Einen Kredit? — Nastja verstand es nicht einmal sofort.
— Wofür?
Galina Nikolajewna begann schnell zu sprechen, als hätte sie das längst geprobt:
— Für die Renovierung.
Für ein normales Leben.
Für Oleg ist es schwer, eine anständige Arbeit zu finden, das siehst du doch selbst, alles ist jetzt… na ja, du weißt ja.
Aber auf das Haus kann man einen nehmen.
Mit dem Haus als Sicherheit.
Das ist doch vernünftig!
Du würdest später selbst Danke sagen.
— Auf mein Haus als Sicherheit? — Nastja hob die Augenbrauen.
— Und dafür habt ihr meine Unterlagen herumgeschleppt?
— Nichts Schlimmes, — winkte die Schwiegermutter ab.
— Es wurden nur Kopien gebraucht.
— Nicht Kopien, — sagte Nastja leise.
— Lügen Sie nicht.
Sie hätten das Schloss nicht wegen Kopien ausgetauscht.
Oleg platzte heraus:
— Jetzt reicht’s!
Du suchst immer gleich einen Haken!
— Einen Haken? — Nastja trat näher an ihn heran.
— Antworte mir jetzt ehrlich: Hast du schon irgendetwas unterschrieben?
Oleg wurde blass.
Er antwortete nicht — und das war die Antwort.
Nastja nickte sich selbst zu, als hätte sich das Bild endlich zusammengefügt.
— Verstanden. — Sie hob die Taschen auf, ging zum Ausgang und warf sich im Gehen die Jacke über.
Oleg fuhr herum:
— Wohin gehst du?
— Zum Anwalt.
Und wenn sich herausstellt, dass ihr mein Haus irgendwo hineingesteckt habt ohne mich — dann fliegt ihr beide so schnell hier raus, dass der Schnee gar keine Zeit hat zu schmelzen.
Galina Nikolajewna hob die Stimme:
— Bist du völlig verrückt geworden?
Das ist Familie!
Nastja blieb auf der Schwelle stehen und drehte sich um.
— Familie ist nicht: „Lass uns für sie unterschreiben, sie wird sich schon daran gewöhnen.“
Familie ist nicht, wenn man mich von draußen aussperrt.
Ich komme zurück — und dann wird das Gespräch ein anderes sein.
Sie ging hinaus auf die Straße.
Die Februar-Luft schlug ihr ins Gesicht — feucht, kalt, mit dem Geruch von nassem Asphalt.
Nastja ging zur Haltestelle und dachte nur an eines: wie sie das so lange hatte ertragen können.
Das Telefon vibrierte.
Oleg.
— Nastja, bitte, das muss doch nicht…
— Doch, Oleg. — Sie sprach ganz ruhig.
— Schick mir ein Foto von dem, was du unterschrieben hast.
Jetzt sofort.
— Ich kann nicht.
— Dann finde ich es selbst heraus.
Und sei dir sicher: Wenn dort meine Unterschrift steht — dann mache ich euch ein Leben, an das ihr euch lange erinnern werdet.
— Bedrohst du mich?
— Ich warne dich.
Eine Stunde später saß sie im kleinen Büro des Anwalts — es roch nach Kaffee aus dem Automaten und nach altem Papier.
Ein Mann mit Brille blätterte in den Ausdrucken und sah Nastja an, als hätte er Hunderte solcher Geschichten erlebt.
— Die Situation ist unangenehm, — sagte er.
— Aber lösbar.
Sie sind Eigentümerin.
Wenn die Unterschrift gefälscht wurde, ist das bereits ein anderes Feld.
— Ich will, dass sie ausziehen, — sagte Nastja.
— Und dass sie mir nie wieder zu nahe kommen.
— Das ist über das Gericht möglich.
Aber wir müssen Fakten sammeln.
Der Schlosswechsel, die Behinderungen, die Dokumente.
Gibt es Zeugen?
— Die Nachbarin hat gesehen, wie der Handwerker kam.
Und ich habe auf Video aufgenommen, wie der Schlüssel nicht passte.
— Hervorragend.
Dann machen wir eine Anzeige und bereiten die Klage vor.
Nastja nickte, hörte zu, und in ihrem Inneren war nur eines: Ich werde es nicht hergeben.
Das Telefon vibrierte wieder.
Eine Nachricht von Oleg: „Zu Hause reden wir in Ruhe.“
Nastja lächelte spöttisch.
— Ruhig wird es nicht mehr geben, — sagte sie laut, und der Anwalt hob den Blick.
— Entschuldigung?
— Nichts.
Schreiben Sie, — Nastja atmete ein.
— Schreiben Sie alles auf.
Bis zum letzten Buchstaben.
Und als sie am Abend zum Haus zurückkam, feiner Schnee unter der Straßenlaterne fiel und im Fenster Licht brannte, wusste sie schon: Jetzt beginnt die zweite Runde — und sanft wird jetzt niemand mehr sein.
— Mach auf. — Nastja klopfte nicht einmal mit der Faust an die Tür — sondern mit der Handkante, kurz, ohne Bitte.
— Oleg, mach auf, bevor ich den Abschnittsbeamten hole.
Von drinnen waren Schritte zu hören.
Oleg öffnete — ohne Kette, aber mit dem Gesicht eines Menschen, der im Voraus schon verloren hatte.
— Warum bist du so…
— Warum ich so bin? — Nastja ging hinein und sah sofort den Ordner auf dem Küchentisch.
Ihren.
Den blauen.
— Oh, Wunder geschehen.
Die Dokumente sind ganz plötzlich nach Hause zurückgekehrt.
Galina Nikolajewna saß am Tisch, die Hände gefaltet wie bei einem Elternabend.
— Wir haben alles hingelegt.
Keine hysterischen Szenen nötig.
— Das ist keine Hysterie, — Nastja setzte sich ihr gegenüber und legte den Ordner vor sich hin.
— Das ist ein Gespräch.
Ein langes.
Und ohne Ihr „Ach, reg dich nicht auf“.
Oleg setzte sich seitlich hin, wie immer, damit er sich im Notfall sowohl zu seiner Mutter als auch zu Nastja wenden konnte.
Nastja sah ihn an und lächelte sogar.
— Lustig, wie du dich hingesetzt hast.
Wie auf einer Schaukel.
— Fang nicht an, — sagte er leise.
— Nein, ich fange an. — Nastja öffnete den Ordner.
— Hier ist alles.
Und ich will sehen, was du unterschrieben hast.
Galina Nikolajewna sofort:
— Er hat nichts dergleichen unterschrieben, beruhige dich.
Nastja hob den Blick:
— Lügen Sie jetzt schon wieder oder ist das schon Gewohnheit?
— Wag es nicht, so mit mir zu reden!
— Ich werde so reden, wie Sie es verdient haben, — sagte Nastja ruhig.
— Oleg.
Die Papiere.
Oleg zog ein gefaltetes Blatt aus der Tasche.
Er legte es auf den Tisch, ohne hinzusehen.
Nastja faltete es auseinander.
Sie überflog es mit den Augen.
Und da kochte in ihr nicht einmal alles hoch — es stellte sich auf wie das Fell einer Hofkatze.
— Was ist das? — sie zeigte mit dem Finger darauf.
— „Einverständnis der Ehefrau“?
Ist das dein Ernst?
Oleg wurde blass:
— Das ist… eine Formalität.
— Eine Formalität ist, wenn man irgendwo ein Häkchen setzt.
Aber hier stehen mein Name und eine Unterschrift, die meiner ähnelt.
Nur dass ich nicht unterschrieben habe.
Galina Nikolajewna scharf:
— Jetzt reicht es aber!
Du stopfst doch selbst immer überall irgendwelche Papiere hin und erinnerst dich dann nicht mehr!
— Ich erinnere mich an jede einzelne meiner Unterschriften, — Nastja sah sie direkt an.
— Und ich sehe, dass das nicht meine Handschrift ist.
Wessen ist sie dann?
Ihre?
Oleg sprang auf:
— Mama hat damit nichts zu tun!
— Und wer hat damit zu tun? — Nastja hob das Blatt hoch.
— Du?
Hast du das gemacht?
Er setzte sich wieder, als hätten ihn die Beine verlassen.
— Ich… ich dachte… — presste er hervor.
— Wir würden renovieren.
Und du würdest dich beruhigen.
— Ich würde mich „beruhigen“? — Nastja lachte bitter.
— Du hast also beschlossen, mich mit Betrug zu „beruhigen“?
— Nicht mit Betrug, — mischte sich die Schwiegermutter ein.
— Wir wollten nur das Beste!
— Genau dieses euer „Beste“ macht mir mein ganzes Leben kaputt, — Nastja beugte sich vor.
— Verstehen Sie, dass das längst kein Familienstreit mehr ist?
Das ist… etwas ganz anderes.
Das ist ein Straftatbestand.
Galina Nikolajewna schlug mit der Hand auf den Tisch:
— Hör auf, mit solchen Worten Angst zu machen!
Willst du etwa meinen Sohn anzeigen?
— Wenn es sein muss — ja, — antwortete Nastja leise.
— Denn das ist kein „Sohn“ mehr, wenn er die Unterschrift seiner Frau fälscht.
Oleg brach heraus:
— Ich habe sie nicht gefälscht!
— Wer dann? — Nastja wich nicht zurück.
— Wer hat den Stift gehalten?
Schweigen.
Schweres Schweigen.
Darin hörte man sogar die Heizung zischen, weil Luft in den Rohren war.
Galina Nikolajewna sprach plötzlich weicher — viel zu weich, und gerade deshalb wurde einem übel davon.
— Nastja, wozu denn… Wir leben doch zusammen.
Na, wir haben uns gestritten.
Na, das Schloss.
Na, ein Blatt Papier.
Das kann man doch alles menschlich regeln.
— Menschlich war es bis zu dem Moment, als Sie in meine Unterlagen gegangen sind, — Nastja stand auf.
— Ich gebe Ihnen die letzte Chance: Sie packen jetzt Ihre Sachen und ziehen aus.
Beide.
Oleg hob den Kopf:
— Du wirfst uns raus?
— Ich hole mir mein Haus zurück, — antwortete Nastja.
— Und wenn du bleiben willst — gehst du morgen mit mir zum Notar, schreibst eine Erklärung, dass du keine Ansprüche hast und auch keine erhebst.
Und getrennt davon — dass die Unterschrift auf diesem Blatt nicht meine ist.
— Und wenn nicht? — Galina Nikolajewna verengte die Augen.
— Dann vor Gericht.
Und zur Polizei auch, — sagte Nastja ruhig.
— Ich war schon beim Anwalt.
Und er hat mir alles erklärt.
Oleg sprang auf und trat näher:
— Du bist also schon losgerannt, um dich zu beschweren?
— Ich bin losgerannt, um mich zu schützen.
Spür den Unterschied.
— Du bist einfach… — er stockte, — du bist einfach böse geworden.
— Ich bin nüchtern geworden, — Nastja sah ihm in die Augen.
— Ich war lange weich.
Dafür muss ich jetzt bezahlen.
Galina Nikolajewna scharf:
— Du gehst ohne uns zugrunde!
Das Haus wird auseinanderfallen!
Allein schaffst du das nicht!
— Lieber schaffe ich es allein, als mit Leuten zu leben, die mich von draußen aussperren, — Nastja wandte sich ab und ging in den Flur.
— Ihr habt zwei Wochen.
Oleg ging hinter ihr her:
— Nastja, warte doch…
— Fass mich nicht an, — sagte sie.
— Und versuch nicht, „von Herz zu Herz“ mit mir zu reden.
Hier gibt es schon lange keine Seele mehr, Oleg.
Hier gibt es nur Berechnung und Angst.
Zwei Tage später wurde im Haus wieder das Schloss ausgetauscht — diesmal von Nastja.
Im Beisein des Handwerkers und der Nachbarin Larissa Petrowna, damit es jemanden gab, der es bestätigen konnte.
Galina Nikolajewna lief im Kreis und kommentierte:
— Ach, was für ein Theater…
Nastja reagierte nicht.
Sie sagte nur zum Handwerker:
— Schreiben Sie bitte auf die Quittung das Datum und dass der alte Zylinder entfernt wurde.
Oleg stand abseits, die Hände in den Taschen, als hätte man ihn hierhergebracht.
Am Abend versuchte er es wieder:
— Lass uns wenigstens in Ruhe reden.
Ich bin doch nicht dein Feind.
— Ein Feind ist nicht der mit dem Messer.
Ein Feind ist der, der lächelt und hinter deinem Rücken handelt, — Nastja saß in der Küche und sortierte die Quittungen.
— Sag, Oleg, habt ihr wirklich gedacht, ich würde nichts merken?
— Ich dachte, du würdest… na ja…
— Dass ich es schlucke?
Wie immer?
Er schwieg.
— Weißt du, was das Widerlichste ist? — Nastja hob den Blick.
— Nicht, dass deine Mutter sich einmischt.
So ist sie eben.
Das liegt ihr im Blut.
Sondern dass du… dass du zugestimmt hast.
Du hast mich verraten.
Oleg scharf:
— Ich habe dich nicht verraten!
— Du hast das Schloss ausgetauscht.
— Das war Mama…
— Du hast die Papiere unterschrieben.
— Das…
— Und du hast geschwiegen, als sie die Kommode meines Vaters „Plunder“ genannt hat.
Oleg presste die Lippen zusammen.
— Was hat denn die Kommode damit zu tun…
— Alles, — sagte Nastja leise.
— Das war mein Haus.
Meine Luft.
Meine Erinnerung.
Und ihr habt beschlossen, dass man alles neu schreiben kann.
Eine Woche später kam die Vorladung: Nastja hatte Klage eingereicht wegen Behinderung der Nutzung des Wohnraums und auf Räumung.
Dazu noch einen gesonderten Antrag auf Überprüfung der Unterschrift.
Oleg hielt das Papier, als wäre es heiß.
— Du bist also wirklich bis zum Ende gegangen, — sagte er.
— Ja, — antwortete Nastja.
— Denn ihr wärt auch bis zum Ende gegangen — nur an meiner Stelle und in eine Richtung, die ich nicht brauche.
Vor Gericht war alles wie in einer schlechten Serie: ein schmaler Flur, fremde Gesichter, trockene Wände.
Oleg saß da, zusammengesunken.
Galina Nikolajewna hielt sich stolz, aber ihre Finger zuckten.
Der Richter fragte:
— Klägerin, Ihre Forderungen?
Nastja stand auf.
— Ich bin die Eigentümerin.
Man hat ohne meine Zustimmung die Schlösser ausgetauscht.
Man hat Dokumente weggebracht.
Man hat ein Papier mit meiner „Unterschrift“ vorgelegt, die ich nicht geleistet habe.
Ich beantrage, die Behinderungen zu beenden, die Beklagten auszuweisen und sie zu verpflichten, Zugang und Schlüssel zurückzugeben.
Galina Nikolajewna sprang auf:
— Das ist doch Undankbarkeit!
Wir wollten ihr doch nur eine Renovierung machen!
Der Richter trocken:
— Beklagte, setzen Sie sich.
Wurde das Schloss ausgetauscht?
Oleg leise:
— Ja.
— Mit Zustimmung der Eigentümerin?
— Nein.
— Wurden Dokumente weggenommen?
Galina Nikolajewna:
— Ich habe Kopien genommen…
— Mit Erlaubnis?
— Na ja… sie hätte sie sowieso nicht gegeben.
Im Saal schnaubte jemand, aber der Richter hob nicht einmal den Kopf.
— Das heißt, Sie räumen ein, ohne Zustimmung der Eigentümerin gehandelt zu haben, — sagte der Richter.
— Zur Frage der Unterschrift wird es eine gesonderte Prüfung geben.
Im vorliegenden Verfahren erlässt das Gericht folgende Entscheidung…
Nastja hörte Worte wie „verpflichten“, „beenden“, „innerhalb der Frist räumen“, und in ihrem Inneren war nur eins: genug.
Schluss.
Im Flur holte Oleg sie ein.
— Nastja, hätte es wirklich nicht anders gehen können?
Sie blieb stehen.
— Es hätte anders gehen können.
An dem Tag, als du zu deiner Mutter hättest sagen können: „Stopp.“
— Ich hatte Angst.
— Dann leb mit dieser Angst, — sagte Nastja leise.
— Nur nicht in meinem Haus.
Galina Nikolajewna kam näher, ihr Gesicht war verzerrt:
— Du wirst noch angelaufen kommen.
Allein schaffst du es nicht.
Nastja sah sie aufmerksam an, ohne Zorn.
— Ich habe das Schwerste schon geschafft — Ihre „Familienhaftigkeit“.
Alles andere ist nur noch Arbeit und Zeit.
Zwei Wochen später luden sie die Taschen ein.
Der Februar hielt sich noch immer: grauer Schnee, eisige Pfützen, die Hände frieren selbst in Handschuhen.
Oleg lief zwischen den Kisten hin und her, als wollte er etwas sagen, aber die Worte fanden sich nicht.
Bevor er den Kofferraum schloss, trat er zu Nastja:
— Ich… ehrlich gesagt… ich hätte nicht gedacht, dass es so endet.
— Ich schon, — antwortete Nastja.
— Ich wollte es mir nur lange nicht eingestehen.
Galina Nikolajewna warf zum Abschied noch hin:
— Na dann leb.
In der Stille.
Nastja nickte.
— In der Stille hört man sich selbst besser.
Und ich habe mich selbst schon lange nicht mehr gehört.
Das Auto fuhr aus dem Hof, die Räder rauschten über den nassen Schnee.
Nastja stand auf der Veranda und empfand keinen Triumph.
Nur Müdigkeit — und eine seltsame, fast beschämende Erleichterung.
Sie ging ins Haus.
Blieb an der Kommode stehen.
Fuhr mit der Handfläche über das Holz — als prüfe sie, ob sie noch da war.
— Na, Papa, — sagte sie leise in die Leere.
— Ich habe es nicht zugelassen.
In der Küche klickte der Lichtschalter.
Das Licht fiel gleichmäßig.
Im Haus gab es keinen fremden Geruch mehr, keine fremden Anordnungen und kein fremdes „wir“ mehr.
Nastja zog die neuen Schlüssel aus der Tasche und legte sie auf den Tisch — wie einen Punkt, der endlich richtig gesetzt worden war.







