Getrenntes Budget gibt es ab jetzt — verstanden? — Bist du verrückt geworden? — der Mann lachte nervös. — Ich habe keinen einzigen Cent! — Dann hast du eben Entlastungstage.

Tatjana öffnete die Tür und verstand sofort: Pawel war zu Hause.

Nicht, weil im Flur seine Turnschuhe in Größe 45 standen, über die sie ständig stolperte.

Sondern wegen des Geräuschs.

Klick.

Klick-klick.

Pause.

Ein wütender Schlag auf die Tastatur.

Dieses Geräusch war in den letzten sechs Monaten zur ständigen Hintergrundkulisse ihres Lebens geworden.

So klang „die Suche nach sich selbst“.

Sie ging in die Küche, ohne die Schuhe auszuziehen.

Die Einkaufstüte schnitt ihr in die Finger, aber sie wollte sie nicht auf den Boden stellen — dort war es klebrig.

Auf der Arbeitsplatte türmte sich ein Berg Geschirr: Teller mit eingetrockneten Ketchup-Schlieren, Tassen mit Teerand, Krümel, verstreut wie Sand am Strand.

— Tanja, bist du’s? — die Stimme ihres Mannes kam aus dem Schlafzimmer, ohne dass er den Blick vom Monitor nahm.

— Warum so spät? Ich bin hier übrigens schon mit dem Magen an die Wirbelsäule gewachsen.

Tatjana räumte wortlos eine Packung Quark, Kefir und zwei Äpfel auf den Tisch.

— Und wo ist das normale Essen? — Pawel erschien im Türrahmen.

Er trug seine Lieblings-Jogginghose, ausgeleiert, mit einem leichten Bartschatten, den er „brutal“ nannte und Tanja im Stillen „armen Waisenbart“.

Er schaute in die Tüte und dann auf die leere Pfanne auf dem Herd.

— Ich verstehe nicht. Wo ist das Abendessen? Du hast doch Fleisch nach französischer Art versprochen. Oder wenigstens Frikadellen. Ich bin ein Mann, Tanja, ich brauche Eiweiß. Auf nüchternen Magen kann ich nicht denken.

— Und wie viel hast du heute gedacht? — Tanja zog endlich den Mantel aus.

Ihre Schultern schmerzten.

Sie arbeitete als Administratorin in einer Zahnarztpraxis, und heute war ein Tag voller skandalöser Patienten gewesen.

— Wie viele Bewerbungen hast du verschickt? Fünf? Zehn?

Pawel verdrehte leidend die Augen.

— Jetzt fängst du wieder an. Ich habe den Markt beobachtet. Gerade ist tote Saison. Es gibt schlicht keine Stellen für Führungskräfte auf meinem Niveau. Und in einem Kiosk Handys verkaufen werde ich nicht. Ich habe mich nicht auf dem Müll gefunden.

— Du isst aber so, als würdest du Holz im Wald schlagen, — sagte Tanja leise.

— Pascha, wir haben kein Geld. Mein Gehalt reicht kaum für die Hypothek und die Nebenkosten. Schluss.

— Du hattest eine Reserve, ich weiß es, — er kniff die Augen zusammen.

— Stell dich nicht so an. Ist dir als Ehefrau der Mann zu schade? Familie heißt, dass man das Letzte halbiert.

Tatjana sah ihn an.

Aufmerksam, wie einen Fremden.

Sie erinnerte sich, wie sie ihn vor einem halben Jahr bedauert hatte, als man ihn als stellvertretenden Lagerleiter „gebeten“ hatte zu gehen.

Sie hatte ihm über den Kopf gestrichen und gesagt: „Ruh dich aus, wir schaffen das.“

Und er ruhte sich aus.

Und es schien ihm zu gefallen.

Sie nahm vom Tisch einen schwarzen Permanentmarker.

Ging zum Kühlschrank, öffnete die Tür und zog entschlossen eine dicke schwarze Linie quer über das Glasregal in der Mitte.

— Was machst du da? — stammelte Pawel.

— Ich teile das Letzte in zwei Hälften, so wie du es wolltest. Oben ist deins. Unten ist meins. Ich bezahle die Rechnungen und das Dach über dem Kopf. Mein Essen kaufe ich selbst. Und du — selbst. Getrenntes Budget gibt es ab jetzt — verstanden?

— Bist du verrückt geworden? — er lachte nervös.

— Ich habe keinen einzigen Cent!

— Dann hast du eben Entlastungstage.

Gut für die analytische Gehirnarbeit.

Sie stellte ihren Quark ins untere Fach und ging ins Bad.

Hinter ihr flog ihr das beleidigte hinterher:

— Was bist du nur für eine Zicke geworden, Tanja. Ich rufe meine Mutter an und erzähle ihr, wie du deinen Mann quälst!

Die „schwere Artillerie“ traf zwei Tage später ein.

Tatjana kam von der Arbeit nach Hause und roch es schon im Treppenhaus.

Es roch nach gebratenen Zwiebeln, Knoblauch und etwas Schwerem, Fleischigem.

Dieser Geruch sickerte durch das Schlüsselloch.

In der Küche war es heiß und stickig.

Tamara Pawlowna, die Schwiegermutter, stand am Herd in Tanjas Schürze, die an ihrer monumentalen Brust spannte.

Pawel saß am Tisch, verschlang eine riesige, dampfende Frikadelle, und sein Gesicht glänzte vor Fett und Genuss.

— Da bist du ja, — zischte die Schwiegermutter statt einer Begrüßung, ohne sich umzudrehen.

Sie wendete geschickt die zischenden Fleischstücke.

— Scham hast du gar keine mehr, Mädchen. Deinen Mann hast du durchsichtig gemacht. Er hält sich ja kaum noch auf den Beinen!

— Guten Abend, Tamara Pawlowna, — Tanja ließ sich müde auf den Hocker sinken.

— Was passiert hier?

— Eine Rettungsaktion passiert! — die Schwiegermutter knallte die Kelle gegen den Topf.

— Wenn die Ehefrau eine Giftschlange ist, dann füttert eben die Mutter. Ich habe Borschtsch gekocht, echten, auf Markknochen. Kohlrouladen gedreht. Hausgemachten Speck gekauft.

Sie riss demonstrativ den Kühlschrank auf.

Das obere Fach, „Pawels Territorium“, bog sich unter Gläsern, Dosen und Töpfen.

Da war alles: von Aspik bis Sauerkraut.

Das untere Fach sah armselig aus — eine Packung Magerquark und zwei Gurken.

— Iss, Pawluschka, iss, — gurrte Tamara Pawlowna und legte dem Sohn nach.

— Die Mutter lässt dich nicht im Stich. Du, Tanja, schau zu und lern. Ein Mann ist von Natur aus ein Ernährer. Aber wenn der Löwe verwundet ist, muss die Löwin ihm die besten Stücke bringen und ihm nicht die Faust zeigen. Und du stößt ihn mit der Nase rein wie ein Kätzchen. Egoistin.

Pawel kaute und sah seine Frau mit triumphierender Überheblichkeit an.

In seinem Blick stand: „Hast du’s gesehen? Ich bin wertvoll. Man liebt mich. Und du bist nur die Bedienung, die aufgemuckt hat.“

— Du lässt den Mann verhungern! — fuhr die Schwiegermutter fort und schnitt den Speck in dicke Scheiben.

— Von den Nerven hat er bestimmt schon Magenprobleme. Nichts, mein Sohn. Ich werde jetzt oft kommen. Ich lasse dich nicht untergehen.

Die nächste Woche lebte Tanja in der Hölle.

Die Wohnung war vom Geruch fremden Essens durchtränkt.

Pawel hörte auf, auch nur so zu tun, als würde er Arbeit suchen.

Wozu? Der Kühlschrank ist voll, das Internet bezahlt, ein Dach gibt es.

Er spielte den ganzen Tag „Tanks“, unterbrochen nur vom Aufwärmen der Kohlrouladen seiner Mutter.

Schmutziges Geschirr ließ er demonstrativ in der Spüle — „nicht meine Herrenarbeit“.

Tanja wartete schweigend.

In ihr spannte sich eine dünne, klingende Saite.

Die Auflösung kam am Freitag.

Tanja ging in den Discounter nebenan, um Wasser zu kaufen.

An der Kasse vor ihr stand eine Frau in einem teuren Mantel.

Ein bekanntes Profil.

Es war Inna Sergejewna, die Chef-Buchhalterin genau der Firma, aus der man Pawel „abgebaut“ hatte.

Tanja wollte sich hinter dem Regal mit Schokolade verstecken, aber Inna Sergejewna drehte sich um.

— Tanja? Oh, hallo! — die Frau wirkte überrascht, aber zum Glück nicht schadenfroh.

— Lange nicht gesehen. Wie geht’s euch?

— Hallo. So… so geht’s. Pascha sucht Arbeit… Er sagt, Krise, sie nehmen ihn nirgends.

Inna Sergejewna machte ein seltsames Geräusch, so etwas wie ein Schnauben.

Sie sah Tanja über die Brille hinweg an und senkte die Stimme, obwohl keine Bekannten in der Nähe waren.

— Sucht? Na, ich wünsche ihm natürlich Glück. Mit so einer Charakteristik ist das schwer. Hör zu, Tanja, ich mochte dich immer… Glaubst du wirklich an diese Krise?

— Er sagte, er sei wegen Personalabbau entlassen worden.

Die Hauptbuchhalterin schüttelte den Kopf.

— Man hat ihn an einem Tag rausgeworfen, Tanja. Und er soll froh sein, dass der Direktor keine Anzeige gemacht hat. Er hat Benzin abgezapft. Von den Firmen-Tankkarten. Und nicht ein bisschen, sondern im großen Stil. Er hat sich ein System ausgedacht: mit Fahrern abgesprochen, Bargeld gemacht… Kleinlich, schmutzig. Der Schaden war wie der Preis eines gebrauchten Mittelklassewagens. Der Direktor hat ihn einfach verschont, sagte: „Soll von selbst gehen, ich will ihn nicht mehr sehen.“ Aber in der Datenbank vom Sicherheitsdienst steht ein fetter Haken. Den nehmen sie jetzt nicht mal als Lagerarbeiter irgendwo Anständiges.

Tanja rauschte es in den Ohren.

Nicht vor Horror, sondern vor plötzlichem, vollständigem Verständnis der Lage.

Ein halbes Jahr.

Ein halbes Jahr hatte sie an Strumpfhosen gespart.

Sich Vorträge über seinen „hohen Status“ angehört.

Die Besuche der Schwiegermutter mit ihren Töpfen und ihren Predigten vom „verwundeten Löwen“ ertragen.

Und der „Löwe“ war eine gewöhnliche Ratte, die die eigenen Leute bestahl.

Nach Hause ging sie, ohne ihre Beine zu spüren.

In der Wohnung roch es wie immer nach Kohlsuppe und stickiger Wärme.

Pawel saß in der Küche und stocherte mit der Gabel im Teller.

Auf dem Tisch: Krümel, Fettflecken.

— Oh, da bist du, — er drehte nicht einmal den Kopf.

— Hör mal, Tanja, das Internet spinnt. Hast du bezahlt? Ich habe in einer halben Stunde einen Raid.

Tanja ging schweigend in den Flur.

Sie holte vom Schrank eine große Reisetasche.

Staubig, kariert.

Sie warf sie im Schlafzimmer auf den Boden.

— Was machst du da für einen Krach? — Pawel erschien in der Tür, den Mund voll.

— Pack deine Sachen.

— Wie bitte? — er hörte auf zu kauen.

— Fahren wir irgendwohin?

— Du fährst. Zu deiner Mutter. Für immer.

— Hast du Tollkirschen gefressen? — er versuchte zu lächeln, aber das Lächeln wurde schief.

— Wegen eines ungewaschenen Tellers? Na gut, ich spüle, ich spüle… später.

— Ich habe Inna Sergejewna getroffen, Pascha.

Das Lächeln rutschte ihm vom Gesicht wie ein nasser Aufkleber.

Er wurde sofort grau.

Seine Augen huschten — rechts-links, rechts-links.

So huschen Kakerlaken, wenn man das Licht anmacht.

— Sie… sie lügt! — kreischte er.

— Diese alte Schachtel hat mich immer gehasst! Das ist eine Intrige! Ich habe mich nur irgendwie durchgeschlagen! Wir brauchten doch Geld! Du hast doch ständig gejammert, du willst Stiefel!

— Ich trage diese Stiefel seit der dritten Saison, — sagte Tanja leise.

Die Stimme war gleichmäßig, tot.

— Du hast gestohlen, Pascha. Und dann hast du ein halbes Jahr auf meinem Nacken gesessen und gelogen. Du hast keine Arbeit gesucht. Du hast dich versteckt. Du wusstest, dass dich niemand nimmt, und du hast einfach gewartet, bis ich von Überstunden zusammenbreche.

— Das sind doch Kleinigkeiten! — brüllte er, rot werdend.

— Benzin, na und! Alle stehlen! Ich habe mich für die Familie abgerackert! Und du… Du bist eine Verräterin! In der schweren Stunde…

— Du hast fünf Minuten, — Tanja sah auf die Uhr.

— Oder ich rufe die Polizei. Ich sage, ein Fremder ist in der Wohnung. Gemeldet bist du, falls du dich erinnerst, bei deiner Mutter.

Sie hatte ihn noch nie so schnell packen sehen.

Er stopfte Socken, Controller, Pullover durcheinander mit Ladekabeln in die Tasche.

Er murmelte, drohte, spielte auf Mitleid („ich gehe unter“, „ich bin depressiv“), aber Tanja stand in der Tür, die Arme vor der Brust verschränkt, wie ein Wächter.

Als er keuchend die Tasche ins Treppenhaus schleppte, sah sie, dass er eine Drei-Liter-Glas mit Mutters Gurken an die Brust drückte.

Seine Beute.

— Du wirst noch angekrochen kommen, — spuckte er, als er beim Aufzug stand.

— Wer braucht dich schon, eine Geschiedene mit Hypothek? Du wirst vor Einsamkeit heulen!

— Die Schlüssel, — sagte Tanja einfach.

Er warf den Schlüsselbund auf den Boden.

Die Tür fiel ins Schloss.

Das Schloss klackte.

Dann noch eins.

Dann schnappte der Riegel zu.

Tanja rutschte an der Tür hinunter auf den Boden.

In der Wohnung war es still.

Kein Mausklicken, kein Fernsehmurmeln.

Nur das Summen des Kühlschranks.

Sie ging in die Küche.

Öffnete die Tür.

Sie fegte vom „Pawel-Regal“ den Topf mit Kohlsuppe, die Behälter mit fettigen Kohlrouladen, den angelaufenen Speck.

Alles flog in einen Müllsack.

Einen schweren, schwarzen Sack.

Sie brachte ihn zum Müllschacht, kam zurück und wusch das Regal, bis es quietschte.

Dann goss sie sich ein Glas Wasser ein, setzte sich an den sauberen, leeren Tisch und nahm einen Schluck.

Das Wasser schmeckte gut.