«Dreißig Tage Flitterwochen auf meine Kosten? Kauf dir ein Hotel, wenn du so großzügig bist – aber wag ja nicht, mich aus meiner Wohnung rauszuwerfen!»

„Erst fütterst du deine Verwandtschaft wie in einem Restaurant – und jetzt soll ich auch noch aus meiner eigenen Bude ausziehen, damit sie in der Hauptstadt ihre Flitterwochen verbringen!“

— Was heißt „wir ziehen aus“?

Aus unserer eigenen Wohnung?

— Und was ist daran schlimm?

Die Frischvermählten sollen ihre Zeit gut genießen, ruhig und so, wie sie es wollen – zu zweit.

Du musst zustimmen!

— Wem?

Deinen Verwandten?

Ich schulde niemandem irgendwas!

— Taja verschränkte die Arme vor der Brust.

Die Situation amüsierte sie eher, und sie war gespannt, wie weit ihr Lebensgefährte gehen würde.

— Uns, Taja.

Du schuldest es uns, unserer Familie.

Was haben meine Verwandten damit zu tun?

Warum ziehst du sie da mit rein?

— Ich ziehe sie mit rein?

Hörst du eigentlich, was du sagst?

Deine Sippschaft ist ständig bei uns!

Letztes Mal haben sie alle Lebensmittel aufgegessen!

Und ich hatte die übrigens für eine Woche gekauft!

Ich hab die kaum nach Hause geschleppt.

Und was hast du gemacht?

— Gar nichts hab ich gemacht.

— Genau das ist ja das Problem: gar nichts!

Taja und Tolja lernten sich vor drei Jahren kennen.

Sie mieteten Zimmer in derselben Wohnung.

Tolja wirkte auf das Mädchen sehr klug und berechnend.

Er sparte an allem und sprach von großen Plänen.

Bald zog Taja zu ihm ins Zimmer.

Und gemeinsam fingen sie an, für eine eigene Wohnung zu sparen.

Nach drei Jahren hatten sie die nötige Summe zusammen.

Sie suchten lange, die Kriterien waren zahlreich.

Sie fanden eine, teilten alles zur Hälfte auf und machten noch ein Jahr Renovierung.

Erst danach zogen sie ein.

Und dann begann ein ganz anderes Leben.

— Taja, ich habe die Verwandtschaft eingeladen, ich will ihnen unsere Wohnung zeigen.

Sie haben nie geglaubt, dass ich mal eine eigene haben würde – und dann auch noch in Moskau.

— Du willst also angeben? — lächelte Taja.

Sie hatte niemanden, dem sie etwas zeigen konnte.

— Na klar.

Ich habe nichts dagegen.

— Dann rufe ich an und lade alle ein! — grinste Tolja breit, küsste seine Lebensgefährtin und ging telefonieren.

Taja bereitete sich auf die Gäste vor, deckte in der Stube einen großen Tisch und wartete selbst voller Ungeduld auf die Verwandten.

Für sie war dieses Kennenlernen sehr aufregend.

Zu Tajас großer Überraschung kamen sehr viele Leute: Eltern, Tanten und Onkel, Nichten und Neffen, Schwestern und Brüder.

— Warum hast du nicht gesagt, wie viele Verwandte du hast? — wunderte sich die junge Frau.

— Du hast gesagt: nur Eltern und Geschwister.

Und jetzt sind das bestimmt fünfzehn Menschen.

— Das hat Mama organisiert, — lächelte Tolja glücklich.

— Es freut sie, dass ihr Sohn etwas erreicht hat und in Moskau Fuß fassen konnte.

Taja stritt nicht.

Den ganzen Abend war sie nur damit beschäftigt, seine Verwandtschaft zu bedienen.

Dem einen Salat auf den Teller, der anderen Saft nachgießen…

Und sie staunte, als Tolja ihr zuflüsterte, dass die Verwandten bleiben würden.

— Wir haben doch gar keinen Platz für sie, — flüsterte sie.

— Wir legen Matratzen auf den Boden.

Ich kann sie doch nicht nachts einfach rauswerfen!

Das verstehst du nicht, — Tolja verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust.

— Na gut, — seufzte die junge Frau schwer.

Und sie machte sich daran, Schlafplätze für die ganze Schar herzurichten.

Umso größer war ihr Erstaunen: Während sie für die Verwandten auf dem Boden Bettzeug auslegte, das schmutzige Geschirr wegräumte und Ordnung machte, hatten es sich in ihrem Schlafzimmer bereits Toljas Eltern bequem gemacht.

— Und wo sollen wir schlafen? — Taja war nervös und hielt Tolja beim Bad an.

— Leiser.

Mit allen zusammen im Zimmer.

Was ist schon dabei?

Ist es dir etwa zu schade?

Sie sind alte Leute, sie brauchen bequemen Schlaf.

Taja schluckte die Kränkung herunter und legte sich auf den Boden.

Sie schlief schlecht: fremdes Schnarchen störte sie, geflüsterte Gespräche, und überhaupt – zu vieles auf einmal.

In jener Nacht beschloss sie für sich, dass dies der erste und letzte Besuch seiner Verwandten gewesen war.

Auch der Morgen war angespannt.

Alle wollten Frühstück.

Aber Taja hatte Glück: Man rief sie an und bestellte sie zur Arbeit.

Sie kam erst am Abend nach Hause zurück.

Die Verwandten waren weg, geblieben waren nur ein Berg Geschirr und Unordnung.

— Tolja, mir hat das nicht gefallen, — gab die Lebensgefährtin ehrlich zu.

— Erstens haben sie mich behandelt, als wäre ich eine Haushälterin.

Zweitens sind so viele Gäste an einem Abend einfach anstrengend.

Und drittens: Weil wir nicht mit so vielen gerechnet haben, haben wir sehr viel Geld ausgegeben.

Wie oft haben wir gestern Essen liefern lassen?

Und heute?

— Taja, Liebes, was ist schon dabei?

Dafür ist die Verwandtschaft beeindruckt von meinem Wohlstand abgereist.

— Deinem? — fragte die Frau sicherheitshalber nach.

— Meinem.

Wessen denn sonst?

Für die sind solche Gehälter wie der Weltraum!

Bei uns in der Stadt liegt der Durchschnitt bei zwanzigtausend.

Und wir haben in zwei Tagen allein für Lieferung so viel ausgegeben.

— Nichts dagegen, dass deine Lieferungen von meiner Karte bezahlt wurden?

— Was macht das für einen Unterschied!

— Einen, denn bis Monatsende habe ich keinen Cent mehr.

Ich überweise diese Summe vom Sparkonto zurück.

Oder du überweist sie mir.

— Nein, nein.

Auf meiner Karte sind noch fünf.

Davon leben wir.

— Wie denn?

Das reicht doch gerade für Fahrkarten.

— Erinnern wir uns an die Jugend, das ist noch nicht so lange her, — lächelte der Mann.

Er dachte nicht einmal daran, dass Taja diese schwere Zeit nicht wieder erleben wollte.

Ja, Tolja konnte rechnen, aber sparen musste man praktisch an allem: am Essen, am Fahrgeld.

Und wenn es gelang, schwarz in der Metro zu fahren, wurde das sogar noch gutgeheißen.

Wie man sagt: Der Groschen spart den Rubel.

Taja stritt nicht, sie tat, was ihr Lebensgefährte sagte.

— Er hat recht, — dachte sie bei sich.

— Na gut, wir essen eben Instantnudeln, dafür sparen wir schneller fürs Auto.

Ein Monat verging.

Nach und nach kehrte alles in die gewohnte Bahn zurück: Sie legten Geld zurück, ließen etwas für Lebensmittel, rechneten alles durch.

Taja freute sich, dass sie wieder für zwei Wochen einkaufen konnte und etwas Leckeres kochen würde.

Sie nahm sich frei, fuhr in den Hypermarkt, gönnte sich sogar etwas, und zurück nahm sie ein Taxi, damit sie die schweren Tüten nicht schleppen musste.

Kaum hatte sie die Einkäufe in Kühlschrank und Schränke eingeräumt, klingelte es an der Tür.

— Ist das etwa Tolja?

Ich habe die Überraschung noch nicht geschafft, — dachte sie und öffnete.

Und wie überrascht sie war, als sie auf der Schwelle Toljas Eltern sah.

— Guten Tag.

Warum habt ihr nicht Bescheid gesagt?

— Hallo, hallo, warum sollten wir dich denn warnen?

Wer bist du überhaupt für uns?

Wo ist Tolja? — sagte Anatolijs Mutter frech.

Taja versuchte erst, sich zu erinnern, wie sie heißt, aber nach dieser Unverschämtheit ließ sie es.

— Ich lebe mit Ihrem Sohn zusammen, — erinnerte Taja sie.

— Dann leb eben.

Wer hindert dich?

Wo ist unser Sohn?

— Auf der Arbeit.

Sie können ihn draußen warten.

— Hörst du, was sie uns vorschlägt?

Ruf Tolja an, — kommandierte die Mutter.

Unklar, wie der Streit geendet hätte, wenn Tolja nicht sehr schnell gekommen wäre.

— Was hast du hier veranstaltet?

Wegen deines Verhaltens musste ich ein Taxi nehmen!

Tausend habe ich bezahlt, übrigens!

— Ich habe was veranstaltet?

Vielleicht erklärst du deinen Eltern mal, dass ich keine Dienstmagd bin, sondern deine zukünftige Frau?

Und überhaupt: Wann gehen wir endlich zum Standesamt?

Eine Wohnung haben wir, wir können eine Familie gründen, — ließ die Frau nicht locker.

Tolja wurde etwas sanfter und legte den Arm um Taja.

— Genau das sage ich ihnen jetzt.

Komm.

Taja und Tolja gingen in die Küche, wo seine Eltern saßen.

— Mama, Papa, das ist Taja, meine zukünftige Frau.

Und ich bitte euch, sie in Zukunft respektvoll zu behandeln.

Sie wird euch auch nicht mehr frech kommen.

Der Konflikt war beendet, jetzt saßen sie zu viert am Küchentisch.

— Wir sind zu Besuch gekommen, wir haben dich vermisst.

Und wir wollen Moskau anschauen.

Hast du was dagegen, wenn wir bei euch bleiben?

Taja nickte.

Sie konnte den Eltern ihres Lebensgefährten doch schlecht absagen.

Sie blieben einen Monat, in dem Taja und Tolja den Großteil ihrer Ersparnisse ausgaben.

— Du hast gesagt, dieses Geld rühren wir nicht an, — beharrte die Frau, als Tolja sie bat, vom Sparkonto zu überweisen.

— Ich kann meinen Eltern doch nicht nein sagen!

Überleg doch mal, wie das aussehen würde.

Die fahren zurück ins Dorf – und was erzählen sie dann?

Der Sohn ist geizig, verdient gut, gibt den Eltern aber keinen Cent?

Nein, nein.

Sie sollen heimfahren und erzählen, wie großzügig und erfolgreich wir sind!

— Das ist das Einzige, was dich interessiert?

— Im Moment ja.

— Wenigstens ehrlich, — antwortete Taja und überwies den Betrag.

Als die Eltern abreisten, atmete Taja auf, beruhigte sich ein wenig und versuchte wieder in den gewohnten Rhythmus zu kommen, auch wenn sie nun sparen mussten.

— Wir müssen denselben Betrag wieder aufs Konto zurücklegen, — sagte der Mann.

— Wie bitte?

Woher sollen wir jetzt so viel nehmen?

Ich werde nicht mein ganzes Gehalt dafür hergeben, ich muss doch auch leben.

— Wir schaffen das, nicht zum ersten Mal.

Wichtiger ist, die Einlage wieder aufzufüllen, — ließ Tolja nicht locker.

— Das waren deine Eltern, also füll du es wieder auf, — platzte es aus Taja heraus.

Sie sprachen ein paar Tage nicht miteinander.

Bis wieder Verwandte zu Besuch kamen.

An diesem Tag kaufte Taja Lebensmittel ein und fuhr dann weg, um Dinge zu erledigen.

Als sie zurückkam, saßen die Verwandten ihres Mannes daheim und aßen den Wocheneinkauf auf.

Tolja schaffte es wieder, Taja zu beruhigen.

Er versprach, es sei das letzte Mal.

Und ein halbes Jahr kam niemand, worüber die Frau sehr froh war.

Aber sie freute sich zu früh.

Sie kam von der Arbeit, der Mann hatte selbst Abendessen gekocht, war früher gekommen, hatte aufgeräumt und sogar den Kühlschrank voll eingekauft.

— Was wird gefeiert? — Taja wartete schon auf einen Antrag.

Sie wollte eine Ehefrau sein, nicht nur eine Lebensgefährtin.

— Taja, ich wollte schon lange mit dir reden.

Also: Mein Bruder heiratet, heute ist seine Hochzeit.

— Warum sind wir dann nicht auf der Hochzeit?

— Nicht wichtig, ich habe abgesagt.

Darum geht’s nicht.

Alle erwarten von uns ein Geschenk, verstehst du?

— Angenommen.

Wie viel?

— Dreißig.

— Dreißigtausend?

Bist du noch ganz bei Trost?

Seit wann schenkt man so etwas zur Hochzeit?

— Nein, du hast mich falsch verstanden.

Dreißig Tage.

— Dreißig Tage was?

— Also: Mein Bruder hat auf Geld verzichtet.

Er versteht, dass wir es nötiger haben.

Aber er bittet darum, dass er und seine Frau dreißig Tage in Moskau wohnen.

Sozusagen Flitterwochen.

— Und was hat das mit uns zu tun?

— Ich habe schon alles mit ihnen abgesprochen, Lebensmittel gekauft – das reicht ihnen einen Monat – und uns habe ich ein Zimmer gemietet.

Wir ziehen heute aus.

— Was heißt „wir ziehen aus“?

Aus unserer eigenen Wohnung?

— Und was ist daran schlimm?

Die Frischvermählten sollen ihre Zeit gut genießen, ruhig und so, wie sie es wollen – zu zweit.

Du musst zustimmen!

— Wem?

Deinen Verwandten?

Ich schulde niemandem irgendwas! — Taja verschränkte die Arme vor der Brust.

Die Situation amüsierte sie eher, und sie war gespannt, wie weit ihr Lebensgefährte gehen würde.

— Uns, Taja.

Du schuldest es uns, unserer Familie.

Was haben meine Verwandten damit zu tun?

Warum ziehst du sie da mit rein?

— Ich ziehe sie mit rein?

Hörst du eigentlich, was du sagst?

Deine Sippschaft ist ständig bei uns!

Letztes Mal haben sie alle Lebensmittel aufgegessen!

Und ich hatte die übrigens für eine Woche gekauft!

Ich hab die kaum nach Hause geschleppt.

Und was hast du gemacht?

— Gar nichts hab ich gemacht.

— Genau das ist ja das Problem: gar nichts!

Und jetzt gibst du ihnen ganz ruhig unsere Wohnung, zwingst mich, für einen Monat in irgendein Zimmer zu ziehen.

Dafür habe ich nicht geschuftet und jeden Cent zurückgelegt.

— Was schlägst du mir vor?

Absagen?

Und was sagen dann die Verwandten über mich?

— Ach, hör auf.

Mir ist völlig egal, was sie über dich sagen.

Ich gehe nirgendwohin!

— Sie müssten jeden Moment kommen, — sagte Tolja kläglich.

— Es ist meine Hälfte der Wohnung, und ich bleibe.

Du kannst über deine Hälfte verfügen.

Und wenn ich Nachbarn in Gestalt deiner Verwandten habe, überlebe ich das.

— Und was ist mit mir?

— Ist mir egal.

Taja blieb zu Hause, egal wie sehr Tolja sie zu überreden versuchte.

Sie empfing die Verwandten ihres Lebensgefährten, die nicht zu zweit gekommen waren.

Es waren viel mehr.

Sie erklärte, dass Tolja nicht die ganze Wohnung gehört.

Sie schrieb die Bedingungen fürs Wohnen auf und verschwand in ihrem Zimmer.

Natürlich gefiel ihnen diese Behandlung nicht.

Nach ein paar Tagen zogen sie aus und machten Tolja Vorwürfe.

Taja zog ihre Schlüsse, trennte sich von Tolja und setzte ihren Anteil der Wohnung zum Verkauf.

Und Tolja…

Er zog wieder in ein gemietetes Zimmer, um erneut auf eine Wohnung zu sparen – und seine Verwandten zu erfreuen.