Der Bus war überfüllt.
Die meisten Fahrgäste waren älter; einige hielten Einkaufstaschen in der Hand, andere sprachen über Preise und das Wetter.

Ein etwa achtzehnjähriger junger Mann saß auf einem der Sitze am Gang.
Er hatte Tätowierungen am Arm und am Hals sowie einen leichten Bart im Gesicht.
Er trug ein dunkles T-Shirt und sah sehr müde aus.
Er sprach mit niemandem, sondern starrte nur geradeaus.
An der nächsten Haltestelle stieg eine Mutter mit zwei kleinen Kindern ein.
Ein Kind hielt ihre Hand, das andere klammerte sich an sie.
Es gab keine freien Sitzplätze mehr.
Die Frau sah sich um und richtete sofort ihren Blick auf den jungen Mann.
Sie ging auf ihn zu und sagte laut, ohne ihre Verärgerung zu verbergen:
— Junger Mann, geben Sie mir Ihren Sitzplatz.
Ich habe zwei Kinder.
Im Bus wurde es allmählich still.
Mehrere Personen drehten sich zu ihnen um.
Der junge Mann hob den Blick und sah sie ruhig an, stand jedoch nicht auf.
— Sehen Sie das nicht?
Ich habe zwei kleine Kinder — sagte sie lauter.
Oder ist es Ihnen egal?
Immer mehr Menschen wandten sich ihnen zu.
— Die Jugend von heute hat überhaupt keinen Respekt mehr — fügte sie hinzu, nun laut genug, damit der ganze Bus es hören konnte.
Sie sitzen bequem da, während eine Frau mit Kindern stehen muss.
Der junge Mann antwortete ruhig:
— Ich war zu niemandem unhöflich.
— Dann stehen Sie auf — unterbrach sie ihn.
Das gehört sich so.
Ein richtiger Mann bleibt nicht sitzen, wenn eine Mutter mit Kindern neben ihm steht.
Ein Fahrgast nickte zustimmend.
Die Frau fuhr fort:
— Ist es so schwer aufzustehen?
Sie sind jung und gesund.
Oder hindern Sie Ihre Tätowierungen daran?
Die Spannung erfüllte die Luft im Bus.
— Sind Sie sicher, dass Sie diesen Sitzplatz nur deshalb verdienen, weil Sie Kinder haben? — fragte er ruhig.
— Natürlich — antwortete sie.
Ich bin Mutter.
Und sind Sie überhaupt würdig?
Der junge Mann stand langsam auf und stützte sich an der Stange ab.
— Sehen Sie?
Sie können es, wenn Sie wollen — sagte die Mutter triumphierend.
Sie hätten es von Anfang an tun sollen.
Doch in diesem Moment tat der junge Mann etwas, das alle sprachlos machte.
Er rollte langsam sein Hosenbein hoch.
Darunter war eine Prothese zu sehen.
Das Metall glänzte im Licht.
Jemand seufzte leise.
Ein Mann senkte den Blick, und eine ältere Frau schlug die Hand vor den Mund.
Die Mutter wurde plötzlich blass.
Ihr Selbstbewusstsein verschwand in einem Augenblick.
Sie versuchte etwas zu sagen, doch die Worte kamen nicht heraus.
Die Kinder klammerten sich noch fester an sie.
Der junge Mann ließ ruhig das Hosenbein wieder herunter und setzte sich erneut.
Er sagte nichts weiter, sah sich nicht um und versuchte nicht, jemanden zu demütigen.
In seinem Gesicht lag kein Zorn, nur Müdigkeit.
Eine unangenehme Stille legte sich über den Bus.
Ein Fahrgast sagte leise, dass man niemanden nach seinen Tätowierungen oder seinem Alter beurteilen könne.
Mehrere nickten zustimmend.
Die Mutter bat nicht mehr um den Sitzplatz.
Sie blieb schweigend stehen und blickte aus dem Fenster.







