— Was soll das überhaupt für eine Arbeit sein, wenn deine Frau den ganzen Tag nur am Computer sitzt?

Sie sollte lieber in einen Laden gehen und etwas verkaufen oder wenigstens Böden wischen — das wäre wenigstens irgendeine Arbeit!

Und sie sitzt nur den ganzen Tag am Computer!

Lass dich von ihr scheiden, mein Sohn!

Du wirst kein Glück haben mit einer Frau, die nicht weiß, was echte Arbeit ist! — erklärte Galina Petrowna, ohne auch nur den Kopf vom Küchentisch zu drehen, an dem sie mit Verbissenheit das ohnehin schon saubere Wachstuch abwischte.

Alexej erstarrte im Türrahmen mit zwei schweren Einkaufstüten aus dem Supermarkt, deren Griffe schmerzhaft in seine Handflächen schnitten.

Er hatte gerade erst die Schwelle überschritten und nicht einmal Zeit gehabt, die Schuhe auszuziehen, da hatte die Vorlesung schon begonnen.

Es war ein Ritual.

Jeden Samstag kam er quer durch die ganze Stadt gefahren, stand im Stau, schleppte Lebensmittel heran, nur um immer dieselbe Platte zu hören.

In der Wohnung roch es nach altem Staub, gebratenen Zwiebeln und Walokordin — ein Geruch, der sich, wie es schien, schon in den Achtzigern in die Tapeten gefressen hatte und sich trotz offener Fenster nicht verflüchtigen wollte.

— Hallo, Mama, — Alexej ignorierte den Angriff, ging in die Küche und stellte die Tüten mit dumpfem Geräusch auf den Boden.

— Ich habe dir Lebensmittel mitgebracht.

Ich habe roten Fisch genommen, so wie du ihn magst, Quark und Obst.

Galina Petrowna, eine kräftige Frau mit schwerem, erdfarbenem Gesicht und Händen, die von hervorgetretenen Adern durchzogen waren, geruhte endlich, ihren Sohn anzusehen.

In ihrem Blick lag keine Freude über das Wiedersehen, nur ein prüfender, abtastender Blick, der nach Fehlern suchte.

Sie wischte sich die Hände an der Schürze ab und trat zu den Tüten, wobei sie mit einem Gesichtsausdruck hineinsah, als erwarte sie, dort eine tote Ratte zu finden.

— Fisch hat er gebracht, — brummte sie, zog eine vakuumverpackte Forelle heraus und drehte sie vor den Augen hin und her, während sie sich auf den Preis konzentrierte, den Alexej vergessen hatte abzulösen.

— Weißt du nicht, wohin mit dem Geld?

Natürlich, wenn die Frau zu Hause sitzt und an die Decke spuckt, kann man auch Fisch kaufen.

Und die Mutter auf Rente zählt jeden Kopeken.

— Mama, das haben wir schon besprochen, — Alexej ließ sich müde auf den Hocker sinken und spürte, wie nach der Arbeitswoche sein Rücken zu schmerzen begann.

— Ira spuckt nicht an die Decke.

Sie arbeitet.

Sie hat Projekte, Deadlines, Auftraggeber.

Sie verdient Geld.

— Geld! — schnaubte Galina Petrowna und warf den Fisch mit solcher Kraft auf den Tisch, als wäre es ein Ziegelstein.

— Das ist kein Geld, Lescha.

Das sind Bonbonpapierchen.

Luft.

Wie sie gekommen sind, so verschwinden sie auch wieder.

Ein Mensch muss mit den Händen arbeiten, Nutzen bringen.

Und was produziert sie?

Bilder im Internet?

Pfui.

Sie begann aggressiv, die Lebensmittel auszupacken.

Die Milchpackung platschte neben den Fisch.

Ein Laib Brot flog in den Brotkasten.

Galina Petrowna bewegte sich scharf und ruckartig, und jede ihrer Bewegungen strahlte tief verwurzelte Gereiztheit aus.

Es war ihr unangenehm, diese Gaben anzunehmen, weil sie mit Geld gekauft worden waren, dessen Natur sie nicht verstehen wollte.

— Schau dich doch mal an, — fuhr sie fort, ohne den Sohn anzusehen, traf dabei aber zielsicher die wunden Punkte.

— Blass, Augenringe unter den Augen.

Das Hemd ist nicht einmal richtig gebügelt.

Man sieht sofort — ein verwahrloster Kerl bei lebender Ehefrau.

Eine normale Frau macht ihren Mann für die Arbeit fertig, stellt ihm ein heißes Frühstück hin, stärkt seine Hemden.

Und deine?

Die schläft bestimmt bis mittags, während du in der Fabrik buckelst?

— Ich arbeite nicht in der Fabrik, Mama, ich bin Ingenieur im Büro, — korrigierte Alexej und bemühte sich, ruhig zu bleiben, obwohl in ihm bereits dunkle Wut zu kochen begann.

— Und Ira steht um sieben Uhr morgens auf, zusammen mit mir.

Sie macht Frühstück, kocht Kaffee.

Meine Hemden bügle ich selbst, mir fallen davon nicht die Hände ab.

Wir sind Partner und nicht Herr und Dienerin.

— Partner! — äffte Galina Petrowna nach und verzog die Lippen zu einem verächtlichen Grinsen.

— Was für Wörter ihr euch da aufgeschnappt habt.

In einer Familie, Lescha, muss es eine Ordnung geben.

Der Mann ist der Ernährer, die Frau die Hausfrau.

Und bei euch herrscht Chaos.

Du beschaffst, und sie konsumiert.

Sie sitzt da und klappert auf den Tasten herum.

Soll das Müdigkeit sein?

Was soll daran müde machen?

Als ich in ihrem Alter war, hatte ich zwei Jobs, danach stand ich noch für Wurst an und dann wusch ich mit der Hand in der Badewanne.

Das war ein Leben, das war Härte.

Und deine hat vom Leben nichts gerochen.

Ein Treibhauspflänzchen.

Alexej sah seine Mutter an und sah vor sich eine Wand.

Eine Betonwand, eine undurchdringliche Wand aus Überzeugungen, aufgebaut in Jahrzehnten eines schweren Alltags.

Galina Petrowna glaubte aufrichtig, dass Leiden ein unverzichtbarer Bestandteil eines würdigen Lebens sei.

Wenn du nicht leidest, nicht vor Müdigkeit umfällst, dir nicht die Hände wund scheuerst — dann lebst du falsch, zu leicht, unverdient leicht.

Und gerade diese Leichtigkeit im Leben der Schwiegertochter war für sie eine persönliche Beleidigung.

— Mama, heute ist eine andere Zeit.

Man muss sich nicht mehr kaputtmachen, um würdig zu leben, — versuchte er es von einer anderen Seite.

— Technologie, Internet… das sind Möglichkeiten.

Ira ist eine gute Fachkraft, man schätzt sie.

— Man schätzt sie… — zog Galina Petrowna in die Länge, nahm eine Packung teuren Tee aus der Tüte und betrachtete das Etikett mit Ekel.

— Wer schätzt sie denn?

Unsichtbare Menschen?

Hast du diese Chefs von ihr überhaupt schon einmal gesehen?

Vielleicht arbeitet sie dort gar nicht, sondern schreibt in Chats mit Männern herum?

Woher willst du das wissen?

Sie ist doch zu Hause, niemand kontrolliert sie.

Sie sollte in einen Laden gehen und als Kassiererin arbeiten — da ist alles sichtbar, ein Kollektiv, Verantwortung.

Und hier…

nur Dunkelheit.

Sie drehte sich zu Alexej um und stemmte die Hände in die Hüften.

Ihr ausgewaschener Morgenmantel mit kleinen Blümchen spannte sich über ihrer massigen Figur.

— Du pass mal auf, mein Sohn.

Verteidige sie nicht.

Schau lieber genau hin.

Du kommst nach Hause, und sie sagt bestimmt, dass sie müde ist.

Dass ihr der Rücken vom Sitzen weh tut?

Lächerlich!

Wovon soll man da müde werden?

Davon, dass man die Maus bewegt?

Das ist eine Laune, Lescha.

Weibische Laune und Faulheit.

Für sie ist es einfach bequem, auf deinem Hals zu sitzen.

Und du, Dummkopf, strengst dich noch gern für sie an.

Schau, du hast Lebensmittel für eine halbe Rente gekauft.

Glaubst du, sie wird dir dafür danken?

Sie wird das als selbstverständlich ansehen.

Alexej presste die Kiefer so fest zusammen, dass seine Wangenmuskeln zuckten.

Er sah auf das Glas löslichen Kaffees auf dem Regal, auf die alte Zuckerdose mit abgesplittertem Rand, auf die Uhr in Form eines Tellers, die laut tickte und die Sekunden seiner Geduld herunterzählte.

Er wollte aufstehen und sofort gehen, aber er wusste, dass er das nicht konnte.

In der Tüte lagen noch Medikamente, die er sortieren und deren Einnahmeschema er erklären musste.

Und die Rechnungen für die Wohnung, die er gestern online bezahlt hatte.

— Lass uns Tee trinken, Mama, — sagte er dumpf und wechselte das Thema.

— Ich habe Kuchen gekauft.

Mit Kirschen.

— Mit Kirschen…

Bestimmt aus dem Laden? — reagierte Galina Petrowna sofort, doch ihr Ton wurde etwas weicher und ging von Aggression zu gewohnter Nörgelei über.

— Mit eigenen Händen backen — das ist wohl heute schon eine Heldentat.

Na gut, setz den Wasserkocher auf.

Aber nimm deine Tassen, die mit den Absplitterungen, die Gästetassen hebe ich mir für Menschen auf.

Dieser Satz schnitt ins Gehör.

„Für Menschen.“

Der Sohn und seine Frau gehörten offenbar nicht in diese Kategorie.

Alexej stand schweigend auf und ging zum Herd, wo er ein Streichholz anzündete.

Das Gas flammte blau auf, und in diesem Augenblick begriff er, dass dieser Besuch heute nicht mit einem einfachen Teetrinken enden würde.

Die Luft in der Küche war zu sehr aufgeladen, und die Kränkung der Mutter, die sich über Wochen aufgestaut hatte, suchte einen Ausweg.

Und sie würde ihn finden.

Ganz bestimmt würde sie ihn finden.

Der Wasserkessel auf dem Herd pfiff schon seit einer Minute, schrill und fordernd, aber Galina Petrowna beeilte sich nicht, ihn herunterzunehmen.

Es schien, als genieße sie dieses Geräusch, das Alexej auf die Nerven ging und ihn das Gesicht verziehen ließ.

Schließlich erhob sie sich schwerfällig, drehte das Gas ab und goss das kochende Wasser in die Teekanne mit einem Gesichtsausdruck, als vollziehe sie ein Opfer.

Auf dem Tisch lag verloren der gekaufte Kirschkuchen in einer Plastikverpackung, den die Mutter sich nicht einmal die Mühe gemacht hatte, auf einen Teller zu legen.

— Nur Chemie, — murmelte sie, als sie den Kuchen direkt in der Plastikverpackung mit dem Messer schnitt und auf dem Boden Kratzer hinterließ.

— Der Teig ist wie Gummi.

Na ja, woher soll denn deine Königin wissen, wie man einen Teig ansetzt.

Sie hat doch Maniküre.

Bestimmt lange Krallen, die auf der Tastatur klackern?

Alexej nahm schweigend ein Stück.

Der Kuchen war normal, frisch, aber unter dem scharfen, schweren Blick der Mutter erschien er wie ein Stück trockener Lehm, das man unmöglich schlucken konnte.

— Mama, Ira hat keine langen Nägel, es ist unbequem für sie zu tippen, — entgegnete er ruhig und nahm einen Schluck Tee.

Der Tee war stark, fast wie Tschifir, so wie es seine Mutter mochte — damit das Herz raste.

— Unbequem zu tippen… — äffte Galina Petrowna ihn nach, setzte sich ihm gegenüber und verschränkte die Arme vor der Brust.

— Hör dir mal selbst zu, Leschka.

Bist du ein Mann oder was?

„Tippen.“

Meine Nachbarin Walka aus dem dritten Stock — das ist eine richtige Frau.

Morgens schrubbt sie in der Schule die Böden, dann rennt sie noch in unserem Haus putzen, und abends springt sie auch noch an der Kasse in der „Pjatjorotschka“ ein.

Ihre Hände sind wie Schmirgelpapier, die Adern gespannt, ihr Gesicht sieht man vor Erschöpfung kaum noch.

Aber sie geht nach Hause — die Taschen voll, alles selbst verdient, sie schleppt ihren behinderten Mann mit durch und sagt kein einziges böses Wort.

Das nenne ich einen arbeitenden Menschen.

Und deine?

Galina Petrowna beugte sich vor, und ihr Gesicht verzog sich zu einer Grimasse widerwärtigen Mitleids.

— Schau dich doch an, mein Sohn.

Du bist ja schon durchsichtig geworden.

Das Hemd hängt an dir, der Kragen ist ausgewaschen, alles irgendwie grau.

Und die Hose, schau mal, an den Knien ausgeleiert.

Ist das die Art, wie eine Frau für ihren Mann sorgt?

Wenn sie zu Hause sitzt, dann müssten die Bügelfalten in deiner Hose so scharf sein, dass man sich daran schneiden könnte!

Und du läufst herum wie ein Waisenkind.

Es ist peinlich, den Leuten in die Augen zu sehen.

Man fragt mich schon: „Gal, ist bei deinem Leschka alles in Ordnung?

Ist er vielleicht krank?“

Und was soll ich sagen?

Dass seine Frau ein Schmarotzer ist?

Alexej stellte die Tasse laut auf die Untertasse.

Das Klirren des Porzellans klang wie ein Schuss in der Stille der Küche.

— Es reicht, — sagte er fest.

— Ich sehe normal aus.

Ich arbeite viel, ich bin müde, ja.

Aber Ira hat damit nichts zu tun.

Sie arbeitet auch.

Und nur weil sie keine Zementsäcke schleppt und keinen schmutzigen Lappen durch das Treppenhaus zieht, ist ihre Arbeit nicht weniger wichtig.

Sie ist Designerin, Mama.

Sie macht Layouts für große Firmen.

Das ist geistige Arbeit.

Abends sind ihre Augen vom Monitor rot, und ihr Rücken tut ihr nicht weniger weh als deiner.

Galina Petrowna lachte.

Es war kein fröhliches Lachen, sondern ein trockenes, krächzendes Geräusch voller Gift.

— Geistige Arbeit!

Ach, ich kann nicht mehr! — sie schlug mit der Handfläche auf den Tisch.

— Bilder malt sie!

Lescha, bist du dumm oder tust du nur so?

Was soll das für Arbeit sein?

Das ist Unterhaltung!

Kinder im Kindergarten malen Bilder.

Und erwachsene Frauen sollen nützlich sein.

Du bist Ingenieur, du machst Zeichnungen, baust Brücken, das verstehe ich.

Und sie?

Sie vernebelt dir einfach den Kopf.

Sie sitzt da bestimmt, schaut ihre türkischen Serien und spielt Spiele, legt Patiencen.

Und wenn du nach Hause kommst, klappt sie das Fenster zu und tut so, als hätte sie sich zu Tode gearbeitet.

„Oh, Lescha, ich bin so müde, bestell Pizza.“

Ich kenne diese modernen Flittchen.

Die Mutter sprach mit einer solchen Sicherheit, als hätte sie persönlich mit der Stoppuhr hinter dem Rücken der Schwiegertochter gestanden.

In ihrer Welt existierten weder Freiberuflichkeit noch Homeoffice noch digitale Wirtschaft.

Es gab nur die Fabrik, den Verkaufstresen und den Wischmopp.

Alles andere kam vom Teufel, ein Weg, ehrliche Menschen zu betrügen und fremdes Geld zu stehlen.

— Sie verdient mehr als ich, Mama, — sagte Alexej leise und hoffte, dass dieses Argument wenigstens ein wenig die Panzerung durchbrechen würde.

— Im letzten Monat hat sie zwei große Projekte abgeschlossen.

Galina Petrownas Augen verengten sich.

— Mehr als du? — wiederholte sie mit unheilvollem Flüstern.

— Und darüber freust du dich?

Du, ein gesunder Kerl, freust dich, dass eine Frau Geld ins Haus bringt?

Was soll das für Geld sein, Lescha?

Gestohlen ist es, leicht verdient.

Es gibt kein ehrliches Geld ohne Schwielen.

Entweder betrügt sie dort Leute im Internet oder…

Sie machte eine bedeutungsvolle Pause, trank einen Schluck Tee und sah über den Rand der Tasse hinweg ihren Sohn an.

— Oder was? — spannte Alexej sich an.

— Oder dieses Web-Cam-Zeug, oder wie das heißt, — spuckte sie aus.

— Wir wissen doch, wofür man Mädchen im Internet bezahlt.

Dafür, vor der Kamera mit dem Hintern zu wackeln.

Und du hast die Ohren offen stehen.

„Designerin.“

Pfui!

Was für eine Schande.

Alexej fühlte, wie ihm das Blut ins Gesicht stieg.

Das war bereits jenseits aller Grenzen.

Sie entwertete nicht nur die Arbeit seiner Frau, sie zog sie durch den Dreck und dachte sich die widerlichsten Szenarien aus, nur um ihren Hass zu rechtfertigen.

— Du redest Unsinn, Mama, — Alexejs Stimme wurde hart.

— Du sagst schreckliche Dinge über einen Menschen, den du nicht einmal versuchst kennenzulernen.

Ira ist eine anständige Frau.

Und sie liebt mich.

— Sie liebt dein Portemonnaie und deine Wohnung! — kreischte Galina Petrowna und verlor die letzten Reste ihrer Beherrschung.

— Sie hat sich wie ein Blutegel an dich gehängt!

Sie hat gesehen, dass du ein guter, weicher Kerl bist, dass man dir auf den Hals steigen und die Beine baumeln lassen kann.

Für sie bist du nur eine Ressource, Lescha!

Sie wird dir alle Säfte aussaugen, während du auf der Arbeit buckelst, und sie selbst wird vor dem Monitor fett werden.

Schau doch, sie ist kein einziges Mal zu mir gekommen, hat nicht den Boden gewischt, nicht die Fenster geputzt!

„Guten Tag, Galina Petrowna“ am Telefon alle halbe Jahre — und das war’s!

Ist das eine Schwiegertochter?

Das ist eine Untermieterin!

— Sie hat vorgeschlagen, dir eine Reinigungskraft zu bestellen, damit die Fenster geputzt werden, — erinnerte Alexej.

— Du selbst hast abgelehnt.

Du hast gesagt, dass du keine fremden Leute im Haus brauchst.

— Natürlich brauche ich die nicht! — bellte die Mutter.

— Ich brauche Aufmerksamkeit!

Respekt!

Und nicht eure Almosen!

Reinigungsservice…

Was für ein ekelhaftes Wort.

Das ist Faulheit, Lescha, gewöhnliche Faulheit und Respektlosigkeit gegenüber den Älteren.

Es ist ihr zu widerlich, sich die Hände schmutzig zu machen, deshalb will sie sich mit fremden Händen freikaufen.

Und du fällst darauf herein.

Zu Hause hält man dich doch für einen Idioten.

Während du arbeitest, sitzt sie da bestimmt mit ihren Freundinnen in Chats und zerlegt dir die Knochen und lacht darüber, wie geschickt sie es sich eingerichtet hat.

Die Luft in der Küche wurde dicht, zäh.

Die Worte der Mutter fielen wie schwere Steine und errichteten eine Wand, gegen die man nicht mehr anschreien konnte.

Galina Petrowna wollte die Wahrheit nicht hören.

Sie brauchte ein Opfer.

Sie brauchte, dass die Schwiegertochter genauso litt, wie sie ihr ganzes Leben gelitten hatte.

Und jede Abweichung von diesem Drehbuch wurde als persönliche Beleidigung wahrgenommen.

Alexej sah seine Mutter an und erkannte in ihren Augen nicht Fürsorge, sondern Gier nach Kontrolle.

Es tat ihr körperlich weh, dass jemand anders anders leben konnte.

Leichter.

Freier.

— Iss doch den Kuchen, — wechselte sie plötzlich den Ton zu einem öligen, mitleidigen Singsang und schob ihm die Schachtel hin.

— Zu Hause wirst du ja bestimmt nur mit Halbfertigprodukten gefüttert.

Du bist ganz abgemagert.

Nur die Mutter denkt an dich, du Narr.

Doch ihm ging kein Bissen mehr durch den Hals.

Alexej verstand, dass man dieses Gespräch nicht einfach dadurch beenden konnte, dass man den Tee austrank.

Heute musste alles klar ausgesprochen werden.

Sonst würde diese giftige Fürsorge seine Familie einfach auffressen.

Alexej schob die Plastikschachtel mit dem Kuchen langsam von sich weg.

Der Appetit war endgültig verschwunden und hatte kalter, klirrender Entschlossenheit Platz gemacht.

Er sah seine Mutter an, die noch immer siegessicher lächelte, weil sie glaubte, ihre Argumente über „echte Arbeit“ hätten die Schwiegertochter völlig erledigt.

Sie verstand nicht, dass sie gerade die Grenze überschritten hatte, hinter der Geduld endet und trockene Beziehungsbuchhaltung beginnt.

— Mama, lass uns über Geld sprechen, — sagte er mit einer gleichmäßigen, emotionslosen Stimme.

— Du zählst so gern fremde Einnahmen und redest darüber, wer wie verdient.

Lass uns deine Ausgaben einmal durchrechnen.

Galina Petrowna wurde wachsam.

Sie mochte Gespräche über Finanzen nicht, es sei denn, es ging darum, wie alles teurer geworden war.

— Was gibt es da zu rechnen? — brummte sie und rückte das verrutschte Schultertuch auf der Brust zurecht.

— Die Rente ist lächerlich.

Die Nebenkosten steigen wie auf Hefe.

Wenn du mir nicht helfen würdest, wäre ich längst am Bettelstab.

Dafür danke, ich habe einen Sohn großgezogen, der seine Mutter nicht im Stich lässt.

— Genau, — nickte Alexej.

— Hilfe.

Erinnern wir uns an den letzten Monat.

Du wolltest eine neue Brille.

Ein gutes Gestell, japanische Gläser, weil dir von billigen der Kopf weh tut.

Fünfzehntausend Rubel.

Erinnerst du dich?

— Natürlich erinnere ich mich, — runzelte die Mutter die Stirn.

— Es geht schließlich um die Gesundheit.

Augen sind keine Staatssache.

— Richtig.

Und davor — der Zahnarzt.

Zwei Implantate, weil dir die Prothese weh getan hat.

Achtzigtausend.

Und davor — Kunststofffenster in der ganzen Wohnung, Dreifachverglasung, „Rehau“, damit es nicht zieht und der Straßenlärm dich nicht stört.

Fast hunderttausend mit Einbau und Laibungen.

Und jeden Monat — eine Tüte Medikamente gegen Bluthochdruck, für die Gefäße, für die Gelenke.

Französische, keine Generika, weil du von unseren, wie du sagst, Sodbrennen bekommst.

Das sind noch einmal sieben bis zehntausend jeden Monat.

Dazu die Nebenkosten für deine Dreizimmerwohnung, die ich komplett bezahle.

Galina Petrowna presste die Lippen zusammen, spürte einen Haken, verstand aber noch nicht, aus welcher Richtung der Schlag kommen würde.

— Machst du mir jetzt Vorwürfe oder was? — in ihrer Stimme klangen beleidigte Töne auf.

— Hältst du mir ein Stück Brot vor?

Ich habe dich großgezogen und mir alles verkniffen…

— Ich mache dir keine Vorwürfe, ich stelle Fakten fest, — unterbrach Alexej sie hart und ließ nicht zu, dass sie wieder in ihre gewohnte Hysterie abrutschte.

— Ich möchte nur, dass du die Mathematik verstehst.

Mein Gehalt als Ingenieur beträgt sechzigtausend Rubel.

Die Hypothek für unsere Wohnung beträgt fünfundvierzigtausend.

Zum Leben bleiben mir fünfzehntausend.

Er machte eine Pause und ließ die Zahlen in der stickigen Luft der Küche hängen.

Galina Petrowna blinzelte und versuchte, Soll und Haben zusammenzubringen, doch ihr Gesicht drückte nur Unverständnis aus.

— Na und? — fragte sie.

— Dann schränkst du dich eben irgendwo ein.

Du bist doch ein Mann.

— Mama, du hörst nicht zu, — Alexej beugte sich vor und sah ihr direkt in die Augen.

— Fünfzehntausend.

Das reicht kaum für Benzin und ein paar Einkäufe.

Woher, glaubst du, kommt das Geld für deine Fenster, für deine Zähne, für deine teuren Tabletten und für diesen Fisch, den du gerade so verächtlich auf den Tisch geworfen hast?

Galina Petrowna erstarrte.

In ihren Augen blitzte etwas auf, das Angst ähnelte und sofort in dumpfe Abwehr umschlug.

Sie begann zu ahnen, worauf er hinauswollte, aber ihr Verstand wehrte sich verzweifelt gegen diese Information.

— Du willst sagen… — begann sie, und ihre Stimme zitterte.

— Ich will sagen, dass jeden Rubel, der in den letzten drei Jahren für deinen Komfort ausgegeben wurde, Ira verdient hat, — sagte Alexej und hämmerte jedes Wort ein.

— Eben dieses „leichte“ Geld aus dem Computer.

Eben diese „Faulheit“ und dieses „Tastenklappern“.

Ira hat deine Fenster bezahlt, damit es bei dir nicht zieht.

Ira überweist mir das Geld für deine Medikamente.

Ira hat darauf bestanden, dass wir dir die Zähne machen lassen, weil „Mama bequem kauen können muss“.

Mein Gehalt reicht nicht einmal für die volle Hypothek und das Essen, Mama.

Wir leben vom Geld meiner Frau.

Die Stille, die über der Küche hing, war dicht wie Watte.

Man hörte nur den alten Kühlschrank „Saratoff“ in der Ecke summen.

Galina Petrowna saß regungslos da, und rote Flecken breiteten sich auf ihrem Gesicht aus.

Sie sah ihren Sohn an, als hätte er gerade einen Mord gestanden.

— Du lügst, — hauchte sie schließlich.

— Warum sollte ich lügen? — Alexej zog sein Telefon heraus, öffnete die Banking-App und legte es seiner Mutter auf den Tisch.

— Schau dir die Überweisungen an.

„Irina W. Überweisung: Für Mamas Zähne.“

„Irina W. Überweisung: Für Mamas Nebenkosten.“

Schau hin, Mama.

Schau genau hin.

Galina Petrowna blickte nicht einmal auf den Bildschirm.

Sie stieß das Telefon abrupt weg, als wäre es ansteckend.

Das Gerät rutschte über das Wachstuch und blieb am Rand des Tisches stehen.

— Weg damit! — kreischte sie.

— Weg mit diesem Dreck!

So also redet ihr jetzt?

Ihr habt beschlossen, mich zu kaufen?

Ihr wollt der Mutter mit dem Rubel den Mund stopfen?

— Niemand hat dich gekauft.

Man hat sich um dich gekümmert, — sagte Alexej müde.

— Aber du schätzt Fürsorge nur dann, wenn sie nach Schweiß und Blut riecht.

— Und wonach riecht dieses Geld? — Galina Petrowna sprang vom Stuhl auf und warf dabei einen Löffel auf den Boden.

— Wonach riecht es, frage ich dich?

Nach Schande riecht es!

Nach Umsonst!

Nach Unehrlichkeit!

Ein Mensch, der nicht mit den Händen arbeitet, hat nicht das Recht, so viel zu verdienen!

Das ist falsch!

Das widerspricht der Natur!

Und du…

du nimmst dieses schmutzige Geld und bringst es deiner Mutter?

Du tauchst mich in diesen Dreck?

Ihre Logik war verdreht, völlig auf den Kopf gestellt, aber in ihrem Hass war sie absolut aufrichtig.

Für sie war das Geld der Schwiegertochter etwas wie Geld, das ehrlichen Arbeitern gestohlen worden war.

Die Tatsache, dass gerade dieses Geld ihr einen sorgenfreien Lebensabend ermöglichte, verstärkte ihre Wut nur noch.

Es war demütigend für sie, von der abhängig zu sein, die sie für ein Nichts hielt.

— Also drücken deine Zähne dich nicht? — fragte Alexej und spürte, wie in ihm alles ausbrannte.

— Ist es dir nicht widerlich, die Fenster zu öffnen?

Sie wurden doch von „schmutzigem“ Geld gekauft.

— Wag es nicht! — schrie die Mutter, und Speichel spritzte ihr aus dem Mund.

— Wag es nicht, mir Vorwürfe zu machen!

Ich habe meine Schuld abgearbeitet!

Ich habe es verdient!

Und sie — nicht!

Sie soll mal Böden schrubben gehen, soll lernen, was es heißt, sich den Rücken zu brechen, dann nehme ich vielleicht auch einen Kopeken von ihr!

Aber so — brauche ich eure Gnade nicht!

Nehmt eure Fenster zurück!

Reißt mir die Zähne wieder heraus, wenn ihr so geizig seid!

Sie hastete durch die kleine Küche, stieß mit den Hüften an die Tischecken, griff sich ans Herz, aber das war kein Schmerz, sondern Wut.

— Parasitin! — zischte sie.

— Sie hat sich ans Internet gehängt und saugt Geld aus der Luft, während normale Leute sich den Rücken krumm machen!

Und dich, Dummkopf, hat sie auch verdorben!

Du warst einmal ein Mann, und jetzt bist du ein Gigolo!

Du lebst auf Kosten einer Frau und freust dich noch darüber!

Pfui über euch!

Alexej sah diesem Einpersonenstück zu und verstand, dass das das Ende war.

Es hatte keinen Sinn mehr, etwas über Wirtschaft, Arbeitsmarkt oder die Tatsache zu erklären, dass sich die Welt verändert hatte.

Vor ihm stand ein Mensch, für den Leiden die einzige Währung war und fremder Erfolg eine persönliche Beleidigung.

Galina Petrowna wäre bereit gewesen, im Dunkeln Zwieback zu nagen, nur um nicht zugeben zu müssen, dass die „Computerpuppe“ erfolgreicher und klüger war als sie selbst.

— Gut, Mama, — Alexej stand langsam auf.

— Ich habe dich verstanden.

— Was hast du verstanden? — sie blieb abrupt stehen und atmete schwer.

— Dass deine Frau faul ist?

Dass ihr Geld Staub ist?

Wenn sie mit den Händen arbeiten geht, wenn sie mit Eimern und einem Lappen zu mir kommt, dann reden wir vielleicht über Respekt!

Aber solange sie da auf Tasten drückt — soll sie keinen Fuß in mein Haus setzen!

Und mit ihrem Geld komm mir nicht!

— Abgemacht, — nickte Alexej.

Er begann nicht zu streiten.

Er begriff einfach, dass der Kassenbericht abgeschlossen war.

Der Saldo stimmte nicht.

Und nun musste die letzte Transaktion durchgeführt werden — die vollständige Nullstellung aller Konten.

Alexej trank den Tee nicht aus.

Die Tasse mit dem erkalteten, schwarzen Getränk, dunkel wie Teer, blieb auf dem Tisch stehen wie ein Denkmal ihrer zerstörten Beziehung.

Er sah seine Mutter an, die nach ihrem Wutanfall immer noch schwer atmete, und fühlte eine seltsame Leere.

In ihm war etwas gerissen.

Als wäre eine Sicherung durchgebrannt, die ihn jahrelang gezwungen hatte, zu ertragen, die Ecken zu glätten und Entschuldigungen für ihre Giftigkeit zu finden.

— Ich habe dich verstanden, Mama, — wiederholte er, und seine Stimme klang erschreckend ruhig, ohne den geringsten Hauch kindlicher Wärme.

Es war die Stimme eines fremden Menschen.

— Du hast recht.

Man darf kein Geld von denen annehmen, die man verachtet.

Das ist wirklich unehrlich.

Deshalb beenden wir diesen Zirkus ab heute.

Galina Petrowna, die erwartet hatte, dass der Sohn sich jetzt rechtfertigen oder sie wieder überreden würde, Hilfe anzunehmen, erstarrte.

Sie zupfte nervös am Rand der Tischdecke und spürte, wie ihr ein kalter Schauer über den Rücken lief.

— Was für ein Zirkus? — fragte sie misstrauisch und sah Alexej von unten her an.

— Der finanzielle, — Alexej begann aufzuzählen, dabei bog er die Finger um, methodisch und erbarmungslos.

— Du hast gesagt, dass Iras Geld schmutzig ist.

Gut.

Ich respektiere deine Prinzipien.

Ab morgen kündige ich den Dauerauftrag für deine Wohnung.

Du hast eine Rente, also teile sie dir selbst ein.

Das Internet lasse ich auch abschalten — du sagst doch selbst, dass dort nur Böses und Verderbnis ist.

Wozu brauchst du diesen Hort der Sünde im Haus?

Du wirst fernsehen, dort sagen sie ja alles richtig.

— Du… willst du mir Angst machen? — Galina Petrowna versuchte zu lächeln, aber das Lächeln geriet schief und erbärmlich.

— Du machst deiner eigenen Mutter mit einem Stück Brot Angst?

— Nein, Mama.

Ich erfülle deinen Willen, — Alexej blieb unerbittlich.

— Die Medikamente.

Die teuren französischen.

Wenn sie mit dem Geld einer „Nichtsnutzigen“ gekauft wurden, dann helfen sie dir nicht.

Kauf unsere, billige, von denen du Sodbrennen bekommst.

Aber dafür ehrliche.

Und die Lebensmittellieferung werde ich auch abbestellen.

Du gehst doch so gern einkaufen, stehst in Schlangen und fühlst die Kartoffeln mit den Händen.

Dann geh.

Bei jedem Wetter.

Das ist doch echte Arbeit, gut für die Gesundheit.

— Wie kannst du es wagen! — kreischte sie und sprang vom Stuhl auf.

— Schau ihn dir an!

Ein Ungeheuer!

Hat sie dir das beigebracht?

Hat diese Schlange dir den Text vorgeschrieben?

Du kannst doch selbst nichts, du bist doch ein Lappen!

— Diese „Schlange“ hat fünf Jahre lang versucht, dir zu gefallen, — unterbrach Alexej sie eisig und erhob sich ebenfalls zu voller Größe.

Er beugte sich über den Tisch und sah von oben auf seine Mutter hinab.

— Sie hat Geschenke für dich ausgesucht, Ärzte gesucht, sich Sorgen gemacht, als du krank warst.

Und du?

Du hast nur Gift gespuckt.

Dir kann man es nicht recht machen, Mama.

Du brauchst keine Hilfe, du brauchst ein Opfer.

Du willst, dass wir schlecht leben, dass wir leiden wie du.

Aber das wird nicht passieren.

Galina Petrowna rang nach Luft vor Wut.

Ihr Gesicht war von purpurroten Flecken übersät, ihre Hände zitterten.

Sie begriff, dass sie die Kontrolle verlor, die Macht verlor, die sie über Jahre so sorgfältig gepflegt hatte.

Und aus Hilflosigkeit entschied sie sich, auf die schmerzhafteste Stelle zu schlagen, auf das, was seiner Meinung nach seine Sicherheit zerstören müsste.

— Dann verschwindet doch! — schrie sie und sprühte dabei Speichel.

— Lebt von eurem gestohlenen Geld!

Aber Glück werdet ihr nicht haben!

Nicht haben!

Gott sieht alles!

Und normale Kinder werdet ihr von so einer Mutter nicht bekommen!

Sie wird dir irgendetwas mit zwei Köpfen gebären oder sich überhaupt als unfruchtbar erweisen!

Von einer Espe wachsen keine Orangen!

Es wird genauso ein faules Miststück heranwachsen!

Alexej wurde blass.

Seine Fäuste ballten sich so fest, dass die Knöchel weiß wurden.

Für eine Sekunde hing eine klingende Stille im Raum, in der man nur Galina Petrownas heiseres Atmen hörte.

— Über Kinder, — sagte Alexej leise, fast flüsternd, und gerade dieses Flüstern machte der Mutter wirklich Angst.

— Wir erwarten ein Kind.

Ira ist im dritten Monat.

Wir wollten es dir heute sagen.

Einen Kuchen kaufen und feiern.

Galina Petrowna öffnete den Mund, aber sie schaffte es nicht, etwas zu sagen.

Alexej fuhr fort und hieb jedes Wort wie ein Henker mit dem Beil nieder:

— Aber jetzt sehe ich, dass du das nicht brauchst.

Du hast recht, als Großmutter taugst du überhaupt nicht.

Was willst du einem Kind beibringen?

Hass?

Neid?

Dass man alle mit Dreck bewerfen muss?

Nein.

Mein Kind wird das nicht sehen.

— Ich brauche euren Missgeburt gar nicht… — versuchte sie zurückzuzischen, aber ihre Stimme zitterte verräterisch.

— Merk dir, Mama, — Alexej ging zur Tür in den Flur.

— Dieses Kind wirst du nie sehen.

Weder wenn es geboren wird noch wenn es in die Schule geht.

Nie.

Für dieses Kind existierst du nicht.

Du bist heute für uns gestorben, direkt hier in dieser Küche, zwischen schmutzigen Worten über meine Frau und deinen Flüchen.

Er ging in den Flur hinaus, zog rasch die Schuhe an, ohne auch nur die Schnürsenkel zu binden.

Galina Petrowna lief ihm hinterher und hielt sich am Türrahmen fest.

Plötzlich bekam sie unerträgliche Angst davor, allein in dieser Wohnung zu bleiben, mit diesen neuen Fenstern, die sie nun an ihre Dummheit erinnerten.

— Leschka! — rief sie, und in ihrer Stimme mischten sich Drohung und Flehen.

— Das wirst du nicht wagen!

Du wirst noch angekrochen kommen!

Wenn sie dich verlässt, wenn sie dich ohne Hose dastehen lässt, wirst du zu mir gekrochen kommen!

Ich werde dir die Tür nicht öffnen!

Alexej nahm seine Jacke in die Hand, öffnete die Haustür und drehte sich um.

Sein Gesicht war vollkommen ruhig, als sähe er eine fremde, unangenehme Frau in einer Warteschlange an.

— Ich werde nicht angekrochen kommen, — sagte er.

— Ich habe eine Familie.

Und du hast deinen Stolz und deinen Wischmopp.

Lebe mit ihnen.

Er trat auf den Treppenabsatz hinaus.

Galina Petrowna erwartete, dass er die Tür zuschlagen, dass es einen Skandal und Geschrei durchs ganze Haus geben würde, damit die Nachbarn hörten, wie unglücklich sie war.

Aber Alexej schloss die Tür sorgfältig, sanft, bis nur ein kaum hörbares Klicken des Schlosses zu vernehmen war.

Dieses leise Klicken klang lauter als jeder Schuss.

Galina Petrowna blieb im Halbdunkel des Flurs stehen.

Die Stille fiel augenblicklich über sie her, dicht und drückend.

Langsam schlurfte sie zurück in die Küche.

Auf dem Tisch lag der unberührte rote Fisch — „chemisch“, teuer, verhasst.

Daneben standen die Packung mit gutem Tee und Obst.

All das wirkte jetzt nicht mehr wie Trophäen, sondern wie Beweisstücke ihrer Niederlage.

Sie setzte sich auf den Hocker, auf dem eben noch ihr Sohn gesessen hatte.

In der Wohnung war es still.

Vollkommen still.

Die neuen Fenster hielten den Straßenlärm zuverlässig ab.

Niemand rief an, niemand klapperte mit Schlüsseln.

Sie war die absolute Herrin ihrer Welt — sauber, richtig, arbeitsam und völlig tot.

— Na und, — flüsterte sie in die Leere, doch die Worte blieben ihr im Hals stecken.

— Ich werde schon überleben.

Ich bin stark.

Ich mache alles selbst.

Sie griff nach dem Stück Kuchen, das ihr Sohn nicht gegessen hatte, biss hinein und spuckte es sofort wieder aus.

Er war bitter.

Bitter wie ihr ganzes Leben, in dem sie gerade den schlimmsten Sieg errungen hatte — sie war vollkommen im Recht geblieben und vollkommen allein.