— „Das ist die Wohnung meines Sohnes!“, schrie die Schwiegermutter, als ich ihr einen Eimer Wasser ins Gesicht schüttete und die Tür schloss.

Ich stand vor der Tür meiner Wohnung und sah auf die Fußmatte.

Sie war so zertrampelt, als wäre einen Monat lang eine ganze Herde darübergelaufen.

Schmutzige Schlieren, Sand, irgendwelche Flecken.

Ich beugte mich hinunter und fuhr mit dem Finger darüber — irgendetwas Klebriges.

Mein Herz zuckte.

Was war hier passiert?

Der Schlüssel drehte sich ganz leicht.

Ich drückte die Tür auf und erstarrte auf der Schwelle.

Im Flur lag Schuhwerk herum.

Es stand nicht ordentlich da, sondern lag wirklich herum — Turnschuhe, Hausschuhe, Kindersandalen.

Und Winterstiefel.

Im Juli.

An der Garderobe hingen Mäntel übereinander.

An der Wand standen zwei Kindereimer.

In einem war trübes Wasser, drumherum lag verstreuter Sand.

Ich schluckte.

Meine Finger griffen wie von selbst zum Telefon.

Vielleicht war ich in der falschen Wohnung?

Aber der Schlüssel hatte doch gepasst.

Aus der Küche waren Stimmen zu hören.

Kinderlachen, das Stöhnen einer Frau, eine tiefe Männerstimme.

Ich zog die Schuhe aus, ließ die Tasche an der Tür stehen und ging den Geräuschen nach.

Was ich sah, riss mich für einen Moment aus der Wirklichkeit.

Am Tisch saßen fremde Menschen.

Ein Mann in Unterhose und Unterhemd, eine ältere Frau im geblümten Morgenmantel, eine schwangere junge Frau und zwei Jungen von vielleicht drei und fünf Jahren.

Sie aßen.

Auf dem Tisch standen Teller, ein Topf, Brot, Butter.

Als wären sie zu Hause.

Und am Fenster stand Max.

Lebendig, gesund.

In der Hand eine Bierdose.

Er sah mich und zuckte zusammen.

Die Dose glitt ihm aus den Fingern und fiel in den Eimer.

— Liebling! — er machte einen Schritt auf mich zu.

— Ich habe dich gar nicht erwartet!

Ich sah ihn an.

Dann die Leute am Tisch.

Dann wieder ihn.

— Erklär es mir, — ich hörte meine Stimme.

Sie war leise, aber fest.

— Also… das… — Max blinzelte hektisch und fuhr sich mit der Hand durch die Haare.

— Reg dich nicht so auf.

— Wer sind diese Leute?

— Das sind unsere Verwandten.

Entfernte.

Mama hat darum gebeten.

Ich atmete aus.

Langsam.

— Deine Mutter weiß, wem diese Wohnung gehört?

— Na ja… natürlich weiß sie das.

Aber sie hat eben gebeten, verstehst du?

Sie haben vorübergehend keine Unterkunft, und…

— Vorübergehend, — wiederholte ich.

Die Kinder am Tisch wurden still.

Der Jüngere drückte sich an die schwangere Frau.

Der Ältere sah mich mit großen Augen an.

Ich ballte die Fäuste und öffnete sie wieder.

Meine Fingernägel bohrten sich in die Handflächen.

— Also gut, — ich sah Max in die Augen.

— Ich gehe jetzt.

Ich komme in einer Stunde zurück.

Und dann will ich hier niemanden mehr sehen.

Dich eingeschlossen.

Ist das klar?

— Aber wie denn… — begann er.

— Kein „Aber“.

Ich drehte mich um und ging hinaus.

Im Flur blieb ich stehen und lehnte mich gegen die Wand.

Meine Hände zitterten.

Ich biss mir auf die Lippe, damit ich nicht in Tränen ausbrach.

Was sollte ich tun?

Wohin sollte ich gehen?

Ich ging eine Etage tiefer.

Ich klingelte an einer vertrauten Tür.

Igor öffnete fast sofort.

Groß, breit gebaut, in Jogginghose und T-Shirt.

Als er mein Gesicht sah, runzelte er die Stirn.

— Anja?

Was ist passiert?

— Kann ich reinkommen?

— Natürlich.

Er trat zur Seite und ließ mich herein.

Die Wohnung roch nach Kaffee und nach etwas Frischem, Sportlichem.

Aus dem Nebenzimmer war ein dumpfes Geräusch zu hören — wahrscheinlich trainierte einer seiner Schüler.

— Setz dich, — Igor nickte zum Sofa.

— Möchtest du Kaffee?

— Ja.

Danke.

Er ging in die Küche.

Ich ließ mich auf das Sofa sinken und schlang die Arme um mich.

Mir war kalt.

Obwohl es in der Wohnung warm war.

Igor kam mit zwei Tassen zurück und setzte sich neben mich.

— Erzähl.

Und ich erzählte.

Durcheinander, von einem zum anderen springend.

Von der Dienstreise, von meiner Rückkehr, von den fremden Leuten in meiner Wohnung.

Von Max mit dem Bier und seinem „Mama hat darum gebeten“.

Igor hörte schweigend zu.

Manchmal nickte er.

Er spielte mit dem Gurt der Sporttasche, die zu seinen Füßen lag.

— Und was willst du tun? — fragte er, als ich schwieg.

— Sie rauswerfen, — ich umklammerte die Tasse mit beiden Händen.

— Das ist meine Wohnung.

Meine.

— Genau richtig, — seine Stimme war ruhig, leicht heiser.

— Du bist nicht allein.

Ich helfe dir.

Ich hob den Blick zu ihm.

— Wirklich?

— Natürlich.

Zusammen schaffen wir das.

Etwas Warmes breitete sich in meiner Brust aus.

Ich atmete aus und entspannte die Schultern.

— Danke.

Wir tranken den Kaffee aus.

Wir redeten noch ein wenig — über belanglose Dinge, über das Wetter, über seine Arbeit.

Ich merkte, dass das Zittern verschwunden war.

An seine Stelle trat Wut.

Kalte, feste Wut.

— Komm, — ich stand auf.

— Komm mit mir.

Ich brauche deine Stärke.

Igor nickte und nahm seine Schlüssel.

Wir gingen hinauf zu meiner Tür.

Ich öffnete sie und trat ein.

Nichts hatte sich verändert.

Die Schuhe lagen immer noch im Flur herum.

Stimmen aus der Küche.

Kindergeschrei.

Ich ging ins Wohnzimmer.

Ich blieb am Fenster stehen, auf dessen Fensterbank sich fremde Sachen stapelten — Tüten, Bündel, Kinderspielzeug.

Mit einer einzigen Bewegung fegte ich das alles hinunter.

Auf die Straße.

Vom dritten Stock.

— Anja! — Max schoss aus der Küche.

— Was machst du da?!

— Hast du es begriffen? — ich drehte mich zu ihm um.

— Oder soll ich es noch einmal erklären?

Er sah Igor an, der in der Tür stand.

Schweigend.

Aber seine Anwesenheit sprach für sich.

— Ich habe es begriffen, — murmelte Max.

— Ich habe es begriffen, begriffen…

Die Leute in der Küche gerieten in Hektik.

Die schwangere Frau griff nach den Kindern und zog sie ins Zimmer.

Der Mann in Unterhose begann hektisch, sich die Hose anzuziehen.

Die ältere Frau jammerte irgendetwas und stopfte dabei Sachen in Taschen.

Eine Stunde später war die Wohnung leer.

Max blieb an der Tür noch stehen.

Er sah mich flehend und jämmerlich an.

— Verzeih mir, — flüsterte er.

— So ist es besser für alle, — antwortete ich ruhig.

Er ging.

Die Tür schloss sich.

Ich lehnte mich gegen die Wand und schloss die Augen.

Stille.

Endlich Stille.

— Jetzt wird alles anders, — sagte Igor leise.

— Ja, — ich öffnete die Augen und sah ihn an.

— Danke dir.

— Jederzeit.

Wenn etwas ist — ich bin unten.

Er ging.

Ich blieb allein zurück.

Ich ging durch die Wohnung.

Ich kehrte den Sand im Flur zusammen und wischte den Boden.

Ich sammelte die vergessenen Sachen ein — einen Kinderhut, irgendjemandes Haarbürste.

Ich packte alles in eine Tüte und stellte sie auf den Hausflur.

Dann ging ich auf den Balkon.

Es wurde Abend.

Unten rauschte die Stadt — Autos, Stimmen, irgendwo Musik.

Der Wind bewegte meine Haare und kühlte meine Haut.

Ich stützte mich auf das Geländer und atmete tief ein.

Freiheit.

Ein seltsames Gefühl.

Leer und leicht zugleich.

Als hätte man etwas Schweres von meinen Schultern genommen, und nun sei es ungewohnt ohne diese Last.

Ich hatte gedacht, dass ich ihn liebe.

Ich hatte gedacht, dass wir zusammenbleiben würden.

Und er…

Er hatte mich nicht einmal gefragt.

Er hatte einfach fremde Leute in meine Wohnung gelassen.

Weil „Mama darum gebeten hatte“.

Ich erinnerte mich an sein Gesicht, als er mit dem Bier am Fenster stand.

Verwirrt, schuldbewusst.

Und willenlos.

Was für ein Glück, dass ich ihn nicht geheiratet habe.

Dieser Gedanke kam plötzlich.

Und sofort wurde es leichter.

Ich lächelte.

Nicht fröhlich, aber ruhig.

Jetzt bin ich selbst die Herrin meines Lebens.

Keine Zugeständnisse mehr.

Kein „Mama hat darum gebeten“ mehr.

Es klingelte an der Tür.

Ich ging zurück in die Wohnung und sah durch den Spion.

Auf dem Flur stand eine Frau.

Älter, im Hausmantel.

Ein rotes Gesicht, zerzauste Haare.

Ich öffnete die Tür.

— Du! — sie zeigte mit dem Finger auf mich.

— Wie konntest du es wagen?!

— Guten Abend, — ich versperrte den Weg.

— Das ist die Wohnung meines Sohnes!

Meine!

Und ich entscheide, wer hier wohnen wird!

— Nein, — ich schüttelte den Kopf.

— Das ist meine Wohnung.

Und ich entscheide.

— Wie kannst du es wagen!

Undankbare!

Wir haben dich in unsere Familie aufgenommen, und du…

Sie schrie weiter.

Ein Wort nach dem anderen, immer lauter, immer bösartiger.

Ich hörte zu und spürte, wie in mir kalte Ruhe aufstieg.

Neben der Tür stand ein vergessenes Kindereimerchen.

Mit Wasser.

Ich bückte mich, nahm es und schüttete ihr das Wasser direkt ins Gesicht.

— Kühlen Sie sich erst einmal ab, Mütterchen.

Sie verstummte mitten im Satz.

Das Wasser lief ihr über das Gesicht und tropfte aus den Haaren auf den Morgenmantel.

Sie stand mit offenem Mund da und brachte kein Wort mehr heraus.

Hinter meinem Rücken waren Schritte zu hören.

Igor kam aus seiner Wohnung — offenbar hatte er das Geschrei gehört.

— Kann ich Ihnen helfen? — fragte er höflich.

Die Frau sah ihn an.

Dann mich.

Dann drehte sie sich um und ging schweigend zur Treppe.

Ich schloss die Tür.

Ich lehnte mich mit dem Rücken dagegen.

— Alles in Ordnung bei dir? — fragte Igor.

— Ja, — ich nickte.

— Vollkommen in Ordnung.

Er lächelte.

— Dann gehe ich wieder.

Wenn etwas ist — ruf an.

— Gut.

Danke.

Er ging.

Ich blieb allein.

Wieder.

Aber jetzt war es eine andere Art von Einsamkeit.

Keine beängstigende.

Eine ruhige.

Ich ging ins Schlafzimmer und legte mich aufs Bett.

Ich starrte an die Decke.

Was kommt jetzt?

Ich weiß es nicht.

Aber zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich keine Angst vor diesem Nichtwissen.

Die Hochzeit wird nicht stattfinden.

Max wird bei seiner Mutter bleiben.

Und ich…

Ich werde hierbleiben.

In meiner Wohnung.

Allein.

Oder nicht allein — das wird die Zeit zeigen.

Ich dachte an Igor.

An seine ruhige Stimme, seine sicheren Bewegungen.

Daran, wie er sofort geholfen hatte, ohne unnötige Fragen zu stellen.

Vielleicht ist doch nicht alles so schlimm.

Am Morgen wachte ich vom Sonnenlicht auf.

Ich öffnete die Augen und streckte mich.

Ich setzte mich im Bett auf.

Stille.

Keine Kinderstimmen, keine fremden Gerüche.

Nur meine Wohnung, mein Zuhause.

Ich stand auf und ging in die Küche.

Ich setzte den Wasserkocher auf.

Ich öffnete das Fenster — frische Luft strömte herein und brachte den Duft von Sommer und Freiheit mit sich.

Das Telefon vibrierte.

Eine Nachricht von Igor:

„Wie geht es dir?

Ist alles in Ordnung?“

Ich lächelte und tippte eine Antwort:

„Ja.

Alles ist gut.

Danke.“

Der Wasserkocher kochte.

Ich machte Tee und setzte mich ans Fenster.

Ich sah auf die Stadt, auf die Menschen unten, auf den Himmel.

So beginnt mein wirkliches Leben.

Ohne fremde Leute im Flur.

Ohne Bier am Fenster.

Ohne „Mama hat darum gebeten“.

Nur ich.

Meine Wohnung.

Meine Regeln.

Und ein Freund eine Etage tiefer.

Für alle Fälle.

Ich trank einen Schluck Tee und schloss die Augen.

Leicht.

Frei.

Richtig.