Das ist nicht dein Zuhause, sondern unser gemeinsames!

— Das ist nicht dein Zuhause, sondern unser gemeinsames! — brüllte mein Mann und forderte das Erbe meiner Eltern.

Ich antwortete: „Raus aus meiner Wohnung!“

In der Küche roch es nach geröstetem Brot und nach Kaffee aus einer billigen türkischen Kanne.

Olga saß am Fenster in einem alten Bademantel mit durchgescheuerten Ellbogen — ein häuslicher, bequemer, nicht für Gäste gedachter.

Auf der Fensterbank drängten sich Töpfe mit vertrockneten Veilchen — die Blumen wollten bei ihr einfach nicht anwachsen, so sehr sie es auch versuchte.

Dmitrij kam herein wie immer: im T-Shirt mit ausgeleiertem Kragen, finster, das Handy in der Hand.

Er setzte sich und stützte die Ellbogen auf den Tisch.

— Schon wieder Kaffee ohne Milch? — verzog er missmutig den Mund.

— Die Milch hast du gestern selbst ausgetrunken, — erwiderte Olga scharf, ohne aufzusehen.

— Ich hatte dich doch gebeten, etwas übrig zu lassen.

Pause.

Er schwieg, aber an seinem Gesicht war zu sehen: Er brütete etwas aus.

In den letzten Monaten war er ihr fremd geworden — scheinbar nah, und doch wie durch Mauern getrennt.

— Hör mal, Olj, — begann er und stocherte mit der Gabel im Spiegelei.

— Wir müssen ernsthaft reden.

Da ist es, dachte sie.

Schon wieder.

— Na gut.

Aber ohne Theater, ja? — sie zog den Bademantel an der Brust zurecht und strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr.

— Ich denke schon lange darüber nach … — Dmitrij räusperte sich.

— Wir leben seit fünf Jahren in dieser Wohnung.

Alles ist deins.

Alles ist deins! Und wer bin ich? Ein Untermieter?

— Du bist mein Mann, — antwortete Olga ruhig.

— Oder irre ich mich?

— Mann, ja.

Nur ohne Rechte.

Sogar meine Anmeldung ist nur befristet.

Ich fühle mich hier wie ein Mieter.

Olga stellte die Tasse ab und starrte ihn an.

— Dim, meinst du das ernst? Das ist die Wohnung meiner Eltern.

Sie haben sie noch in den Neunzigern gekauft, als der Dollar dreißig kostete.

Hier bin ich aufgewachsen.

Ich habe sie geerbt.

Das ist mein Zuhause.

— Genau das! Dein Zuhause.

Und ich? Bin ich etwa ein Fremder?

Er sprach lauter, als es für einen gewöhnlichen Morgen nötig gewesen wäre.

Die Nachbarn hatten wohl schon die Ohren gespitzt.

— Und was schlägst du vor? — in Olgas Stimme klang Stahl.

— Schreib mir die Hälfte überschrieben.

Oder besser gleich alles.

Wir sind doch eine Familie.

Sie lachte sogar — nervös, kurz.

— Hast du das gerade wirklich ernst gemeint?

— Absolut.

Olga sah ihn aufmerksam an, wie ein Arzt einen Patienten, der Unsinn redet.

— Dim, begreifst du, dass du von mir verlangst, auf das Einzige zu verzichten, was mir von meinen Eltern geblieben ist?

— Dramatisier nicht.

Ich will dir nichts wegnehmen.

Es wäre einfach fair.

Alles gemeinsam.

— Gemeinsam? — sie stand auf und ging zum Fenster.

— Dann lass es wirklich gemeinsam sein.

Schreibst du dein Auto auf mich um?

— Das Auto ist Kleinkram.

Aber die Wohnung ist ernst.

Olga drehte sich um.

— Aha.

Also ist deins „Kleinkram“ und meins „ernst“.

Bequeme Logik.

Dmitrij schlug mit der Hand auf den Tisch, die Tasse wackelte und Kaffee schwappte heraus.

— Du bist immer so! Starrköpfig wie ein Widder.

Ich bemühe mich um uns, und du …

— Um uns? — Olga kniff die Augen zusammen.

— Oder um dich selbst?

Die Pause zog sich hin.

Er wandte den Blick ab und begann nervös durch sein Handy zu scrollen.

— Versteh doch, die Leute werden mich respektieren, wenn ich auch eine Wohnung habe.

Sie werden mich nicht ansehen wie einen Mann ohne eigenes Dach über dem Kopf.

— Es ist mir egal, wer dich wie ansieht, — schnitt Olga ab.

— Das ist kein Grund, mich zu erpressen.

Er hob den Kopf.

— Wenn du nicht überschreibst, reiche ich die Scheidung ein.

Die Stille stürzte herab wie ein Ziegelstein.

Sogar der Kühlschrank in der Ecke schien zu verstummen.

Olga setzte sich wieder hin und sah ihren Mann an wie einen Fremden.

— Willst du mir gerade mit Scheidung drohen? — ihre Stimme zitterte, aber ihre Augen waren fest.

— Ich drohe nicht.

Ich bin es einfach leid, wie ein Niemand zu leben.

Sie nickte langsam.

— Dann so.

Die Wohnung gebe ich nicht her.

An niemanden.

Weder an dich noch an deine Mutter, falls sie davon träumt.

Das ist meine Festung.

Willst du — bleib.

Willst du nicht — du kennst die Tür.

Dmitrij sprang abrupt auf, der Stuhl knarrte.

— Also wählst du Mauern statt Familie?

— Nein, — sagte Olga kalt.

— Ich wähle mich selbst.

Denn wenn ich nachgebe, bleibt von mir nichts übrig.

Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schloss ihn aber wieder.

Er schlug die Schranktür zu, griff nach der Jacke und stürmte in den Flur.

Eine Sekunde später knallte die Wohnungstür.

Olga blieb allein zurück.

In der Wohnung hing der Geruch von Kaffee und gebratenen Zwiebeln, vermischt mit Bitterkeit.

Sie saß da, starrte auf den Teller mit dem halben Spiegelei und begriff: Das war es.

Der erste Schuss war gefallen.

Am nächsten Tag wachte Olga in einer seltsamen Stille auf.

Die Wohnung war leer — kein Geräusch, kein Tabakgeruch, mit dem Dimka sonst morgens das Bad verrauchte.

An der Garderobe hing seine Jacke nicht mehr, und vom Regal waren die Turnschuhe verschwunden.

Langsam ging sie ins Schlafzimmer.

Der Schrank gähnte mit leeren Regalböden: Jeans, Hemden, Sportkleidung — alles weg.

Auf dem oberen Regal lag einsam seine Krawatte von der Firmenfeier.

— So ein Schwein … — flüsterte Olga.

Das Handy blinkte mit ungelesenen Nachrichten.

Eine von Dima: „Ich bin bei Mama.

Überleg es dir.

Entweder wir teilen alles fair, oder ich gehe zum Standesamt.“

Olga grinste schief.

— Na klar.

Mütterchen ist in den Kampf gezogen.

Die Schwiegermutter, Walentina Petrowna, hatte sie noch nie gemocht.

Vom ersten Tag an.

Alles war falsch: „Die Suppe ist zu dünn“, „die Bluse ist zerknittert“, „der Sohn ist müde, und du schickst ihn einkaufen“.

Und nun gießt diese Frau ganz sicher Öl ins Feuer.

Eine Stunde später klingelte das Telefon.

Die Nummer der Schwiegermutter.

— Ja? — antwortete Olga trocken.

— Ola, guten Tag, — die Stimme von Walentina Petrowna war giftig-süß.

— Verzeih, dass ich mich einmische, aber ich unterstütze meinen Sohn.

Er hat nämlich recht.

Ein Mann ohne Wohnung ist kein Mann.

Und du hast gerade die Möglichkeit zu zeigen, dass dir die Familie an erster Stelle steht.

— Walentina Petrowna, — Olga seufzte.

— Ich rühre die Wohnung nicht an.

Das ist ein Erbe.

Es wird nicht geteilt.

Kennen Sie das Gesetz?

— Gesetz ist Gesetz, aber das Leben ist das Leben.

Glaubst du, die Leute respektieren eine Familie, in der die Frau über dem Mann dominiert?

— Und glauben Sie, ich lasse mir die Füße an mir abtreten?

Im Hörer war empörtes Schnauben zu hören.

— Undankbare!

Ich habe mich immer um euch bemüht …

— Wirklich? — unterbrach Olga sie.

— Bemüht? Sie haben nichts anderes getan, als mir vorzuschreiben, wie ich zu leben habe.

Also gut: Damit ist Schluss.

Sie legte auf.

Ihr Herz raste, ihre Hände zitterten.

Am Abend knallte die Tür — Dima kam zurück.

Mit zwei Taschen.

— Na also, — sagte er, ohne sie anzusehen, — hast du dich entschieden?

— Habe ich, — antwortete Olga ruhig.

— Leb bei deiner Mutter.

Er warf die Taschen in den Flur.

— Spinnst du? Du bist bereit, die Ehe wegen vier Wänden zu ruinieren?

— Das sind keine Wände, Dima.

Das ist mein Leben.

Er trat näher, seine Augen füllten sich mit Wut.

— Ich habe es dir gesagt: entweder fair oder Schluss.

— Dann Schluss, — erwiderte sie scharf.

In diesem Moment packte er sie grob am Arm.

— Begreifst du überhaupt, was du da tust?

Olga riss ihre Hand los.

— Lass mich los.

Sofort.

Sie standen sich gegenüber wie zwei Gegner im Ring.

— Gut, — presste er hervor.

— Morgen gehe ich zu einem Anwalt.

Ich werde herausfinden, wie man das alles regelt.

Du wirst es bereuen.

— Viel Glück, — sagte sie und schloss die Tür hinter ihm.

Spät in der Nacht klingelte das Telefon.

— Mama, schläfst du? — die Stimme der zwanzigjährigen Tochter Katja.

— Papa hat angerufen … er sagte, du hättest ihn rausgeworfen.

Dass ihr einen Skandal habt.

Dass du verrückt bist.

— Katja, — sagte Olga müde.

— Glaub das nicht.

Bei uns ist alles kompliziert, aber ich komme zurecht.

— Mama, er hat geweint, stell dir vor.

Er sagte, du hättest die Familie zerstört.

Olga saß schweigend in der Küche und umklammerte das Telefon.

Sie wollte schreien, aber sie schloss nur die Augen.

Eine Woche verging.

Olga lebte allein, und die Wohnung wirkte größer als sonst.

Abends klirrte die Stille, selbst der Kühlschrank brummte lauter als gewöhnlich.

Manchmal wollte sie, dass Dima zurückkommt, doch sobald sie an seine Augen dachte, als er die Dokumente forderte, verhärtete sich alles in ihr.

Das Telefon klingelte täglich.

Mal der Mann, mal seine Mutter, sogar Kollegen, „Freunde der Familie“.

Alle redeten ihr zu, „entgegenzukommen“, „die Ehe zu retten“, „nicht so stur zu sein“.

Am Freitagabend klingelte es an der Tür.

Auf der Schwelle standen beide: Dmitrij und Walentina Petrowna.

Er — düster, in Lederjacke, sie — geschniegelt, mit Tasche unter dem Arm und dem Blick eines Generals.

— Wir müssen reden, — erklärte die Schwiegermutter, ohne zu grüßen.

— Kommen Sie rein, — sagte Olga und verschränkte die Arme vor der Brust.

In der Küche begann der Samowar zu kochen.

Walentina Petrowna setzte sich, legte die Hände auf den Tisch wie bei einem Verhör.

Dmitrij stand schweigend am Fenster.

— Ola, — begann die Schwiegermutter, — ich bin eine direkte Frau, also sage ich es offen.

Du musst die Wohnung auf meinen Sohn überschreiben.

Dann bleibt die Familie bestehen, und Katja wird nicht leiden.

Olga schnaubte.

— „Musst“? Meinen Sie das jetzt ernst?

— Absolut.

Der Mann ist der Hausherr.

Und hier gibt es keinen Hausherrn.

Du hältst meinen Sohn in Demütigung.

— Ihr Sohn hat sich selbst dort hineingebracht.

Dmitrij trat näher.

— Ola, ich will keinen Streit.

Unterschreib — und alles läuft friedlich.

— Friedlich? — Olga hob den Blick.

— Du erpresst mich mit dem Kind, mit deiner Mutter, und jetzt auch noch „friedlich“.

Sie stand abrupt auf und holte aus der Kommodenschublade einen Ordner.

Die Papiere landeten auf dem Tisch.

— Das ist der Antrag fürs Gericht.

Ich reiche die Scheidung ein.

Die Schwiegermutter schnappte nach Luft.

Dmitrij wurde blass.

— Bist du verrückt geworden? — er griff nach dem Ordner, doch Olga zog ihn zurück.

— Nein.

Ich habe es einfach satt.

Ihr wolltet mir das Einzige nehmen, was ich habe.

Aber ich habe mich für mich entschieden.

Walentina Petrowna sprang auf, ihr Gesicht verzerrte sich.

— Du wirst es bereuen, Göre!

— Nein, — antwortete Olga ruhig.

— Das werdet ihr.

Dmitrij stampfte mit dem Fuß wie ein Teenager.

— Gut.

Mach, was du willst.

Ich gehe.

Aber wisse: Ich komme nicht zurück.

— Hervorragend, — sagte Olga.

— Die Tür ist dort.

Sie gingen.

Die Tür schlug zu.

Die Wohnung verstummte wieder.

Olga setzte sich an den Tisch und goss sich eine Tasse Tee ein.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren war es in ihr ruhig.

Ohne Angst, ohne Demütigung.

Nur Leere — aber es war ihre Leere.

Sie sah zu den Fotos ihrer Eltern an der Wand.

— Ich habe richtig gehandelt, — flüsterte sie.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit lächelte sie.